Seit 16 Jahren bekannter Bug bedroht heute Millionen WLAN-Router

Millionen WLAN-Router sind durch eine seit Jahren bekannte Sicherheitslücke angreifbar. Die Schwachstelle namens WPSplinter steckt in einer Software von Broadcom, die Hersteller für die Einrichtung drahtloser Netzwerke verwenden.
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  • Eine schwere Lücke in Broadcoms WPS-Software gefährdet viele Router weltweit
  • Kriminelle können aus der Ferne fremden Schadcode auf Geräten einschleusen
  • Der Sicherheitsfehler ist im Prinzip bereits seit dem Jahr 2010 bekannt
  • Allein in Belgien sind potenziell mehr als 1,5 Millionen Router betroffen
  • Bisherige Warnungen an Hersteller und Provider führten zu keinen Patches
  • Betroffene Nutzer sollten die Firmware prüfen oder das Gerät austauschen

Angriff aus der Ferne

Angreifer können über den Bug unter bestimmten Voraussetzungen aus der Ferne Schadcode auf betroffenen Geräten ausführen und die Kontrolle über einen Router übernehmen. Nach Angaben des Sicherheitsforschers Quentin Kaiser sind bislang keine Sicherheitsupdates für die von ihm untersuchten Geräte verfügbar.

Wie das IT-Magazin The Register berichtet, betrifft die Schwachstelle die Implementierung von Wi-Fi Protected Setup (WPS) durch Broadcom. Die Technik soll es Nutzern erleichtern, Geräte mit einem WLAN zu verbinden, ohne das Netzwerkpasswort manuell eingeben zu müssen. Kaiser zufolge können Angreifer speziell präparierte WPS-Nachrichten an verwundbare Router schicken und damit Speicherfehler auslösen. Dies kann die Ausführung eigenen Codes ermöglichen, ohne dass der rechtmäßige Besitzer aktiv werden muss.


Bei seinen Untersuchungen konnte der Forscher entsprechende Angriffe gegen mehrere Router nachweisen. Betroffen waren unter anderem Geräte belgischer Anbieter wie Proximus und Orange sowie Router von Netgear und Technicolor. Allein in Belgien könnten mehr als 1,5 Millionen Geräte gefährdet sein, hieß es. Wie viele Router weltweit betroffen sind, ist bislang unklar.

Das Alter des fraglichen Fehlers ist durchaus bemerkenswert: Dieser ist im Grunde seit dem Jahr 2010 bekannt. Broadcom veröffentlichte 2018 zwar eine teilweise Korrektur, empfahl den Herstellern später jedoch, die eigene Software durch die quelloffene Alternative hostapd zu ersetzen. Offenbar folgten nicht alle Anbieter dieser Empfehlung. Bei älteren Routern, für die es keine Unterstützung mehr gibt, sind weitere Sicherheitsupdates zudem unwahrscheinlich.

Broadcom verweist auf Dritte

Kaiser meldete die Schwachstelle im Juli vertraulich an Broadcom und räumte dem Unternehmen damit die übliche Frist von 90 Tagen für eine Behebung ein. Zunächst verwies der Hersteller auf einen verfügbaren Patch und empfahl, sich an die Geräteanbieter zu wenden. Auch Versuche des Sicherheitsforschers, bei den betroffenen Providern und der Sicherheitsorganisation CERT/CC eine Reaktion zu erreichen, führten zu keinem durchschlagenden Ergebnis.

Nach Kaisers aktuellem Kenntnisstand wurde keiner der untersuchten Router abgesichert. Hinweise auf bereits erfolgte Angriffe in freier Wildbahn gebe es bislang nicht. Das könne sich allerdings jederzeit ändern.

Nutzer sollten deshalb zunächst das genaue Routermodell ermitteln und die Firmware auf den neuesten Stand bringen. Anschließend empfiehlt es sich, beim Hersteller oder Anbieter nachzufragen, ob das Gerät betroffen ist. Bei nicht mehr unterstützten Routern kann ein Austausch sinnvoll sein. Das bloße Deaktivieren von WPS reicht laut Kaiser möglicherweise nicht aus, weil der Angriff nicht zwingend einen vollständig abgeschlossenen WPS-Verbindungsvorgang benötigt.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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