Trumps Ex-Berater fiel auf falsche Rechtshinweise von Google Bard rein

Der Rechtsberater des ehemaligen US-Präsidenten Trump hat sich offen­bar fälschlicherweise auf die Angaben von Googles Bard ge­stützt, um sich in einem laufenden Gerichtsverfahren Argumente für die Ver­tei­di­gung zu verschaffen. Google Bard lieferte schlicht falsche Aussagen.
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Bard zitierte nicht existente Gerichtsurteile

Wie die New York Times berichtet, hat der Jurist Michael D. Cohen, der nach einer Haftstrafe und einer früheren Verurteilung wegen Verstößen gegen Vorgaben für die Finanzierung von Wahlkampagnen noch immer unter gerichtlicher Beobachtung steht, seinen Anwälten angebliche Auszüge aus Gerichtsurteilen zukommen lassen, die er zuvor über Anfragen bei Googles KI-Chatbot Bard zusammengetragen hatte.

Was an sich kein Problem wäre, hat für Cohen aber nun möglicherweise drastische Folgen. Die von Googles künstlicher Intelligenz gelieferten Zitate aus früheren Verfahren waren nämlich nicht echt. So generierte das System offenbar zu jenem Zeitpunkt, als der frühere Trump-Berater es nutzte, schlicht falsche Angaben, die mit Verweisen auf Quellen und ähnliches versehen waren - aber eigentlich gar keine Grundlage hatten.

Cohen beteuert seine Ahnungslosigkeit

Laut einer eidesstattlichen Erklärung, die Cohen jüngst abgegeben hat, reichte er die von Google Bard fabrizierten Fantasieangaben an seine Anwälte weiter, die diese wiederum in Anträge einfließen ließen, mit denen ihr Mandant eine Aussetzung der gerichtlichen Überwachung erreichen wollte. Cohen erklärte, er sei schlicht nicht auf dem Laufenden gewesen, was die möglichen Risiken bei der Nutzung von Bard und der möglichen Unzuverlässigkeit bezüglich der Fakten in damit erstellten Texten angeht.


Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Google Bard ein Dienst für generative Texte sei, der, wie ChatGPT, Verweise und Beschreibungen anzeigen könne, die zwar echt aussehen, es aber eben nicht sind. Gleichzeitig habe Cohen aber auch nicht erwartet, dass seine Anwälte die von Bard gelieferten Formulierungen einfach ohne jede Prüfung in ihre Einreichungen bei Gericht einfügen würden, beteuerte er.

Jüngster Schnitzer gefundenes Fressen für Trumps Anwälte

Für den ehemaligen Rechtsberater von Donald Trump könnte seine Uninformiertheit über die Unfähigkeit von Google Bard in Rechtsfragen durchaus zu einem großen Problem werden. Eigentlich soll Cohen im andauernden Verfahren gegen seinen früheren Arbeitgeber Trump als einer der wichtigsten Zeugen auftreten - und gegen ihn aussagen. Trumps Anwälte stellen Cohen schon länger als eine Art krankhaften Lügner dar, wofür sie nun einen weiteren Beleg haben - in Form des jüngsten kapitalen Fehlers.

Cohens Eingeständnis bezüglich der von Bard herbei fabulierten Verweise auf frühere Gerichtsurteile kam nur deshalb zustande, weil die in seinem Fall zuständigen Richter festgestellt hatten, dass keiner der zitierten Fälle aufzufinden war. Sie forderten Cohens Anwälte deshalb auf, doch bitteschön Kopien der insgesamt drei Urteile vorzulegen. Weil dies nicht möglich war, müssen die Anwälte gegenüber dem Gericht nun außerdem rechtfertigen, wie es dazu kommen konnte, dass man ungeprüft irgendwelche von einer KI halluzinierten Urteile in Gerichtsdokumenten zitierte.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass bei einem Verfahren vor dem gleichen Gericht im New Yorker Stadtteil Manhattan Probleme durch von einem KI-System zitierte Fake-Urteile auftraten, weil Anwälte überzeugt waren, die künstliche Intelligenz könne ihnen ihre Arbeit erleichtern.

Zusammenfassung
  • Cohens Verteidigung nutzte Googles KI-Chatbot Bard
  • KI lieferte falsche Angaben für Gerichtsverfahren
  • Cohen gab falsche KI-Zitate an Anwälte weiter
  • Anwälte verwendeten KI-Texte ohne Prüfung
  • Cohen uninformiert über Risiken von Bard
  • Richter entdeckten fehlende Urteilsbelege
  • Zweiter KI-Fehler bei Gericht in Manhattan

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