Nach plötzlichem Funkausfall:
Voyager 1 sendet wieder Signale zur Erde

Kommunikationsausfall, Triebwerkswechsel und schwindende Energiereserven: Die Raumsonde Voyager 1 hält die NASA weiter in Atem. Nach einer zweitägigen Funkstille im interstellaren Raum rettete sich das System jetzt wieder aus eigener Kraft.
Weltraum, Nasa, Weltall, Sonde, Voyager, Voyager 1
NASA
  • Die Raumsonde Voyager 1 war im Oktober kurzzeitig nicht erreichbar
  • Ein automatischer Wechsel auf Reservetriebwerke sicherte den Betrieb
  • Im Projekt Big Bang wurden zuvor Geräte zur Energieersparnis getauscht
  • Radionuklidbatterien verlieren jedes Jahr rund vier Watt an Leistung
  • Mitte November erreicht die Sonde eine Distanz von genau einem Lichttag

Unerwartete Stille im All

Voyager 1, das am weitesten gereiste menschengemachte Objekt, war am 18. und 19. Oktober im interstellaren Raum vorübergehend nicht erreichbar. Das Missionsteam empfing keine Signale. Noch bevor es Reparaturkommandos senden konnte, meldete sich die Sonde am 20. Oktober zurück. Zuvor war eine monatelange Maßnahme zur Energieeinsparung abgeschlossen worden.

Die genaue Ursache des Ausfalls ist bislang unklar. Die Ingenieure stellten fest, dass sich eine Gruppe von Triebwerken abgeschaltet hatte und ein Ersatzsystem eingesprungen war. Die Bordcomputer leiten diesen Wechsel bei Problemen automatisch ein, um die Sonde in einen sicheren Betriebszustand zu versetzen.


Laut der NASA schaltete das Team Anfang September beim Projekt Big Bang drei Geräte ab und ersetzte sie gleichzeitig durch stromsparende Alternativen.

Dadurch sollen die verbleibenden wissenschaftlichen Instrumente länger als bisher erwartet arbeiten können. Missionsmanager Kareem Badaruddin vom Jet Propulsion Laboratory zeigte sich erleichtert über den wiederhergestellten Kontakt. Er rechnet jedoch mit weiteren Überraschungen im Verlauf der Mission.

Ein halbes Jahrhundert unterwegs

Der Energiemangel ist eine Folge des Alters der Sonde. Voyager 1 startete 1977 zur Erforschung der äußeren Planeten und untersuchte ebenso wie ihre Zwillingssonde Voyager 2 unter anderem Jupiter und Saturn. Radionuklidbatterien wandeln die Wärme aus zerfallendem Plutonium in Strom um. Durch den Zerfall verliert das System jährlich etwa vier Watt elektrische Leistung.

Voyager 1Voyager 1Voyager 1Voyager 1

Voyager 1: Meilensteine einer historischen Reise

  • 1977
    5. September 1977
    Start der Sonde Voyager 1 von Cape Canaveral mit einer Titan-IIIE-Centaur-Rakete
  • 1979
    5. März 1979
    Erste Jupiter-Annäherung: Voyager 1 untersucht das Jupitersystem und seine Monde und liefert Tausende Bilder
  • 1980
    12. November 1980
    Vorbeiflug an Saturn; die Sonde schwenkt auf eine Flugbahn aus der Ebene der Ekliptik hinaus
  • 2012
    Sommer 2012
    Voyager 1 tritt als erstes von Menschen gebautes Objekt in den interstellaren Raum ein und verlässt die Heliosphäre
  • 2026
    18. November 2026
    Voyager 1 wird laut NASA-Planungsdaten voraussichtlich die Marke von genau einem Lichttag Entfernung zur Erde erreichen - rund 25,89 Milliarden Kilometer

Im August 2012 erreichte Voyager 1 als erstes menschengemachtes Objekt den interstellaren Raum. Sie und Voyager 2 sind die einzigen Raumfahrzeuge, die bislang in diese Region vorgedrungen sind. Damit die Instrumente in der extremen Kälte weiter Messdaten sammeln können, müssen die Ingenieure den Energieverbrauch und die Wärmeverteilung an Bord genau steuern.

Eine historische Distanz

Voyager 1 bewegt sich mit rund 61.155 Kilometern pro Stunde durch das All. Am 18. November wird die Sonde voraussichtlich einen Lichttag von der Erde entfernt sein. Das entspricht etwa 25,89 Milliarden Kilometern.

Bei dieser Entfernung benötigt ein Funksignal von der Erde zur Sonde 24 Stunden. Die Antwort braucht ebenso lange zurück. Ein vollständiger Signalaustausch dauert damit zwei Tage.

Fasziniert euch die Ausdauer der alten Technik im Weltraum? Teilt eure Gedanken und diskutiert mit uns in den Kommentaren!

Siehe auch:
Nadine Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

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