Astronomie: Spektakulärer Gammablitz war wohl nur Photobombing

Die Astronomie-Welt befand sich im letzten Jahr in freudiger Aufregung, als Forscher vermeldeten, die bisher am weitesten entfernte Aufnahme einer kosmischen Explosion angefertigt zu haben. Doch nun kommen Zweifel an der spektakulären Geschichte auf.
Laut den Wissenschaftlern soll es sich bei dem von ihnen aufgenommenen Signal um einen Gammablitz gehandelt haben, der seinen Ursprung in der Galaxie GN-z11 haben sollte. Zwei neue Studien kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass die ursprüngliche Interpretation der Daten falsch ist. Stattdessen habe man es hier wohl mit etwas zu tun, was in der Internet-Kultur als Photobombing bekannt ist.

Das kurze heftige Aufflackern in den Aufnahmen soll demnach schlicht von einer ausgebrannten russischen Raketenstufe stammen, die durch den Aufnahme-Bereich flog. Diese könnte für einen sehr kurzen Moment Sonnenlicht direkt in die empfindlichen Detektoren reflektiert haben, was man angesichts der enormen Entfernung, die man eigentlich beobachtete, als extrem starken Energieausbruch interpretierte.

Gammablitz ohnehin unwahrscheinlich

Schon die Forscher, die den Blitz meldeten, waren aber wohl nicht restlos von ihrer Entdeckung überzeugt. Gamma-Blitze entstehen, wenn die Überbleibsel sehr großer Sterne oder auch zwei Neutronen-Sterne durch eine Kollision zu einem Schwarzen Loch werden. Dies passiert zwar relativ häufig, wenn man das gesamte Universum zum Maßstab nimmt. Dass man aber ausgerechnet im richtigen Zeitpunkt zur richtigen Stelle schaut, wird von den Astronomen auf eine Wahrscheinlichkeit von 1:10 Milliarden geschätzt.

Aufblitzender Weltraumschrott kommt hingegen sehr viel häufiger vor. Immerhin kreisen inzwischen gut eine halbe Million Metall-Teile, die größer als ein Zentimeter sind, auf diversen Orbits um die Erde. Astronomen sprechen inzwischen davon, dass es bis zu zehntausend blitzartige Reflexionen pro Stunde am Himmel zu sehen gibt - die meisten sind für das menschliche Auge nicht zu sehen, in den empfindlichen Systemen der Observatorien tauchen sie aber doch immer wieder auf. Im Falle des vermeintlichen Gammablitzes wurde anhand der Schrott-Kataloge berechnet, dass zum fraglichen Zeitpunkt eine Booster-Stufe einer im Jahr 2015 gestarteten russischen Proton-Rakete durch das Beobachtungsfenster des genutzten Teleskops geflogen sein könnte.

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