Arbeit am Linux-Kernel: Selbst Linus Torvalds lässt nun KI für sich coden

Linus Torvalds warnte lange vor unachtsam verwendetem KI-generiertem Code für den Linux-Kernel. Nun hat der Entwickler in der Linux-Mailingliste eine Reihe von Patches veröffentlicht, die er mithilfe des KI-Assistenten Claude Code geschrieben hat.
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  • Linus Torvalds nutzt Claude Code für einen experimentellen Kernel-Patch
  • Der neue Code behebt Konflikte im Page-Cache bei parallelen Zugriffen
  • Ein RCU-Mechanismus umgeht dabei die bisherigen Referenzzählungen
  • Messungen zeigen eine Verdreifachung des Durchsatzes bei Lesezugriffen
  • Die KI verfasste neben dem Quelltext auch Tests und erste Dokumente
  • Torvalds steuerte die KI gezielt und überprüfte die Resultate selbst

KI-Code für den Linux-Kernel

Linux-Schöpfer Linus Torvalds hatte sich in der Vergangenheit zwar auch kritisch über KI-generierten Code geäußert, stellte aber vor allem in letzter Zeit immer mehr die positiven Aspekte heraus. So sprach er sich klar für den Einsatz entsprechender Tools in der Entwicklung aus und bezeichnete sie zuletzt sogar als nützliche "Einstiegsdroge" für junge Programmierer. Jetzt hat Torvalds einen experimentellen Zweig in seinem Code-Repository veröffentlicht, in dessen Rahmen er am Linux-Kernel arbeitet und Claude Code zur Programmierung nutzt.

Der Branch namens noref-filemap-read-with-llm zielt darauf ab, die Leistung des Betriebssystems bei spezifischen Lesezugriffen zu verbessern, und macht endgültig mit der Auffassung einiger Nutzer und Programmierer von Linux als einem Anti-KI-Projekt Schluss.


Deutlicher Leistungssprung

Wie Phoronix berichtet, löst der neue Patch ein konkretes Problem im Page-Cache des Kernels. Wenn viele Threads gleichzeitig kleine Datenmengen aus derselben Datei lesen, kommt es durch ständige Referenzzählungen zu Konflikten. Die neue Lösung umgeht die Zählungen durch einen sogenannten RCU-Mechanismus, der die Freigabe des Speichers verzögert. Ein Sicherheitsventil greift ein, sobald mehr als 1024 Seiten pro CPU in der Warteschlange liegen.

Die Leistungsdaten, die Torvalds auf seinem eigenen Notebook mit einem Core i7-8565U ermittelt hat, zeigen deutliche Verbesserungen. Bei 16-Byte-Lesezugriffen mit acht parallelen Threads stieg der Durchsatz laut den Angaben von maximal 10,4 Millionen auf bis zu 33 Millionen Lesezugriffe pro Sekunde. Gleichzeitig sanken die benötigten Kernel-Zyklen pro Vorgang von rund 2950 auf etwa 725. Allerdings gibt es einen Kompromiss, denn ein einzelner Thread, der auf eine nicht gemappte Seite zugreift, wird durch den neuen Verwaltungsaufwand etwas langsamer.

KI unter strenger Aufsicht

Torvalds machte in seiner Ankündigung zum Patch deutlich, dass der KI-Assistent nicht nur beim Programmieren half. Claude Code erstellte unter seiner direkten Anleitung den Code, die zugehörigen Testprogramme, das Review und den ersten Entwurf des Begleitschreibens. Die eigentlichen Messungen auf der Hardware führte Torvalds jedoch selbst durch.

Ob die Änderungen in den kommenden Linux-Kernel 7.4 einfließen, ist derzeit noch offen. Anders als bei ungefragten KI-Fehlerberichten steuerte Torvalds das Werkzeug gezielt und überprüfte die Ergebnisse durch eigene Messungen. Gegen eine solche Verwendung von KI bei der Arbeit am Kernel des Open-Source-Betriebssystems spricht nach Auffassung des Entwicklers demnach nichts.

Nutzt ihr selbst KI-Assistenten beim Programmieren oder bleibt ihr skeptisch? Verändern solche Tools die Open-Source-Entwicklung nachhaltig zum Positiven oder Negativen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Siehe auch:
Felix Krauth

Redakteur für Windows & Hardware

War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

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