Statt spezialisierter Systeme:
Schlichtes ChatGPT fährt einen Toyota
Drei Tech-Mitarbeiter aus San Francisco haben mehrere aktuelle KI-Modelle dazu gebracht, einen Toyota Corolla über einen einfachen Hindernisparcours zu steuern. Statt spezialisierter Systeme steuerte also ein simples ChatGPT den Wagen.
Getestet wurden GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1, Grok 4.6 und GPT-5.6 Sol. Auf einem mit Verkehrshütchen markierten Parcours auf einem Parkplatz sollten die Modelle das Fahrzeug zwischen den Begrenzungen hindurchführen und am Ende in einem markierten Bereich parken. Drei der vier Modelle kamen allerdings nur wenige Meter weit und beendeten den Kurs nicht. GPT-6 Astra schaffte es schließlich, den Parcours vollständig zu absolvieren - allerdings erst nach umfangreichen Anpassungen.
Eine unerwartete Hürde waren laut den Entwicklern die Sicherheitsmechanismen der Chatbots. Mehrere Modelle verweigerten zunächst die Aufgabe, sobald sie erkannten, dass sie ein echtes Fahrzeug steuern sollten. Das Team änderte deshalb wiederholt die Eingaben und bezeichnete die Umgebung schließlich als "Sandbox". Damit ließ sich Astra laut den Entwicklern dazu bewegen, die Fahraufgabe auszuführen.
Während der Tests saß weiterhin ein Mensch im Fahrzeug, der den Start auslöste und jederzeit eingreifen konnte. Der Fuß blieb dabei über der Bremse. Das ist besonders relevant, weil Comma selbst bereits Gegenstand einer Untersuchung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ist. Hintergrund sind zwei Unfälle mit drei Todesopfern im Zusammenhang mit dem System.
DrivingBench veröffentlicht seinen Quellcode, die verwendeten Prompts und Videos des Experiments. Das Team versteht den Versuch vor allem als Benchmark für KI-Systeme in der physischen Welt. Eine praktische Alternative zu spezialisierten autonomen Fahrsystemen wie denen von Waymo oder Tesla soll der Ansatz ausdrücklich nicht sein. Ein Problem bleibt zudem die Reaktionszeit: Wenn ein Modell mehrere Sekunden zum "Nachdenken" benötigt, kann ein Fahrzeug selbst bei niedriger Geschwindigkeit bereits mehrere Meter ohne neue Anweisung zurücklegen.
Siehe auch:
Nur GPT kam ans Ziel
Das Experiment stammt vom Team DrivingBench, bestehend aus Aditya Ramabadran, Tobias Gessler und Simon Mahns. Die drei wollten herausfinden, ob handelsübliche Frontier-Modelle ohne spezielles Training ein reales Fahrzeug steuern können, berichtete das US-Magazin 404 Media. Dafür verbanden sie den Toyota Corolla über das Open-Source-System Comma mit einem Laptop, auf dem die KI-Modelle liefen. Zwei Kameras lieferten Bilder der Umgebung an die Chatbots.Getestet wurden GPT-6 Astra, Claude Fable 5.1, Grok 4.6 und GPT-5.6 Sol. Auf einem mit Verkehrshütchen markierten Parcours auf einem Parkplatz sollten die Modelle das Fahrzeug zwischen den Begrenzungen hindurchführen und am Ende in einem markierten Bereich parken. Drei der vier Modelle kamen allerdings nur wenige Meter weit und beendeten den Kurs nicht. GPT-6 Astra schaffte es schließlich, den Parcours vollständig zu absolvieren - allerdings erst nach umfangreichen Anpassungen.
Eine unerwartete Hürde waren laut den Entwicklern die Sicherheitsmechanismen der Chatbots. Mehrere Modelle verweigerten zunächst die Aufgabe, sobald sie erkannten, dass sie ein echtes Fahrzeug steuern sollten. Das Team änderte deshalb wiederholt die Eingaben und bezeichnete die Umgebung schließlich als "Sandbox". Damit ließ sich Astra laut den Entwicklern dazu bewegen, die Fahraufgabe auszuführen.
Unerwartete Hindernisse
Auch die technische Umsetzung war aufwendig. Für die Kommunikation zwischen Sprachmodell und Fahrzeug programmierte das Team eine eigene Software-Schnittstelle. Ein erster Versuch, den Code weitgehend von Astra erstellen zu lassen, habe laut den Entwicklern zu einem rund 200.000-Zeilen umfassenden und unbrauchbaren Projekt geführt. Zudem musste die Gruppe mehrfach neue Parkplätze suchen, nachdem sie von privaten Grundstücken verwiesen worden war.Während der Tests saß weiterhin ein Mensch im Fahrzeug, der den Start auslöste und jederzeit eingreifen konnte. Der Fuß blieb dabei über der Bremse. Das ist besonders relevant, weil Comma selbst bereits Gegenstand einer Untersuchung der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ist. Hintergrund sind zwei Unfälle mit drei Todesopfern im Zusammenhang mit dem System.
DrivingBench veröffentlicht seinen Quellcode, die verwendeten Prompts und Videos des Experiments. Das Team versteht den Versuch vor allem als Benchmark für KI-Systeme in der physischen Welt. Eine praktische Alternative zu spezialisierten autonomen Fahrsystemen wie denen von Waymo oder Tesla soll der Ansatz ausdrücklich nicht sein. Ein Problem bleibt zudem die Reaktionszeit: Wenn ein Modell mehrere Sekunden zum "Nachdenken" benötigt, kann ein Fahrzeug selbst bei niedriger Geschwindigkeit bereits mehrere Meter ohne neue Anweisung zurücklegen.
Zusammenfassung
- DrivingBench testete vier gängige Sprachmodelle beim Steuern eines Autos
- Ein Toyota Corolla wurde per Open-Source-System mit einem Laptop verbunden
- Lediglich GPT-6 Astra absolvierte den markierten Parcours auf dem Parkplatz
- Sicherheitsfilter der Bots mussten durch veränderte Prompts umgangen werden
- Eine eigens entwickelte Schnittstelle verband das jeweilige Modell mit dem Pkw
- Zur Sicherheit saß während der gesamten Testfahrten ein Mensch am Steuer
- Lange Denkzeiten der Modelle verhindern den Einsatz als echtes Fahrsystem
Siehe auch:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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