Frankreich: Polizei setzt Chef der France Telecom fest

Der Chef des französischen Telekommunikationskonzerns France Télécom, Stéphane Richard, ist von der Polizei festgenommen worden. Die Gründe dafür sind in seiner bisherigen Laufbahn zu suchen.
Manager, France Télécom, Stephane Richard
Olivier Ezratty (CC BY-SA 3.0)
Der Manager war früher ein hochrangiger Mitarbeiter im französischen Finanzministerium. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens rund um das Unternehmen Tapie wird derzeit geprüft, ob er seine Position missbrauchte, um der Firma finanzielle Vorteile zu Lasten der Steuerkasse zu gewähren, berichtete der Nachrichtensender N-TV.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Paris wurde noch kein Verfahren gegen Richard eingeleitet. Die Festsetzung dient vorerst nur einer tiefergehenden Befragung, was laut französischem Recht korrekt ist. Bis zu 48 Stunden kann Richard demnach festgehalten werden. In diesem Zeitraum muss auf Grundlage des Verhörs entschieden werden, ob ein Strafverfahren eingeleitet oder der Manager freigelassen wird.

Hintergrund des Ganzen ist die Übernahme und der spätere Verkauf des deutschen Sportartikel-Herstellers Adidas durch Tapie. Das Unternehmen hatte eine Bank mit der Veräußerung von Adidas beauftragt. Das Finanzhaus kaufte die Anteile letztlich selbst auf - und verkaufte sie kurz darauf zu einem wesentlich höheren Preis weiter. Bei Tapie sah man sich so um den Differenzbetrag geprellt.

Es folgte eine längere Auseinandersetzung vor den Gerichten. Vor einem ordentlichen Gericht bekam das Unternehmen einen Schadensersatz zugesprochen, der jedoch nicht als ausreichend erachtet wurde. 2007 wurde der Fall vom Finanzministerium an ein Schiedsgericht überwiesen, wo eine deutlich höhere Summe ausgehandelt werden konnte.

Dies führte zu Kritiken, dass das Ministerium bewusst eine Instanz auswählte, bei der Tapie sehr gute Chancen auf mehr Geld hatte. Seitens der Opposition kam der Verdacht auf, dass dies aus Dank für seine Unterstützung des kurz zuvor gewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy geschah. In der Sache wurde auch schon die damalige Finanzministerin Christine Lagarde vernommen, allerdings ohne Ergebnis.
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