"Inside CECOT": LimeWire wird in USA als Anti-Zensur-Tool reaktiviert

Ausgerechnet LimeWire, ein Relikt aus den großen Tagen des Filesharings, steht plötzlich wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Über das Tool wird ein kritischer Fernsehbeitrag verbreitet, der in den USA eigentlich nicht zu sehen sein sollte.
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Bericht über Abschiebe-Lager

Der einst berüchtigte Filesharing-Dienst wird derzeit massiv genutzt, um einen zurückgehaltenen Beitrag der US-Nachrichtensendung "60 Minutes" zu verbreiten, wie aus einem Bericht des US-Magazins Ars Technica hervorgeht. Der Fall zeigt, wie schwer es für Medienhäuser geworden ist, Inhalte im digitalen Zeitalter zu kontrollieren, und entfacht zugleich eine Debatte über Pressefreiheit und politische Einflussnahme.

Konkret geht es um einen Bericht mit dem Titel "Inside CECOT", der über ein berüchtigtes Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador berichtet. In der Reportage schildern aus den USA abgeschobene Migranten, wie sie in dem Lager misshandelt, gefoltert oder sexuell missbraucht wurden. Ein ehemaliger Insasse wird mit den Worten zitiert, man habe ihn bei der Ankunft mit "Willkommen in der Hölle" begrüßt. Gleichzeitig zeigt der Beitrag Archivaufnahmen, in denen Präsident Donald Trump die Haftanstalt und deren Führung in den höchsten Tönen lobt.


Obwohl der Beitrag bereits fertiggestellt war, zog CBS ihn kurzfristig aus dem Programm. Chefredakteurin Bari Weiss begründete die Entscheidung damit, dass keine Vertreter der Trump-Regierung zu Wort gekommen seien und der Bericht zu wenig neue Aspekte liefere. Man halte Geschichten in Redaktionen regelmäßig zurück, bis sie aus ihrer Sicht vollständig seien.

Der volle Streisand-Effekt

Doch der Versuch, die Ausstrahlung zu stoppen, ging nach hinten los. In Kanada wurde die Folge planmäßig gezeigt. Von dort aus verbreiteten Nutzer den Beitrag rasend schnell im Netz. Eine besondere Rolle spielt dabei der alte Filesharing-Dienst LimeWire, der nach Jahren der Bedeutungslosigkeit wiederbelebt wurde. In sozialen Medien reagierten viele mit Ironie und Nostalgie: Ausgerechnet das Symbol früherer Internet-Piraterie wird nun zum Werkzeug gegen vermeintliche Zensur.

Auch innerhalb von CBS regt sich Widerstand gegen die Entscheidung der Chefredaktion. Die verantwortliche Korrespondentin Sharyn Alfonsi erklärte, die Trump-Regierung habe mehrfach eine Stellungnahme abgelehnt. Den Beitrag allein wegen dieses Schweigens zurückzuziehen, bedeute, der Politik faktisch ein Vetorecht über kritische Berichterstattung einzuräumen. Zudem sei die Reportage mehrfach geprüft und juristisch freigegeben worden. Auch Medienexperten warnen vor einem Imageschaden. Tim Richardson von der Organisation PEN America sprach von einem Affront gegen die journalistische Unabhängigkeit, wenn sorgfältige Recherchen aus Rücksicht auf politische Empfindlichkeiten verzögert würden.

Zusammenfassung
  • LimeWire dient zur Verbreitung eines zensierten '60 Minutes'-Beitrags
  • Der Beitrag 'Inside CECOT' dokumentiert Missbrauch in salvadorianischem Gefängnis
  • CBS zog die Sendung zurück, angeblich wegen fehlender Trump-Stellungnahmen
  • Nach Ausstrahlung in Kanada verbreitete sich der Bericht rasch im Internet
  • Die zuständige Reporterin kritisiert die Entscheidung als faktisches Vetorecht
  • Medienexperten warnen vor einem erheblichen Imageschaden für CBS
  • Der Fall zeigt die Schwierigkeit der Inhaltskontrolle im digitalen Zeitalter

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