Piratenjäger feiern "Millionen entfernte URLs" - die es aber nicht gibt

Die Jagd auf Filesharer und Piraten ist vor allem auch eine Propaganda-Schlacht. Die Industrie versucht, jeden kleinen Urheberrechtsverstoß als Kapitalverbrechen darzustellen, die Piraten feiern sich auch gerne selbst als Robin Hoods des Copyrights. Die Wahrheit liegt aber wohl irgendwo dazwischen. Während die Piraten höchstens zu so etwas wie "Schwarm-PR" in der Lage sind, hat die Industrie diverse Werkzeuge der Werbung. Doch nicht immer stimmt das, was behauptet wird. Wie das renommierte Filesharing-Blog TorrentFreak (TF) berichtet, hat sich eine Musik-Industrie-Gruppierung namens Association of Independent Music (AIM) jüngst mit der Anti-Piraterie-Truppe MUSO zusammengetan, um Links zu illegalen Dateien aus dem Netz zu bekommen.

Das ist legitim und den Beteiligten steht es natürlich auch frei, diese Erfolge zu feiern. Allerdings sollte man hier bei Tatsachen bleiben. Denn AIM, das 800 unabhängige britische Musikunternehmen vertritt, hat mit den Anti-Piraterie-Jägern von MUSO behauptet, dass man mit Hilfe von automatischen Takedowns mehrere Millionen gegen Urheberrechte verstoßende Links aus dem Internet entfernen konnte.

Beeindruckend?

Das hat AIM diese Woche auch mit einer Pressemitteilung gefeiert. Und die Ergebnisse sehen auf den ersten Blick auch mehr als beeindruckend aus, eigenen Angaben nach hat man seit Mai dieses Jahres etwa fünf Millionen Takedowns umgesetzt.

Doch TF hat sich die Sache näher angesehen und kommt auf diverse Unstimmigkeiten. Denn die meisten Takedowns gingen wohl in Richtung Google. Das bedeutet, dass nicht die eigentlichen Urheberrechtsverstöße entfernt wurden, sondern lediglich die Google-Links dazu. Das wäre sicherlich dennoch ein Erfolg, doch auch das hält einer genaueren Überprüfung nicht stand.

Der Transparency Report von Google bestätigt zwar, dass AIM und MUSO rund fünf Millionen Takedown-Anfragen übermittelt haben. Doch ein überwiegender Großteil wurde nicht entfernt und zwar aus gutem Grund: Die meisten der Links waren nämlich gar nicht im Suchindex von Google aufgeführt und konnten somit gar nicht entfernt werden.

Die Sache geht aber sogar noch weiter: Selbst wenn Google diese Links auf Verdacht auf einer schwarzen Liste aufführen würde: Viele der URLs, die gelistet werden, führen gar nicht zu Verstößen, sondern komplett ins Leere. Es sieht vielmehr so aus, als würde hier ein Automatismus Bausteine zusammensetzen, egal ob diese echte Copyright-Verstöße aufweisen oder nicht.
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