Microsoft muss wegen IE-Mode Notbremse beim Edge-Browser ziehen

Es wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: Internet Explorer Mode, ein unscheinbarer Schalter in Microsoft Edge, der alten Web­sites ein Weiterleben ermöglicht. Doch dieser Kompatibilitätsmodus hat sich nun als Sicherheitslücke erwiesen - und Microsoft zieht die Notbremse.
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Ein unerwarteter Rückschritt im modernen Browser

Als das Edge-Team im August 2025 Hinweise auf gezielte Angriffe erhielt, war der Befund eindeutig. Angreifer nutzten den IE-Modus, um Nutzer über gefälschte Seiten zu täuschen und mit einer ungepatchten Lücke im alten Chakra-JavaScript-Engine Schadcode einzuschleusen. Eine zweite Schwachstelle erlaubte es, sich aus dem Browser heraus höhere Rechte zu verschaffen - der vollständige Systemzugriff war möglich. Damit war klar: Das Erbe des Internet Explorers im neuen Edge-Browser war nicht nur altersschwach, sondern akut gefährlich.

Der Internet Explorer-Modus existiert, weil in vielen Unternehmen, Behörden und Infrastruktursystemen noch immer Anwendungen im Einsatz sind, die auf längst veraltete Webtechniken wie ActiveX, Flash oder VBScript angewiesen sind. Sie wurden oft über Jahre an interne Prozesse gekoppelt - etwa an Zutrittssteuerungen, Verwaltungssysteme oder spezielle Interfaces.


Ein kompletter Umbau dieser Strukturen erfordert nicht nur technische Anpassungen, sondern auch neue Zertifizierungen, Budgets und Schulungen. Selbst nach dem offiziellen Aus des Internet Explorers im Juni 2022 blieb deshalb ein Übergangsmodus nötig, um diese Alt-Systeme weiter betreiben zu können, ohne sie sofort abschalten zu müssen.

Microsoft reagiert nun entschlossen: Die Entwickler haben alle schnellen Einstiegspunkte in den IE-Modus entfernt - Symbolleiste, Kontextmenü, Hauptmenü. Für Firmen mit zentralen Richtlinien bleibt er zwar aktivierbar, Privatanwender müssen jedoch jeden Kompatibilitätsfall bewusst über die Einstellungen und eine Seitenliste freigeben. Damit soll verhindert werden, dass Social-Engineering-Tricks Nutzer in die alte Engine locken.

IE-Tod rückt wieder näher

Der Konzern erinnert zugleich daran, dass das offizielle Ende des Internet Explorer 11 schon am 15. Juni 2022 war. Die Botschaft ist klar: Wer heute noch alte Webtechnologien nutzt, setzt sein System einem unnötigen Risiko aus. Moderne Chromium-Browser bieten nicht nur mehr Geschwindigkeit, sondern auch deutlich tiefere Verteidigungsschichten.

Langfristig dürfte dieser Schritt den langsamen Abschied des Internet Explorer weiter vorantreiben. Was als Brücke für Alt-Systeme gedacht war, wird nun selbst immer und immer mehr zur Gefahrenquelle - und Microsoft zieht die Brücke deshalb Stück für Stück ein.

Was war der Internet Explorer?
Internet Explorer (IE) war ein Webbrowser von Microsoft, der von 1995 bis 2022 entwickelt wurde. Er war lange Zeit der meistgenutzte Browser weltweit und fest in Windows-Betriebssysteme integriert.

Der Browser durchlief 11 Hauptversionen und war ursprünglich als "Microsoft Internet Explorer" bekannt, später als "Windows Internet Explorer". Die letzte Version war IE 11 aus dem Jahr 2013.

Microsoft stellte die Weiterentwicklung 2015 zugunsten des neuen Browsers Microsoft Edge ein. Der offizielle Support endete am 15. Juni 2022, obwohl IE aus Kompatibilitätsgründen noch in Windows enthalten ist.
Wie entwickelte sich der Internet Explorer?
IE startete 1995 als kostenpflichtiger Browser im Microsoft Plus!-Paket für Windows 95. Ab Version 2.0 wurde er kostenlos angeboten, um gegen Netscape Navigator zu konkurrieren.

Der Durchbruch kam mit Version 4.0 (1997), die tief in Windows integriert wurde und den "Active Desktop" einführte. IE 6 (2001) dominierte jahrelang den Markt, wurde aber wegen Sicherheitslücken und veralteten Webstandards kritisiert.

Spätere Versionen wie IE 9-11 verbesserten die Webstandard-Unterstützung erheblich, konnten aber den Marktanteilsverlust an Firefox, Chrome und andere moderne Browser nicht stoppen.
Welche Probleme hatte der Internet Explorer?
Sicherheit war ein Hauptkritikpunkt: IE war häufiges Ziel von Cyberangriffen wie der "Operation Aurora" 2009-2010. Das BSI warnte mehrfach vor der Nutzung und empfahl alternative Browser.

Die Webstandard-Unterstützung war lange mangelhaft. IE 6 scheiterte am Acid2-Test, IE 7 erreichte nur 14 von 100 Punkten beim Acid3-Test. Erst ab IE 9 wurde die Standards-Konformität deutlich verbessert.

Die Bündelung mit Windows führte zu Kartellverfahren wegen Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung. Microsoft musste eine neutrale Browser-Auswahl für europäische Nutzer einrichten.
Was waren die wichtigsten Versionen?
IE 3.0 (1996) führte das bekannte blaue "e"-Logo ein und bot erstmals CSS-Unterstützung. IE 4.0 (1997) integrierte sich tief in Windows und führte den Active Desktop ein.

IE 6 (2001) war die langlebigste Version und Standard in Windows XP. Trotz Sicherheitsproblemen blieb sie bis 2011 weit verbreitet. IE 7 (2006) brachte endlich Tab-Browsing und verbesserte Sicherheit.

IE 9 (2011) war ein Neustart mit moderner HTML5/CSS3-Unterstützung und Hardwarebeschleunigung. IE 11 (2013) war die finale Version mit WebGL-Support und verbesserter Touch-Bedienung für Windows 8.1.
Wie endete die Ära des Internet Explorers?
Microsoft kündigte 2015 das Ende der IE-Entwicklung an und fokussierte sich auf den neuen Edge-Browser. IE verlor kontinuierlich Marktanteile an moderne Konkurrenten wie Chrome und Firefox.

Der Support endete offiziell am 15. Juni 2022. Microsoft migrierte Nutzer automatisch zu Edge, das einen "IE-Modus" für Legacy-Websites bis mindestens 2029 bietet.

IE bleibt aus Kompatibilitätsgründen versteckt in Windows verfügbar, aber direkte Aufrufe leiten zu Edge weiter. Seine über 25-jährige Geschichte prägte maßgeblich die Entwicklung des World Wide Web.
Zusammenfassung
  • Microsoft entfernt Schnellzugriffe zum Internet Explorer Modus in Edge
  • Sicherheitslücken im IE-Modus ermöglichten gezielte Angriffe mit Schadcode
  • Chakra-JavaScript-Engine und eine weitere Schwachstelle gewährten Systemzugriff
  • IE-Modus war für Unternehmen mit veralteten Web-Anwendungen gedacht
  • Firmen können den Modus weiterhin über zentrale Richtlinien aktivieren
  • Privatnutzer müssen jeden Kompatibilitätsfall manuell in den Einstellungen freigeben
  • Microsoft erinnert an das offizielle Ende des Internet Explorer am 15. Juni 2022

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