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Weltraum-Internet: Russland baut ein eigenes Satelliten-Netz auf

Das russische Raumfahrtunternehmen Bureau 1440 hat erfolgreich 16 serienmäßige Breitband-Satelliten ins All befördert. Das Projekt gilt als Alternative zu Starlink von SpaceX und soll unabhängiges Weltraum-Internet bieten.
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Russland startet Satelliten

Die Trägerrakete Sojus-2.1b setzte die Fracht in eine erdnahe Umlaufbahn ab. Experten sehen in dem Start den Beginn eines neuen Netzwerks, das als Gegenstück zum Starlink-System von SpaceX positioniert wird.

Nach der Trennung von der Rakete übernahm das firmeneigene Missionskontrollzentrum die Steuerung der Satelliten. Die Flugkörper sind technisch hoch ausgestattet und zielen auf eine möglichst autarke Kommunikation. Sie nutzen ein modernes 5G-Kommunikationssystem sowie Terminals für die laserbasierte Datenübertragung zwischen den einzelnen Satelliten.


Milliarden-Investitionen für technologische Souveränität

Das Vorhaben ist finanziell stark ausgestattet, um die technologische Unabhängigkeit des Landes voranzutreiben. Wie die russische Tageszeitung Kommersant berichtet, fließen im Rahmen des nationalen Projekts Datenökonomie erhebliche Mittel in den Aufbau der Satellitenkonstellation.

Bis 2030 sind staatliche Investitionen von 102,8 Milliarden Rubel (etwa 1,07 Milliarden Euro) aus dem Föderalhaushalt vorgesehen.

Zusätzlich plant das Unternehmen mit rund 329 Milliarden Rubel (etwa 3,45 Milliarden Euro) aus eigenen Mitteln. Diese Summen unterstreichen die strategische Bedeutung, die dem Projekt vonseiten der Regierung beigemessen wird. Ein Ziel ist, auch abgelegene Regionen wie Sibirien oder den Fernen Osten flächendeckend mit schnellem Internet zu erschließen, die heute nur unzureichend an die digitale Infrastruktur angebunden sind.

Bevor die Satelliten in regelmäßigen Betrieb gehen, müssen sie umfangreiche Prüfungen durchlaufen. Ein flächendeckender Dienst erfordert jedoch noch Hunderte weitere Satelliten, um ständige Verbindungen sicherzustellen.

Historische Hommage an die sowjetische Raumfahrt

Der Name Bureau 1440 verweist auf die sowjetische Raumfahrtgeschichte. Er bezieht sich auf die 1440 Erdumrundungen, die der erste künstliche Satellit Sputnik 1 im Jahr 1957 absolvierte, bevor er in der Atmosphäre verglühte. Die Tradition wird heute in ein modernes Zeitalter übertragen. Die aktuellen Rassvet-Satelliten bewegen sich in einer Höhe von wenigen hundert Kilometern über der Erde.

Die niedrige Umlaufbahn senkt die Latenz bei der Datenübertragung deutlich. Das ist eine wichtige Grundlage für Anwendungen wie Videokonferenzen oder die Echtzeitsteuerung von Anlagen. Ob das russische System auf dem internationalen Markt eine echte Konkurrenz für etablierte Anbieter werden kann, ist offen.

Was haltet ihr von den russischen Plänen für ein eigenes Weltraum-Internet? Glaubt ihr, dass das System eine echte Konkurrenz für etablierte Anbieter werden kann? Teilt eure Gedanken und diskutiert mit uns in den Kommentaren unter diesem Artikel!

Was ist Bureau 1440?
Bureau 1440 ist ein russisches Raumfahrtunternehmen, das 2020 gegründet wurde und zur ICS-Holding (Intelligent Computer Systems) gehört. Ziel ist der Aufbau einer Satellitenkonstellation in niedriger Erdumlaufbahn (LEO), um breitbandigen Internetzugang mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s und niedriger Latenz bereitzustellen - vergleichbar mit SpaceX-Starlink.

