Freie 'Kopien' von Office & Co per KI-Reverse-Engineering gebaut

Ein sehr selbstbewusster Entwickler hat begonnen, unter massivem Einsatz von KI-gestütztem Vibe-Coding Klone diverser bekannter und oft teurer Desktop-Anwendungen zu erstellen. Neben Adobes Medien-Tools nimmt er jetzt auch Office & Co. ins Visier.
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  • Brandon Thomas baut quelloffene Alternativen zu Adobe und Microsoft
  • Die Nachbauten entstehen mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5 in Rust
  • ArtCraft-Programme laufen plattformunabhängig und sogar im Webbrowser
  • Zur Finanzierung vermarktet der Entwickler integrierte KI-Funktionen
  • Beobachter bemängeln die hohe Fehleranfälligkeit der neuen Anwendungen
  • Das Projekt versteht sich als Protest gegen teure Softwareabonnements

KI-Code als Alternative zu kommerzieller Software

Adobes Creative Suite mit ihren Tools wie Photoshop und Premiere ist ebenso eine Art Industriestandard wie Microsofts Office-Suite aus Word, Excel & Co. Die Vormachtstellung der genannten Software hat den Unternehmen dahinter über viele Jahrzehnte hohe Umsätze verschafft, wird aber mit den für ihre Nutzung seit einiger Zeit nötigen Abonnements auch immer kostspieliger.

Der Entwickler Brandon Thomas hat deshalb jetzt begonnen, mithilfe von Anthropics KI-Modell Claude Opus 5.5 eine ganze Reihe von eigenen "Kopien" der bekannten kommerziellen Software von Adobe zu erstellen. Im Grunde wird dabei mit KI-Unterstützung Reverse-Engineering betrieben, um Design, Nutzerführung und Funktionen von Adobes Software nachzuahmen.


Im Lauf des Wochenendes hat Thomas jetzt unter seiner Marke ArtCraft begonnen, seine auf KI-Code basierenden Alternativen zu Adobe Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro unter einer Open-Source-Lizenz bereitzustellen. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um "Clean-Room-Replacements", die in Rust programmiert wurden und dank WebAssembly auch im Browser genutzt werden können.

Nach Adobe jetzt Microsoft im Visier

Um sein Projekt zu finanzieren, vermarktet der Entwickler in den Apps ein KI-Modell für die Bildgenerierung in den Anwendungen parallel zu einer Reihe anderer ähnlicher KI-Modelle von Drittanbietern. Noch sind die Programme nach Einschätzung vieler Beobachter bei Portalen wie Hackernews äußerst fehlerbehaftet, doch will Thomas - erneut unter massivem Einsatz von KI-Code - Fehler rasch beheben. ArtCraft FilmCraftOberfläche der Adobe-Premier-Alternative FilmCraft Inzwischen hat Thomas auch noch eine Reihe eigener, ebenfalls per Vibe-Coding entwickelter Alternativen zu Microsofts Office-Tools erstellt. Die Programme heißen WordCraft, GridCraft und DeckCraft und sollen natürlich Word, Excel und PowerPoint ersetzen. Die ebenfalls mit Claude generierten Tools stehen ebenfalls über GitHub zum freien und kostenlosen Download zur Verfügung.

Unterdessen ist eine umfangreiche Diskussion darüber im Gange, ob man die per KI entwickelten Alternativen zu der kommerziellen Software von Adobe und Microsoft wirklich nutzen sollte. Manche Beobachter kritisieren, dass sie mittels KI entwickelt wurden, weshalb kaum abzuschätzen sei, wie gut sie funktionieren und ob darin nicht schwerwiegende Probleme bestehen.

Für Thomas sind seine Open-Source-Alternativen zu den bekannten und meist teuren kommerziellen Programmen von Adobe, Microsoft und anderen Anbietern auch eine Art Protest gegen die sogenannte "Enshittification" im Bereich der Software-Produkte und Webdienste. Mit Hilfe von KI könne praktisch jeder einfach kostenlose und frei zugängliche Alternativen zu den Produkten der großen Anbieter schaffen, die ihre Kunden mittlerweile immer häufiger mit zweifelhaften Abonnements zur Kasse bitten und dabei ihre Marktmacht ausnutzen.

Nach Adobe und Microsoft will Thomas offenbar auch quelloffene Alternativen zu Programmen wie AutoCAD schaffen, die als Standard im 3D-Printing-Bereich gelten. Ein großer Vorteil der neuen *Craft-Tools liegt vor allem in ihrer plattformunabhängigen Nutzbarkeit: Die Programme laufen angeblich ohne weiteres unter Windows, MacOS oder auch Linux.

Siehe auch:
Roland Quandt

Redakteur für Smartphones & Leaks

Seine Vorabberichte zu neuen Smartphones greifen Tech-Medien in aller Welt auf. Schwerpunkte: Samsung Galaxy, Google Pixel, Prozessoren und Windows.

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