Ohne Stehen: Erstes Land führt neuartige biometrische Einreise ein
Einreise ohne Passkontrolle und Warteschlangen? In Indonesien ist das an zwei Flughäfen nun Realität. Eine neue Biometrie-Technik scannt Gesichter im Gehen und verspricht eine massive Beschleunigung der Abfertigung - eine Registrierung per App vorausgesetzt.
Während klassische eGates, wie man sie von europäischen Flughäfen kennt, zumindest ein kurzes Stehenbleiben und Auflegen des Passes erfordern, entfällt dieser Schritt hier vollständig. Stattdessen erfasst ein fortschrittliches Kamerasystem die biometrischen Gesichtsdaten der Passagiere während des Laufens und gleicht diese in Echtzeit ab.
Die zugrunde liegende Technologie trägt den Namen "Biometrics on the Move" und stammt von dem spanischen IT-Reiseunternehmen Amadeus. Essenziell für die Umsetzung ist jedoch die Expertise von Vision-Box. Amadeus hatte den portugiesischen Biometrie-Spezialisten, der weltweit bereits zahlreiche automatisierte Grenzkontrollsysteme installiert hat, Anfang des Jahres übernommen. Die nun in Indonesien installierten "Seamless Corridors" stellen die neueste Evolutionsstufe dieser Technik dar, bei der Hardware und KI-gestützte Software nahtlos ineinandergreifen, um den physischen Kontakt mit Beamten oder Maschinen auf null zu reduzieren.
Die Nutzung setzt allerdings eine digitale Vorarbeit voraus. Reisende müssen die "All Indonesia"-App verwenden, um ihre Passdaten und notwendige Gesundheitserklärungen bereits vor dem Abflug an die Behörden zu übermitteln. Das ermöglicht eine Sicherheitsüberprüfung im Vorfeld ("Pre-Clearance"). Am Flughafen selbst passieren die Reisenden dann einen breiten Korridor. Kamerasensoren und KI-Algorithmen identifizieren das Gesicht, gleichen es mit den vorab gesendeten Daten ab und öffnen die Schleusen, sofern keine Sicherheitsbedenken bestehen. Aktuell wird das System primär für ältere Menschen und Reisende mit Behinderungen priorisiert, um Barrierefreiheit zu gewährleisten, soll aber schrittweise ausgeweitet werden.
Für ankommende Flüge werden temporäre, kleine Galerien ("Small Galleries") der erwarteten Passagiere erstellt. Das System sucht das Gesicht also nicht in einer Datenbank von 270 Millionen Indonesiern, sondern nur unter den beispielsweise 300 Passagieren des soeben gelandeten Fluges. Dies minimiert die Fehlerquote drastisch und maximiert die Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Ob das System auch bei uns landen wird, darf man bezweifeln, zumindest derzeit: Während in vielen asiatischen Ländern der Komfortgewinn oft höher gewichtet wird als datenschutzrechtliche Bedenken, stoßen solche "Seamless"-Konzepte in Europa oft auf Skepsis bezüglich der zentralen Datenspeicherung und des "gläsernen Reisenden". Ein Zwang zum Biometrie-Korridor besteht übrigens nicht: Wer sich gegen die digitale Erfassung entscheidet oder die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt, kann bzw. muss weiterhin die klassischen manuellen Kontrollschalter nutzen.
Würdet ihr eure biometrischen Daten und Passinformationen vorab per App übermitteln, um Warteschlangen komplett zu umgehen? Wir sind gespannt auf eure Ansichten - schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Siehe auch:
Bei der Einreise einfach durchgehen
Die indonesische Generaldirektion für Einwanderung setzt neue Maßstäbe bei der digitalen Grenzkontrolle und hat an den internationalen Flughäfen von Jakarta und Surabaya biometrische Korridore in den Regelbetrieb übernommen. Das System ermöglicht berechtigten Reisenden eine Einreise ohne jeglichen Stopp.Während klassische eGates, wie man sie von europäischen Flughäfen kennt, zumindest ein kurzes Stehenbleiben und Auflegen des Passes erfordern, entfällt dieser Schritt hier vollständig. Stattdessen erfasst ein fortschrittliches Kamerasystem die biometrischen Gesichtsdaten der Passagiere während des Laufens und gleicht diese in Echtzeit ab.
Die zugrunde liegende Technologie trägt den Namen "Biometrics on the Move" und stammt von dem spanischen IT-Reiseunternehmen Amadeus. Essenziell für die Umsetzung ist jedoch die Expertise von Vision-Box. Amadeus hatte den portugiesischen Biometrie-Spezialisten, der weltweit bereits zahlreiche automatisierte Grenzkontrollsysteme installiert hat, Anfang des Jahres übernommen. Die nun in Indonesien installierten "Seamless Corridors" stellen die neueste Evolutionsstufe dieser Technik dar, bei der Hardware und KI-gestützte Software nahtlos ineinandergreifen, um den physischen Kontakt mit Beamten oder Maschinen auf null zu reduzieren.
