Milliarden-Deal: Volkswagen sichert sich Lithium-Eisenphosphat-Akkus

Volkswagen baut die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Zellproduzenten Gotion aus. Der Konzern und seine Batterietochter PowerCo gründen drei gemeinsame Unternehmen in Europa und Nordafrika. Die Investitionen belaufen sich auf 3,22 Milliarden Euro.
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Volkswagen
  • PowerCo und Gotion vertiefen ihre Partnerschaft zur Fertigung von LFP-Akkus
  • Gotion investiert 1,1 Milliarden Euro in das spanische Werk in Valencia
  • VW investiert 470 Millionen Euro in Standorte in der Slowakei und Marokko
  • LFP-Zellen kommen komplett ohne teures Kobalt, Nickel sowie Mangan aus
  • Der europäische Marktanteil für die LFP-Technik könnte bis 2030 stark steigen
  • Die geplanten Werke sollen rechnerisch bis zu 500.000 Elektroautos versorgen

Neues Batterie-Bündnis für Europa

Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Produktion von LFP-Batterien. Die Lithium-Eisenphosphat-Akkus gelten als wichtige Technologie für günstigere Elektroautos. Sie sind robust und langlebig, haben aber eine geringere Energiedichte als andere Zelltypen. Bis 2030 könnte ihr Marktanteil in Europa auf bis zu 60 Prozent steigen - nur fehlen derzeit die Kapazitäten in der Herstellung.

Die Umsetzung erfolgt nun an gleich drei Standorten, wie Volkswagen am Montag bestätigte. In Deutschland sucht man die Joint Ventures aber vergebens.


Gotion beteiligt sich mit 1,1 Milliarden Euro an der im Bau befindlichen PowerCo-Fabrik im spanischen Valencia. Im Gegenzug investiert PowerCo 470 Millionen Euro in zwei Gotion-Anlagen: ein Batteriezellwerk im slowakischen Surany und eine Produktionsstätte für Kathodenmaterial im marokkanischen Kenitra.

Marokko gewinnt wegen seiner Phosphatvorkommen an Bedeutung für die Batterieproduktion. Das Werk in der Slowakei soll kurze Lieferwege zu europäischen Fahrzeugwerken des Konzerns sichern.

Milliarden für neue Standorte

An den jeweiligen Standorten halten beide Unternehmen künftig Anteile von 49 Prozent. Das Vorhaben soll die europäische Lieferkette stärken und die Abhängigkeit von asiatischen Importen verringern.

Volkswagen arbeitet seit mehreren Jahren an einer Einheitszelle, um die Kosten von Elektrofahrzeugen zu senken. Die nun im Fokus stehende Zellchemie auf Basis von Eisen und Phosphat kommt ohne Kobalt und Nickel aus. Das soll die Produktion günstiger machen und Risiken bei der Rohstoffbeschaffung senken.

Wichtige Fakten

  • Chemie: LFP steht für Lithium-Eisenphosphat beziehungsweise Lithium Iron Phosphate. Das Kathodenmaterial besteht aus Eisen und Phosphat.
  • Ohne Kobalt und Nickel: LFP-Batterien benötigen weder Kobalt noch Nickel und auch kein Mangan. Das kann Materialkosten und Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen verringern.
  • Hohe Sicherheit: Die Zellchemie ist thermisch stabiler als viele andere Lithium-Ionen-Chemien. Das Risiko eines thermischen Durchgehens - einer sich selbst verstärkenden Überhitzung - ist vergleichsweise gering. Dennoch bleiben Beschädigung, Fehlbehandlung oder externe Hitze mögliche Sicherheitsrisiken.
  • Lange Lebensdauer: LFP-Zellen sind besonders zyklenfest. Sie können häufig geladen und entladen werden, bevor die Kapazität merklich nachlässt. Die OECD nennt bis zu 2000 volle Ladezyklen bei Leistungserhalt als Richtwert.
  • Geringere Energiedichte: Der zentrale Nachteil liegt in der geringeren Energiedichte. LFP-Zellen speichern bei gleichem Gewicht oder Bauraum weniger Energie als etwa NMC- oder NCA-Zellen. Für dieselbe Reichweite braucht ein Elektroauto daher tendenziell eine größere oder schwerere Batterie.
  • Günstig für bezahlbare E-Autos: Weil teure Metalle wie Nickel und Kobalt entfallen, eignen sich LFP-Akkus besonders für preisgünstigere Elektroautos, bei denen Reichweite, Gewicht und Bauraum weniger stark im Vordergrund stehen als die Kosten.
  • Auch für stationäre Speicher: Die lange Lebensdauer und thermische Stabilität machen LFP-Technik zudem attraktiv für Heimspeicher und andere stationäre Anwendungen. Dort fällt die geringere Energiedichte weniger ins Gewicht als im Fahrzeug.

Nach Abschluss des Vorhabens könnte der Autobauer die gesamte Wertschöpfungskette der Batterieproduktion abdecken - von der Entwicklung über die Herstellung von Vormaterialien bis zur fertigen Zelle. Die geplanten Kapazitäten könnten rechnerisch bis zu 500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr versorgen.

Wie bewertet ihr die enormen Investitionen in die LFP-Technologie? Teilt uns eure Meinung dazu gerne in den Kommentaren mit und diskutiert mit!

Siehe auch:
Nadine Juliana Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

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