Azure ohne Ausgang? Microsoft-Cloud gerät ins Visier der US-Behörden

Kurz bevor die aktuelle US-Regierung unter Präsident Biden abgelöst wird, will die auch als Kartellwächter agierende Federal Trade Commis­sion (FTC) eine Untersuchung von Microsofts Cloud-Plattform starten. Es gilt zu klären, ob Microsoft die Kunden mit Knebelverträgen "einsperrt".
Cloud, Cloud-Speicher, cloudspeicher, Cloud Computing, Online Speicherdienst, Wolke, Cloud Dienst

FTC-Chefin Khan will letzte große Untersuchung starten

Laut einem Bericht der Financial Times wird die FTC in den kommenden Wochen eine ausführliche Untersuchung des Geschäftsgebarens von Microsoft rund um Azure starten. Dabei möchte man herausfinden, ob Microsoft seine Marktmacht im Bereich der Produktivitätslösungen ausnutzt, um mit stark beschränkten Lizenzbedingungen den Wechsel von Azure zu anderen Cloud-Diensten zu erschweren.

Im Grunde geht es also um die gleichen Themen, die Microsoft auch in der EU vorgeworfen wurden. Angeblich machen es die Lizenzvorgaben von Microsoft schwerer, Daten aus der Azure-Cloud auf Plattformen anderer Anbieter zu verlagern, so jedenfalls der Vorwurf, den die FTC laut den mit der Angelegenheit vertrauten Quellen des Berichts erhebt.

Hohe Kosten für Kunden, die zu anderen Anbietern gehen

Zu den mutmaßlich verwendeten Taktiken gehört angeblich, dass Microsoft die Kosten für die als Teil von Abonnementmodellen vermarkteten Office-Produkte für all die Kunden stark anhebt, die mit ihren Cloud-Anwendungen auf Plattformen von anderen Anbietern wechseln. Außerdem soll Microsoft hohe Gebühren für Kunden erheben, die ihre Verträge mit dem Softwarekonzern auflösen wollen.

Die Untersuchung der FTC steht allerdings noch ganz am Anfang, denn die Behörde hat bisher noch keinerlei Dokumente oder andere Informationen von Microsoft eingefordert. Die Prüfung von Microsofts Geschäftsgebaren und eine mögliche eingehende Untersuchung wären wohl die letzten großen Maßnahmen, die die scheidende FTC-Chefin Lina Khan vor dem Ende ihrer Amtszeit einleiten wird.

Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte unter der neuen Trump-Regierung wird auch der Chefposten der FTC neu besetzt, wobei aktuell noch offen ist, wer die Nachfolge von Khan antritt. Dadurch kann die aktuelle FTC-Chefin die Ermittlungen rund um Microsoft Azure also zwar einleiten, aber ob sie zu Ende geführt und letztlich in einer möglichen Strafe enden werden, hängt von Khans Nachfolge ab.

Allerdings könnte Microsoft auch unter Trump weiter Ärger drohen. So kritisierten auch die US-Republikaner das Verhalten der großen Technologiekonzerne, auch wenn die Gründe hier nicht in einer Verhinderung eines freien Wettbewerbs oder einer Benachteiligung der Kunden liegen. Viel mehr wirft man ihnen vor, mit verschiedenen Maßnahmen die "freie Meinungsäußerung" von konservativen Stimmen in den USA zu unterbinden.

Zusammenfassung
  • FTC plant Untersuchung von Microsofts Cloud-Plattform Azure
  • Vorwurf: Knebelverträge erschweren Wechsel zu anderen Anbietern
  • Vermutete Taktiken: Preiserhöhungen und hohe Vertragsauflösungsgebühren
  • Untersuchung steht am Anfang, noch keine Dokumente angefordert
  • Ausgang ungewiss: FTC-Chefwechsel nach Regierungswechsel am 20. Januar 2025
  • Auch unter neuer Regierung könnte Microsoft weiter unter Druck geraten
  • Kritik der Republikaner aus anderen Gründen als Wettbewerbsverzerrung

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!