Parabelflüge: NASA sucht einen neuen "Kotzbomber" - oder Alternative

Die NASA sucht neue Partner, um die Zukunft ihrer Parabelflüge zu sichern. Da die aktuellen Flugzeuge das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, fordert die Behörde private Unternehmen auf, moderne Konzepte für die Simulation von Schwerelosigkeit einzureichen.
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Jim Evans/CC BY-SA 4.0

NASA schreibt Parabelflüge neu aus

Die US-Weltraumbehörde NASA hat eine umfassende Marktanalyse gestartet, um die Zukunft ihrer sogenannten Parabelflüge langfristig zu sichern. Das Armstrong Flight Research Center fordert private Unternehmen auf, bis zum 2. März 2026 detaillierte Konzepte vorzulegen, wie künftig Schwerelosigkeit für wissenschaftliche Forschung und Astronautentraining simuliert werden kann.

Hintergrund ist die dringende Notwendigkeit, das Flight Opportunities Program für die kommenden Jahrzehnte auf eine verlässliche und technisch moderne Basis zu stellen. Die bisher genutzten Flugzeuge erreichen zunehmend das Ende ihrer wirtschaftlichen und technischen Lebensdauer, weshalb die Behörde nun offen für innovative Ansätze ist, die von klassischen Business-Jets über Überschallflugzeuge bis hin zu vollständig autonomen Systemen reichen. Das Ziel ist eine "schlüsselfertige" Dienstleistung, bei der die NASA lediglich als Kunde auftritt.

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Bisher verlässt sich die Weltraumbehörde primär auf die Zero Gravity Corporation (Zero-G), die eine stark modifizierte Boeing 727-200 namens G-Force One betreibt. Das Flugzeug ist jedoch über 50 Jahre alt, was die Wartung der drei Triebwerke und die Ersatzteilbeschaffung zunehmend erschwert und kostspielig macht.

Bei einem typischen Einsatz fliegt die Maschine extrem steile Manöver: Aus einer Höhe von etwa 24.000 Fuß (etwa 7300 Meter) steigt sie in einem 45-Grad-Winkel auf 32.000 Fuß (etwa 9750 Meter). Während des Scheitelpunkts dieser Parabel herrscht im Inneren für etwa 20 bis 30 Sekunden Schwerelosigkeit, bevor der Sturzflug beginnt und die Insassen beim Abfangen Kräfte von bis zu 1,8 g erfahren. Diese Belastungen setzen der Flugzeugstruktur auf Dauer enorm zu.

Historie und Kosten der Schwerelosigkeit

Der Spitzname Vomit Comet ("Kotz-Komet", bei uns in der Regel als "Kotzbomber" bekannt) hat in der Luftfahrt eine lange Tradition. Wie The Warzone schreibt, reicht die Geschichte dieser speziellen Flüge bis in das Jahr 1957 zurück, als die Air Force eine zweimotorige Convair C-131 Samaritan für solche Zwecke nutzte. Später übernahm die berühmte Boeing KC-135 Stratotanker diese Rolle und diente Generationen von Astronauten als Trainingsgerät für die Programme Mercury, Gemini und Apollo.

Auch für die Dreharbeiten des Films Apollo 13 wurde eine KC-135 der NASA eingesetzt, um echte Schwerelosigkeit für die Schauspieler zu erzeugen. Die aktuelle Abhängigkeit von einem einzigen kommerziellen Anbieter birgt jedoch operative Risiken. So musste Zero-G den Betrieb während der Pandemie im Jahr 2020 pausieren und 2022 wegen technischer Probleme zeitweise aussetzen, weshalb Kadetten der Air Force Academy damals auf Tauchgänge im Wasserbecken ausweichen mussten, statt zu fliegen.


Ein Blick auf die Preise verdeutlicht die Exklusivität dieser Dienstleistung. Ein Ticket für einen solchen Flug kostet aktuell knapp 9000 Dollar. Wer das komplette Flugzeug mit 28 Sitzen chartern möchte, muss etwa 295.000 Dollar (etwa 247.700 Euro) investieren. Das Ende des Monopols könnte hier perspektivisch für mehr Wettbewerb und sinkende Preise sorgen, da auch europäische Firmen wie Blue Abyss oder Gravitilab an ähnlichen Lösungen arbeiten und den Markt beleben könnten.

Die NASA stellt in ihrer Ausschreibung spezifische technische Anforderungen an potenzielle Bewerber, die über das bloße Fallenlassen hinausgehen. Neben der klassischen Mikrogravitation müssen die Anbieter in der Lage sein, auch andere Gravitationsprofile präzise und wiederholbar zu simulieren:

  • Mond-Schwerkraft: Etwa ein Sechstel der Erdanziehung, um Operationen auf der Mondoberfläche zu üben.
  • Mars-Schwerkraft: Etwa ein Drittel der Erdanziehung für zukünftige Missionen zum Roten Planeten.
  • Hypergravitation: Belastungen oberhalb der normalen Erdanziehung für Materialtests und Belastungsproben.

Besonders im Bereich der unbemannten Systeme sieht die Behörde großes Potenzial für die Zukunft. Drohnen oder andere autonome Fluggeräte könnten Risiken für menschliche Besatzungen eliminieren und radikalere Flugmanöver erlauben, solange die wissenschaftliche Nutzlast keine manuelle Bedienung erfordert. Das Ziel ist eine flexible, skalierbare Lösung, die den Zugang zu reduzierter Schwerkraft nicht nur erhält, sondern technisch erweitert und für eine breitere Palette an Experimenten öffnet.

Hättet ihr Lust, einen solchen Parabelflug trotz des berüchtigten Spitznamens einmal selbst zu erleben, oder bleibt ihr lieber am Boden? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • NASA sucht private Partner für die Zukunft ihrer Parabelflüge bis 2. März 2026
  • Aktuelle Boeing 727 der Zero Gravity Corporation ist über 50 Jahre alt
  • Bei Parabelflügen herrscht für 20-30 Sekunden Schwerelosigkeit im Flugzeug
  • Kosten: Ein Einzelticket kostet 9000 Dollar, Komplettcharter 295.000 Dollar
  • Gefordert sind auch Simulationen von Mond- und Mars-Schwerkraft sowie Hypergravitation
  • Geschichte der Parabelflüge reicht bis ins Jahr 1957 zurück
  • Autonome Systeme könnten in Zukunft bemannte Flugzeuge für Tests ersetzen

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