Solarbranche will 100.000 zusätzliche Beschäftigte einstellen

In der Solarbranche schlummert derzeit ein großes Potenzial für Arbeitsplätze. Um die zu erwartende Auftragslage in den verschiedenen Bereichen abdecken zu können, werden in den nächsten Jahren hunderttausend weitere Leute benötigt.
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Zum letzten Jahreswechsel waren in der Solarbranche in Deutschland rund 65.000 Beschäftigte unter Vertrag, erklärte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. "Wir werden in eine Größenordnung von 165.000 kommen müssen", führte er aus.

Hintergrund dieser Einschätzung seien die Ausbauziele, die die Bundesregierung gesetzt hat und für die federführend das Bundeswirtschaftsministerium in den letzten Monaten die Weichen stellte. Hier ist eine deutliche Beschleunigung vorgesehen: Im letzten Jahr wurden Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 7,4 Gigawatt installiert, in diesem Jahr wird man voraussichtlich die 10-Gigawatt-Marke knacken.




Der Fahrplan sieht dann aber noch weitere Steigerungen vor, sodass 2026 bereits Anlagen mit 26 Gigawatt neu dazukommen. Das ist mit den Leuten, die heute in der Branche tätig sind, allerdings nicht zu schaffen. Es müssen also kurzfristig zusätzliche Fachkräfte herangezogen werden. "Es fehlt vor allem an Handwerkern", konkretisierte Verbandsvize David Wedepohl. Was dies bedeutet, wird jeder spüren, der aktuell eine Anlage bauen will oder gar nähere Kontakte zu entsprechenden Handwerkern hat. Zwar gibt es inzwischen wieder Material, in einigen Regionen gehen einige Fachfirmen aber schon nicht einmal mehr ans Telefon, weil sie ohnehin bis ins nächste Jahr ausgebucht sind und keine Zeit haben, weitere Interessenten zu vertrösten.

Zu wenig Unterstützung

Handwerker sind aber nicht das einzige Risiko, mit dem die Branche zu kämpfen hat. Um den Materialnachschub zu sichern und sich nicht erneuten Problemen mit den Lieferketten aus Asien auszusetzen, wäre der Ausbau der Modulproduktion in Europa nötig. Aktuell geht es aber wieder einmal eher in die andere Richtung. Der einzige Hersteller von Solarzellen in Europa, Meyer Burger, machte in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) deutlich, dass man sich zukünftig wohl eher auf die Expansion in den USA konzentrieren werde - denn dort würde man deutlich mehr Unterstützung bekommen.

Die beiden Werke des Unternehmens in Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen zwar bleiben, neue Investitionen werden aber wohl anderswo hinfließen. Denn Lindner sprach zwar noch vor nicht allzu langer Zeit von der Bedeutung der "Freiheitstechnologien", mit denen man unabhängiger von russischer Energie werde. In der Praxis setzt der Finanzminister aber lieber auf Ausgabenkürzungen als auf eine zielgerichtete Förderung von Zukunftsbranchen. In der Praxis sieht das dann so aus, dass der bayerische BayWa-Konzern zwar eine große Partnerschaft mit Meyer Burger einging, die Solarzellen werden allerdings aus dem Werk im US-Bundesstaat Arizona kommen.

Zusammenfassung
  • Solarbranche benötigt hunderttausend zusätzliche Leute
  • Ausbauziele der Bundesregierung: 10 Gigawatt 2023, 2026 26 Gigawatt
  • Mangel an Handwerkern, Materialnachschub, Modulproduktion in Europa
  • Meyer Burger: Expansion in USA statt Europa, Solarzellen aus Arizona
  • Bundesfinanzminister Lindner: Unterstützung nur in Worten

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