Anzeichen für massive Überwachung von Starlink-Nutzern entdeckt

Ein israelisches Werbeunternehmen, das bereits mit der Verbreitung von Spionagesoftware ohne Nutzerinteraktion in Verbindung gebracht wurde, hat bei Werbeauktionen für Starlink-Nutzer in 105 Ländern besonders häufig den Zuschlag erhalten.
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  • Forscher vermuten Spionage gegen weltweite Nutzer von SpaceX-Starlink
  • Discover-Tech schleuste Spionagesoftware teils ohne Klicks auf Geräte
  • Bei Starlink gewann das Unternehmen auffallend viele Werbeauktionen
  • In Ländern wie Argentinien und den Philippinen dominierte die Firma stark
  • Werbedaten könnten der Lokalisierung sensibler Nutzergruppen dienen
  • Google schloss Discover-Tech mittlerweile von seinen Werbesystemen aus

Malware kommt gezielt über Werbung

Sicherheitsforscher hat das stutzig gemacht. Die sehen darin Hinweise auf eine mögliche weltweite Überwachungskampagne, die Nutzer des Satelliteninternets von SpaceX ins Visier nimmt. Das berichtet Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Untersuchungen vertraute Personen.

Im Zentrum steht die Firma Discover-Tech. Sie war zuvor in einer Untersuchung des kanadischen Forschungsinstituts Citizen Lab aufgefallen. Demnach soll das Unternehmen Werbeanzeigen verbreitet haben, über die sich die Spionagesoftware von Candiru unbemerkt auf Geräten von Mitarbeitern des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera installierte. Die Betroffenen mussten dafür nicht einmal auf eine Anzeige klicken. Die Forscher identifizierten mindestens 45 infizierte Geräte aus den Jahren 2024 und 2025.


Candiru, inzwischen unter dem Namen Integrity Labs aktiv, entwickelt Überwachungswerkzeuge für Smartphones und Computer. Die US-Regierung setzte das Unternehmen 2021 auf eine Handelsbeschränkungsliste, weil dessen Technologie zur Überwachung von Journalisten, Aktivisten und Regierungsvertretern eingesetzt worden sein soll.

Eine separate Analyse des Sicherheitsunternehmens TrendAI lieferte weitere Hinweise auf die Aktivitäten von Discover-Tech. Die Forscher untersuchten Werbedaten und stellten fest, dass ein als SHADOW-EARTH-79 bezeichnetes Unternehmen bei Anzeigen für Starlink-Nutzer in 105 Ländern am häufigsten den Zuschlag erhielt. Reuters zufolge handelt es sich dabei um den internen Codenamen für Discover-Tech.

Der Anteil des Unternehmens an den gewonnenen Werbeauktionen lag im untersuchten Starlink-Datenbestand bei rund 12,9 Prozent. Im allgemeinen Internetverkehr waren es lediglich 2,6 Prozent. Besonders auffällig war die Dominanz in Argentinien mit 91,3 Prozent, auf den Philippinen mit 89,1 Prozent und in Japan mit 82,6 Prozent. Auch in Syrien, Libyen, Jemen und Südsudan lag Discover-Tech vorn.

Seltsame Gebote

Da Starlink in einigen dieser Länder eingeschränkt oder verboten ist, könnten die Daten Einblicke in Nutzer ermöglichen, deren Internetzugang politisch besonders sensibel ist. TrendAI bewertet das Muster mit mittlerer bis hoher Sicherheit als Hinweis auf eine Infrastruktur zur gezielten Erfassung und Überwachung statt auf ein gewöhnliches Werbegeschäft.

Auch wirtschaftlich wirkt das Verhalten ungewöhnlich: Zwischen März und Juni 2026 gab Discover-Tech rund 109.000 Dollar (etwa 94.000 Euro) für Werbung aus, ohne dass messbare Conversions registriert wurden. Gleichzeitig tauchten Anzeigen mit Skripten des Unternehmens in mehr als 75.000 Apps und auf über 120.000 Websites auf. Darunter befanden sich auch Netzwerke mit Verbindungen zu NATO, US-Verteidigungsministerium und Europäischem Parlament. Google hat Discover-Tech inzwischen von seinen Werbeplattformen ausgeschlossen. Auch IAB Europe entfernte das Unternehmen aus seiner Liste zugelassener Werbeanbieter.

Ein erfolgreicher Angriff auf Starlink-Geräte ist bislang nicht nachgewiesen. Die Forscher vermuten vielmehr, dass die Werbetechnik zur Standortbestimmung und Nachverfolgung eingesetzt werden könnte. Echtzeit-Werbeauktionen übermitteln teilnehmenden Unternehmen technische Geräteinformationen und Standortdaten. Damit kann die Werbeinfrastruktur potenziell zur Überwachung dienen, ohne dass dafür die Systeme von Starlink selbst kompromittiert werden müssen.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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