Intel fehlt es an Zukunftsplan und Chef-Kandidaten

Der Chiphersteller Intel hat weiterhin Probleme, sich an die verändernden Gegebenheiten des Marktes anzupassen. Nicht einmal einen neuen Chef kann das Unternehmen aktuell problemlos finden.
Prozessor, Intel, Medfield
Intel
Der langjährige Vorstand Paul Otellini hatte Ende letzten Jahres seinen Rückzug bekannt gegeben. Seitdem ist Andy Bryant, der Leiter des Aufsichtsrates, mit der Suche nach einem passenden Nachfolger beschäftigt. Dieser muss vor allem auch bereit sein, die riskante Aufgabe zu übernehmen, den weltweit größten Chiphersteller so zu wandeln, dass dieser in den neuen Zeiten zurechtkommt, berichtet die 'New York Times'.

Gerade hier tut sich Intel seit langer Zeit schwer. Zu lange hatte man sich wohl darauf verlassen, dass der ständig wachsende PC-Markt eine zuverlässige Wachstumsquelle sein kann. Nun allerdings brechen die Verkaufszahlen immer weiter ein und die Verbraucher stürzen sich auf mobile Endgeräte, in denen Prozessoren der Konkurrenz zum Einsatz kommen.

Aber das ist nicht das einzige Problem. In der Vergangenheit bildeten auch CPUs für Server eine zuverlässige Einnahmequelle. Hier konnte Intel den Markt mit Produkten der mittleren und oberen Preisklasse beliefern. Allerdings wendet sich hier das Bild dahingehend, dass heutige Cloud-Anwendungen nicht auf einzelnen großen Maschinen laufen, sondern auf zahlreichen einfachen Servern, die zu tausenden weltweit verteilt sind. Hier ist die Konkurrenz deutlich stärker und die Gewinnmargen geringer.

Entsprechend beobachten die Branchenkenner an der Börse die Lage mit Sorgenfalten. "Es sieht so aus, als ob keine Zukunftspläne vorhanden sind, und das ist problematisch", erklärte Hans Mosesmann, Analyst bei der Finanzholding Raymond James. "Es ist nur noch einen Monat hin, bis Otellini tatsächlich geht, und nichts ist gelöst."

Wie zerfahren die Situation ist, zeigt beispielhaft die Suche nach einem neuen Chef. Der Aufsichtsrat hat sich bisher vor allem extern umgesehen. Sehr wahrscheinlich wird es dann aber doch auf einen internen Kandidaten hinauslaufen. Denn seit jeher ist man eigentlich davon überzeugt, dass ein Konzernchef die Firmenkultur Intels tief verinnerlicht haben muss, um erfolgreich zu sein.

So erklärte auch ein anonym gebliebener Insider, dass es nicht um einen möglichst soliden Firmenlenker gehen kann: "Die Aufgabe des Aufsichtsrates besteht darin, den Kandidaten zu finden, der am besten in den Job hineinwachsen kann. Immerhin muss Intel seinen nächsten Akt definieren."

Unter dessen versucht Bryant, ein seit 32 Jahren bei dem Unternehmen aktiver Veteran, die Beschäftigten erst einmal selbst auf die Anforderungen einzustellen. Er appelliert an Veränderungsbereitschaft, da die Einnahmequellen von heute sich in der kommenden Zeit massiv ändern würden.
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