Sicherheitslücken im VW ID.4:
Infotainment erlaubt Zugriff auf das Auto

Heimliches Mithören, Fahrzeugverfolgung und manipulierte Displays: Forscher haben die Head Unit des VW ID.4 vollständig übernommen. Oft reicht eine bestätigte Bluetooth-Kopplung, um das System aus fünf bis zehn Metern Entfernung drahtlos zu kapern.
Hack, Elektroauto, PKW, volkswagen, Vw, E-Autos, Infotainment, ID.4, Volkswagen ID
WinFuture/Symbolbild
  • Sicherheitsforscher übernahmen die Infotainment-Einheit eines VW ID.4 ganz
  • Lücken im Bluetooth-Dienst sowie in Apple CarPlay ermöglichen den Hack
  • Eigener Code bricht aus der virtuellen Maschine in das Bordsystem aus
  • Attacken gelingen physisch per Kabel oder drahtlos via Funkverbindung
  • Kriminelle können den Standort verfolgen und die Mikrofone abhören
  • Hunderttausende bereits ausgelieferte VW-Elektroautos sind gefährdet

Schwachstelle im VW-Infotainment

Die Sicherheitsforscher Radu Motspan und Abdellah Benotsmane haben auf einer Konferenz am 5. und 6. November in Berlin eine Angriffskette für das Infotainment-System des VW ID.4 vorgestellt. Nach eigenen Angaben konnten sie dessen zentrale Steuereinheit, die Head Unit, vollständig übernehmen.

Wie bei vielen modernen Autos werden auch beim ID.4 zahlreiche Fahrzeugfunktionen über zentrale Bildschirme gesteuert. Der Angriff nutzt laut den Forschern mehrere Schwachstellen im Bluetooth-Dienst PerfektBlue sowie in der Implementierung von Apple CarPlay aus.


CarPlay überträgt die Oberfläche eines angeschlossenen iOS-Geräts auf das Autodisplay. Über die Sicherheitslücken konnten die Forscher eigenen Code in der virtuellen Maschine des Bordsystems ausführen. Fehler in der Schnittstelle zum Host-System ermöglichten es ihnen anschließend, die isolierte Sandbox-Umgebung zu verlassen und dauerhaften Zugriff zu erlangen.

Physischer oder drahtloser Zugriff

Auch Schutzmechanismen wie der Hypervisor und das System zur Überwachung von Sicherheitsereignissen verhindern den Angriff nach Angaben der Forscher auf der Fachkonferenz Nullcon nicht. Für den Angriff gibt es zwei Wege: Ein manipuliertes CarPlay-Kabel setzt direkten Zugang zum Fahrzeuginnenraum voraus.

Alternativ lassen sich die Schwachstellen über Bluetooth aus fünf bis zehn Metern Entfernung ausnutzen. Dafür muss eine Person im Fahrzeug die Kopplungsanfrage in der Regel einmal auf dem Bildschirm bestätigen. Je nach Fahrzeugeinstellungen kann weniger Interaktion der Insassen nötig sein.

Weitreichende Folgen für Fahrer

Die folgenden Funktionen können von einem erfolgreichen Angriff betroffen sein:
  • Standortdaten: Fahrzeug verfolgen und Bewegungen aufzeichnen.
  • Zentraldisplay: angezeigte Inhalte beliebig verändern.
  • Fahrzeuglautsprecher: beliebige Audiodateien abspielen.
  • Fahrzeugmikrofon: Gespräche im Innenraum heimlich mithören.
  • Sprachassistent: dessen Funktion gezielt manipulieren.

Nach der Übernahme der Infotainment-Einheit können Angreifer das Fahrzeug laut der Präsentation unbemerkt verfolgen und seine Bewegungen aufzeichnen. Zudem können sie die Anzeige auf dem zentralen Bildschirm beliebig verändern und beliebige Audiodateien über die Fahrzeuglautsprecher abspielen.

Außerdem können Angreifer über das Fahrzeugmikrofon heimlich mithören, den integrierten Sprachassistenten manipulieren und einzelne Karosseriefunktionen teilweise übernehmen. Nach Angaben der Forscher betrifft die vorgestellte Schwachstelle Hunderttausende bereits im Straßenverkehr befindliche Elektrofahrzeuge von VW.

Macht smartes Infotainment moderne Autos zu verwundbar? Diskutiert die Sicherheitsrisiken in den Kommentaren und teilt eure Erfahrungen!

Siehe auch:
Nadine Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen
Jetzt einen Kommentar schreiben


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!