GhostMap-Android-Sicherheitslücke bringt Smartphones zum Absturz

Eine neue Schwachstelle in Android ermöglicht es, Smartphones dauerhaft in einer Absturzschleife gefangen zu halten. Dafür reicht allein die Installation einer präparierten App. Ein Öffnen ist nicht nötig, meist hilft nur ein Werksreset.
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  • Eine Sicherheitslücke namens GhostMap betrifft Android 10 bis Android 17
  • Manipulierte Apps lösen bereits bei ihrer Installation Abstürze aus
  • Betroffene Smartphones geraten dadurch in eine endlose Neustartschleife
  • Oft hilft Betroffenen lediglich das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen
  • Bitdefender entdeckte den Fehler in Androids Verarbeitung von ZIP-Dateien
  • Google lehnte die Veröffentlichung eines raschen Sicherheitsupdates ab

Gefahr schon bei Installation

Betroffen sind die Versionen Android 10 bis zum aktuellen Android 17. Die Geräte geraten in eine endlose Absturzschleife, ohne dass Nutzer die App öffnen müssen. Diese fordert weder Berechtigungen an noch enthält sie ausführbaren Code.

Nach jedem Neustart versucht ein zentraler Systemprozess erneut, auf die fehlerhaften Ressourcen zuzugreifen. Dadurch stürzt das Gerät immer wieder ab. Auch der abgesicherte Modus hilft nicht. Betroffenen bleibt in der Regel nur das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen, wobei alle lokal gespeicherten Daten verloren gehen. Nur wenn USB-Debugging zuvor aktiviert wurde, lässt sich die fehlerhafte Datei unter Umständen über einen Computer entfernen.


Androids alte ZIP-Probleme

Entdeckt wurde die als GhostMap bezeichnete Schwachstelle von Bitdefender. Die Sicherheitsforscher stießen im August 2026 bei der Analyse eines Banking-Trojaners darauf. Ursache ist die Verarbeitung von ZIP-Archiven, zu denen auch APK-Installationsdateien gehören. Zwei Systembibliotheken interpretieren Angaben zur Kompressionsmethode und zur entpackten Dateigröße unterschiedlich.

Dadurch lädt das System eine Datei in einen nicht zugewiesenen Speicherbereich. Greift ein Prozess darauf zu, bricht der Prozessor den Vorgang mit einem Fehler ab. Solche Unterschiede bei der Dateiverarbeitung führen seit mehr als einem Jahrzehnt zu Schwachstellen in Android. Bereits Master Key von 2013 und Janus von 2017 nutzten aus, dass Android-Komponenten denselben ZIP-Container unterschiedlich auslesen.

Kein Patch in Aussicht

Bislang wurden keine Angriffe mit GhostMap beobachtet. Kriminelle könnten die Technik jedoch nutzen, um Geräte für Erpressungen zu sperren oder Sicherheitsprogramme beim Scannen zum Absturz zu bringen. Trotz mehrfacher Meldungen der Entdecker lehnte Google ein kurzfristiges Sicherheitsupdate ab. Das Unternehmen stufte den Fehler als nicht für einen Patch qualifiziert ein, will ihn aber für künftige Android-Versionen prüfen.

Interessanterweise hat Google bereits eine weniger schwerwiegende Version dieser Schwachstelle behoben. Aus dem Sicherheitsbulletin vom November 2016, CVE-2016-6724:

Eine Denial-of-Service-Schwachstelle im Input Manager Service könnte es einer bösartigen lokalen Anwendung ermöglichen, einen fortlaufenden Neustart des Geräts auszulösen. Dieses Problem wird als "mäßig" eingestuft, da es sich um einen vorübergehenden Denial-of-Service handelt, dessen Behebung ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen erfordert.
Bitdefender
Was meint ihr zu Googles Entscheidung bei diesem Fehler? Findet ihr die Einstufung des Unternehmens nachvollziehbar oder zu riskant? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren!
Welche Android-Versionen sind betroffen?
Der Fehler betrifft alle Versionen ab Android 10. Die Forscher von Bitdefender reproduzierten die Absturzschleife erfolgreich auf einem Pixel 10, auf dem Android 17 mit dem Sicherheitspatch vom 5. August 2026 lief.
Wie stoppe ich die Absturzschleife?
Ein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen beendet das Problem, löscht dabei aber alle lokal gespeicherten Daten. Ein Neustart oder der abgesicherte Modus helfen nicht, da der zugrunde liegende Systemdienst die fehlerhafte Datei bereits liest, bevor der abgesicherte Modus aktiv wird.

Alternativ lässt sich die Datei über eine PC-Verbindung via ADB (Android Debug Bridge) löschen. Das funktioniert jedoch nur, wenn die USB-Debugging-Option auf dem Smartphone bereits vor der Installation aktiv war. Zudem erfordert dieser Weg spezielle Skripte, die die Datei löschen, bevor das System wieder abstürzt.
Helfen Antiviren-Apps gegen GhostMap?
Sicherheits-Tools können manipulierte APK-Dateien anhand ihrer Struktur erkennen und eine Warnung anzeigen, bevor das System die Datei liest. Bitdefender erkennt die Bedrohung beispielsweise als Android.Riskware.Ghostmap.rA.

Aufgrund von Androids Sicherheitsmodell dürfen Drittanbieter-Apps eine Installation jedoch nicht selbstständig blockieren. Laut Bitdefender bleibt Nutzern nach einer Warnung nur wenig Zeit, zu reagieren, da die App gar nicht ausgeführt werden muss. Im Test erfolgte der erste Absturz etwa eine Sekunde nach der Installation.
Lässt sich eine GhostMap-App löschen?
Angreifer können eine App theoretisch so manipulieren, dass sie sich nach der Installation nicht mehr entfernen lässt, ohne das Gerät komplett unbrauchbar zu machen. Dafür binden sie den Fehler in das Icon der App ein.

Versuchen Nutzer dann, die App-Liste in den Einstellungen oder den Launcher zu öffnen, stürzen diese Menüs beim Laden des Icons sofort ab. Da jeder reguläre Weg zur Deinstallation blockiert ist, bleibt die App auf dem Gerät.
Wurden Nutzer bereits angegriffen?
Die dauerhafte Absturzschleife haben die Forscher von Bitdefender bisher nur selbst im Labor demonstriert. In freier Wildbahn beobachteten sie dieses konkrete Szenario noch nicht bei echten Nutzern.

Entdeckt wurde der Fehler ursprünglich bei einem Banking-Trojaner, dessen manipulierte ZIP-Struktur eigentlich nur Analyse-Tools austricksen sollte. Bei diesem Trojaner führte der Fehler lediglich dazu, dass seine eigene Installation abstürzte und nichts auf dem Gerät zurückblieb.
Siehe auch:
Nadine Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

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