Bewährungsprobe während der Pilgerfahrt
Details zur Leistungsfähigkeit und den ersten Resultaten liefert eine aktuelle Amadeus-Pressemitteilung, die den erfolgreichen Einsatz der Technologie bestätigt. Demnach wurde das System bereits während der islamischen Pilgerfahrt Hadsch einem intensiven Stresstest unterzogen. In diesem Zeitraum fertigten die Behörden über 50.000 Pilger über die neuen Korridore ab. Die Kapazität lag laut den veröffentlichten Daten bei 30 Grenzüberschreitungen pro Minute. Dies entspricht annähernd einer Verzehnfachung der Durchsatzrate im Vergleich zu herkömmlichen automatischen Gates, die oft pro Person etwa 20 bis 25 Sekunden benötigen.Die Nutzung setzt allerdings eine digitale Vorarbeit voraus. Reisende müssen die "All Indonesia"-App verwenden, um ihre Passdaten und notwendige Gesundheitserklärungen bereits vor dem Abflug an die Behörden zu übermitteln. Das ermöglicht eine Sicherheitsüberprüfung im Vorfeld ("Pre-Clearance"). Am Flughafen selbst passieren die Reisenden dann einen breiten Korridor. Kamerasensoren und KI-Algorithmen identifizieren das Gesicht, gleichen es mit den vorab gesendeten Daten ab und öffnen die Schleusen, sofern keine Sicherheitsbedenken bestehen. Aktuell wird das System primär für ältere Menschen und Reisende mit Behinderungen priorisiert, um Barrierefreiheit zu gewährleisten, soll aber schrittweise ausgeweitet werden.
Technik und Datenschutz im Fokus
Technisch basiert die Erkennung auf der Erstellung von 3D-Modellen und maschinellem Lernen. Jeff Lennon, Senior Vice President bei Amadeus, erläuterte in der Vergangenheit, dass die Herausforderung darin besteht, Personen auch bei Bewegung, unterschiedlichen Blickwinkeln und wechselnden Lichtverhältnissen präzise zu identifizieren. Ein interessantes technisches Detail ist die Abkehr von riesigen Live-Datenbankabfragen.Für ankommende Flüge werden temporäre, kleine Galerien ("Small Galleries") der erwarteten Passagiere erstellt. Das System sucht das Gesicht also nicht in einer Datenbank von 270 Millionen Indonesiern, sondern nur unter den beispielsweise 300 Passagieren des soeben gelandeten Fluges. Dies minimiert die Fehlerquote drastisch und maximiert die Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Ob das System auch bei uns landen wird, darf man bezweifeln, zumindest derzeit: Während in vielen asiatischen Ländern der Komfortgewinn oft höher gewichtet wird als datenschutzrechtliche Bedenken, stoßen solche "Seamless"-Konzepte in Europa oft auf Skepsis bezüglich der zentralen Datenspeicherung und des "gläsernen Reisenden". Ein Zwang zum Biometrie-Korridor besteht übrigens nicht: Wer sich gegen die digitale Erfassung entscheidet oder die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt, kann bzw. muss weiterhin die klassischen manuellen Kontrollschalter nutzen.
Würdet ihr eure biometrischen Daten und Passinformationen vorab per App übermitteln, um Warteschlangen komplett zu umgehen? Wir sind gespannt auf eure Ansichten - schreibt es uns gerne in die Kommentare.
Zusammenfassung
- Indonesien führt an Flughäfen biometrische Korridore ohne Warteschlange ein
- Reisende werden durch Gesichtserkennung im Gehen und ohne Stopp identifiziert
- Voraussetzung ist die vorherige Registrierung über die 'All Indonesia'-App
- System verarbeitet bis zu 30 Personen pro Minute statt üblicher 20-25 Sekunden
- Technologie von Amadeus nutzt KI und temporäre Bildgalerien für hohe Präzision
- Zunächst für ältere Menschen und Personen mit Behinderungen priorisiert
- In Europa bestehen Bedenken bezüglich Datenschutz und Privatsphäre
Siehe auch:
- Biometrie: Menschen lassen sich in WLANs eindeutig identifizieren
- Fingerabdrücke im Perso: Deutsches Gericht bestätigt Biometrie-Pflicht
- Tausende Datensätze: Hacker kaufen Biometrie-Koffer des US-Militärs
- Microsoft: Wir verkaufen keine Biometrie an die Polizei der USA
- Die nächste Biometrie-Idee: Apple arbeitet am Hautstruktursensor
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