Das Projekt wird im Rahmen des russischen Nationalprogramms Datenwirtschaft finanziert. Bis 2030 sollen laut Kommersant umgerechnet rund 102,8 Milliarden Rubel aus dem Staatshaushalt und 329 Milliarden Rubel an Eigenmitteln des Unternehmens investiert werden. Damit handelt es sich um eines der ambitioniertesten russischen Technologieprojekte der letzten Jahre.
Was wurde am 23. März 2026 gestartet?
Am 23. März 2026 um 20:24 Uhr Ortszeit wurden 16 Breitband-Internetsatelliten der Konstellation Rassvet (russisch für "Morgendämmerung") mit einer Sojus-2.1b-Trägerrakete in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Es handelt sich um die erste Seriencharge - zuvor hatte Bureau 1440 lediglich sechs experimentelle Satelliten in zwei Testmissionen ins All geschickt.

Nach der Trennung von der Trägerrakete wurden die Satelliten vom Missionskontrollzentrum von Bureau 1440 übernommen. Im nächsten Schritt werden die Bordsysteme überprüft und aktiviert, bevor die Satelliten ihre endgültige Zielumlaufbahn ansteuern.
Welche Technik steckt in den Satelliten?
Die neuen Rassvet-Satelliten nutzen mehrere bemerkenswerte Technologien: ein 5G-NTN-Kommunikationssystem (Non-Terrestrial Network), Laser-Terminals der nächsten Generation für die Kommunikation zwischen Satelliten, ein verbessertes Energieversorgungssystem sowie einen Plasmaantrieb.

Besonders die Inter-Satelliten-Laserverbindung ist relevant, da sie eine schnelle Datenübertragung zwischen den Satelliten ohne Umweg über Bodenstationen ermöglicht. Das 5G-NTN-Protokoll soll zudem die Integration mit bestehenden terrestrischen Mobilfunknetzen erleichtern - ein Ansatz, den auch andere LEO-Konstellationen verfolgen.
Ist das eine echte Starlink-Alternative?
Der Vergleich mit Starlink wird zwar von russischen Offiziellen und internationalen Medien gezogen, doch die Dimensionen unterscheiden sich erheblich. SpaceX hat bereits über 6.000 Starlink-Satelliten im Orbit und versorgt Millionen Nutzer weltweit. Bureau 1440 verfügt nach diesem Start über insgesamt 22 Satelliten - sechs experimentelle plus 16 neue.

CEO Alexey Shelobkov betonte selbst, dass noch "Dutzende Starts und Hunderte Satelliten" nötig seien. Der ursprünglich für 2025 geplante Serienstart wurde bereits auf 2026 verschoben. Ob Bureau 1440 die nötige Skalierung erreicht, bleibt abzuwarten - der Weg zu einer globalen Abdeckung ist noch weit.
Wer soll den Dienst nutzen?
Bureau 1440 richtet sich nicht primär an Privatnutzer, sondern an professionelle Sektoren. Genannt werden unter anderem Transport, Öl- und Energiewirtschaft, Industrie, Landwirtschaft, Telekommunikation, Behörden, Rettungsdienste, Tourismus und geologische Erkundung.

Für IT-Profis in Russland und potenziell in verbündeten Staaten könnte der Dienst langfristig eine Alternative für die Anbindung entlegener Standorte bieten - ähnlich wie Starlink heute in ländlichen Regionen eingesetzt wird. Ob und wann der Dienst auch außerhalb Russlands verfügbar sein wird, ist derzeit nicht bekannt.
Zusammenfassung
  • Bureau 1440 startete 16 Breitband-Satelliten als Alternative zu Starlink
  • Eine Sojus-2.1b-Rakete brachte die Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn
  • Die Satelliten nutzen 5G-Technik und laserbasierte Datenübertragung
  • Bis 2030 sind über 102 Milliarden Rubel aus dem Staatshaushalt geplant
  • Abgelegene Regionen wie Sibirien sollen flächendeckend vernetzt werden
  • Der Firmenname erinnert an die 1440 Erdumrundungen von Sputnik 1
  • Niedrige Umlaufbahnen ermöglichen geringe Latenz bei der Datenübertragung

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