Fehlschlag bei Krebsmedizin könnte Bioelektronik enorm voranbringen

Es kommt in der medizinischen Forschung recht oft vor, dass ein viel­ver­sprechender Stoff dann doch nicht so gut gegen eine Krankheit wirkt wie erhofft. In einem solchen Fall könnte das untersuchte Material aber die Bioelektronik einen entscheidenden Schritt voranbringen.
Modell, Molekül, Atome
Flickr: net_efekt
Eigentlich war ein Forscherteam von der University of Illinois vor einiger Zeit recht zuversichtlich, einen vielversprechenden Wirkstoff gegen Krebs in der Hand zu haben. Denn dieser konnte sich an DNA-Stränge mit bestimmten Eigenschaften andocken und verhindern, dass die übergeordneten Zellen sich weiter vermehren. In der Theorie hätten also gezielt Tumor-Zellen an der Fortpflanzung gehindert werden können.

In Experimenten zeigte sich allerdings, dass die Theorie hier zu große Hoffnungen geweckt hatte - und in der Praxis versagte der Wirkstoff einfach. Doch das bedeutet nicht, dass die Arbeit komplett umsonst gewesen wäre. Die Professorin Ying Diao arbeitete mit ihrem Team nämlich parallel auch an Verbindungsmöglichkeiten von Biologie und Elektronik. Und hier erwachte das gescheiterte Krebsmedikament dann plötzlich zu einem neuen Leben.


Druckbare Biosensoren

"Als wir diese pharmazeutischen Moleküle untersuchten, fiel uns auf, dass ihre Molekülstrukturen den organischen Halbleitern sehr ähneln, an denen der Rest der Gruppe gearbeitet hat", berichtete Diao. Versuche zeigten, dass sie ebenfalls als Halbleiter eingesetzt werden konnten. Und da sich die organischen Moleküle auch nutzen lassen, um Schaltkreise mit herkömmlichen Tintendruckverfahren zu drucken, können sie zur Produktion von Elektronik gut genutzt werden.

Hinzu kommt bei dem ehemaligen Krebs-Hoffnungsträger, dass er zusätzlich die Eigenschaft mitbringt, sich einfach mit anderen, komplexen organischen Molekülen zu verbinden. "Diese Moleküle können mit einer hohen Spezifität mit anderen biologischen Materialien interagieren, wodurch sie zu guten Kandidaten für Biosensoren werden. So können sie an Gewebe andocken, Informationen lesen, verarbeiten und letztlich ausgeben."

"Sie sind leicht druckbar, benötigen aber neue Lösemittel, weil sie etwas anders aufgebaut sind als andere organische Halbleiter", führte Diao aus. Die Infrastruktur für die Fertigung neuer Systeme auf ihrer Grundlage sei aber längst vorhanden.

Siehe auch: Elektronik aus dem Drucker rückt einen Schritt näher
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!