Branche top, Löhne flop: "Mafiöse Strukturen" plagen die Paketzusteller

Entwicklung, Börse, Aktie, Kurs, Talfahrt Bildquelle: CC0 / Pixabay
Der Aufstieg des Online-Handels war nur mit einem echten Boom in der Paketzusteller-Branche möglich. Wie die Bundesregierung jetzt mitteilt, geht diese Entwicklung aber nicht mit steigenden Löhnen bei den Beschäftigten einher - im Gegenteil: Im letzten Jahrzehnt sank das Bruttomonatsentgelt um 13 Prozent. Der Verdi-Chef spricht von "mafiösen Strukturen", die ein noch düstereres Bild zeichnen.

Immer mehr Pakete werden zugestellt, die Zusteller bekommen immer weniger

Die rasant wachsende Nachfrage nach Paketdiensten hat für einen echten Boom der Branche gesorgt. In zehn Jahren wuchs die Gesamtzahl der Beschäftigten von 102.000 auf 155.000. Wie die Rheinische Post in einem aktuellen Bericht schreibt, landet bei den meisten Beschäftigten in der Branche aber immer weniger Geld auf dem Konto. Auf eine Anfrage der Linken hatte die Bundesregierung Zahlen zum mittleren Bruttomonatsentgelt von 2007 bis 2017 vorgelegt: Demnach sank der Verdienst der Paketzusteller von 2859 auf 2478 Euro, also um rund 13 Prozent - bei vergleichbaren Tätigkeiten stiegen die Löhne um 23,7 Prozent. Infografik: Paketdienste verdienen immer weniger pro Paket Paketdienste verdienen immer weniger pro Paket Eine genaue Betrachtung der Zahlen zeigt dann auch ein Bild, das so von Kritikern der Branche schon seit Jahren gezeichnet wird. Auf der einen Seite konnten sich die Löhne bei Vollzeitbeschäftigten in tarifgebundenen Betrieben positiv entwickeln. Die Schere zu den Beschäftigten ohne Tarifbindung ging dagegen im letzten Jahrzehnt immer weiter auf: Lag die Differenz 2007 bei rund 330 Euro brutto, ist sie heute rund doppelt so groß.

Die Sub-Subunternehmen sind das Problem

Wirklich problematisch wird es dann aber nach Meinung des linken Gewerkschaftsexperten Pascal Meiser mit einem Blick auf die ausländischen Subunternehmer, die in der offiziellen Statistik der Bundesregierung keine Erfassung finden. "Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt", so Meiser laut der Rheinischen Post. Eine Paketzusteller-Lizenz und verstärkte Kontrollen seien aus der Sicht des Experten dringend nötig, um solche Strukturen zu unterbinden.

Verdi-Chef Frank Bsirske ging jüngst in seiner Kritik noch ein ganzes Stück weiter und diagnostizierte für die Paket-Branche teils "mafiöse Strukturen". In einem System mit Sub-Subunternehmern, die Menschen aus der Ukraine, Moldawien und Weißrussland beschäftigten, seien Löhne von 4,50 Euro bis 6 Euro bei Arbeitszeiten von 12 bis 16 Stunden pro Tag üblich. Der zuständige Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) möchte dieses Problem mit der Einführung der Nachunternehmerhaftung angehen, die die Haftung für die Einhaltung von Mindestlöhnen und Sozialabgaben auch den großen Zustellunternehmen auferlegt. Entwicklung, Börse, Aktie, Kurs, Talfahrt Entwicklung, Börse, Aktie, Kurs, Talfahrt CC0 / Pixabay
2019-04-08T14:57:00+02:00
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