Seltene Erden: Ausfuhrbeschränkungen stören Lieferketten massiv

Europäische Unternehmen leiden unter Chinas verschärften Exportkontrollen für seltene Erden. Trotz Zusagen beim EU-China-Gipfel im Juli wurden nur 19 von 141 Lizenzanträgen genehmigt. Produktionsstopps drohen.
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Engpässe trotz Gipfel-Zusagen

Seit April verlangt Peking Lizenzen für den Export von sieben seltenen Erden, darunter Dysprosium und Terbium - Materialien, die für Elektromotoren von Fahrzeugen, Verteidigungsausrüstung und erneuerbare Energiesysteme von entscheidender Bedeutung sind. China kontrolliert etwa 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazität für seltene Erden und besitzt somit erheblichen Einfluss in Handelsverhandlungen.

Die Auswirkungen der chinesischen Maßnahmen sind laut der Nachrichtenagentur Reuters mittlerweile richtig gravierend: Aktuelle Gebote für Dysprosium und Terbium liegen bis zu 50 Prozent über den offiziellen Preisindizes, Yttrium wird teilweise mit mehr als dem Dreifachen des üblichen Marktpreises angeboten. Besonders problematisch ist laut Experten, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren Lagerbestände reduzierten, um Kapital zu sparen.


Lizenzverfahren als Hürde

Laut EU und Reuters haben europäische Firmen trotz der Zusagen beim EU-China-Gipfel im Juli weiterhin erhebliche Probleme beim Zugang zu kritischen Rohstoffen. Der Präsident der europäischen Handelskammer, Jens Eskelund, sagte gegenüber Reportern, dass die Organisation über 140 Anträge von Mitgliedsunternehmen eingereicht habe, aber nur ein Bruchteil davon bisher bearbeitet wurde. "Wir haben eine Reihe von Mitgliedern, die derzeit erhebliche Verluste wegen dieser Engpässe erleiden", sagte er.

Von 141 Anträgen auf Exportlizenzen für seltene Erden genehmigte das zuständige Handelsministerium lediglich 19. Das entspricht einer Erfolgsquote von nur 13,5 Prozent. Mindestens ein Unternehmen verliere bereits "Millionen von Euro" aufgrund der Beschränkungen.

Weitreichende Folgen

Dysprosium und Terbium sind entscheidend für die Thermostabilität von Magneten, beispielsweise in Elektromotoren für E-Fahrzeuge. In den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität werden Permanentmagnete benötigt, in denen Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium verbaut werden. Eine Verknappung könnte die Kosten erhöhen und die Produktion von Elektrofahrzeugen und Windturbinen bremsen.

Die Handelskammer warnte vor weiteren Produktionsstopps, da die Lizenzgenehmigungen seit dem Sommer wieder rückläufig seien. Unternehmen müssten bereits präventiv Anträge stellen, um Verzögerungen zu vermeiden, die zu erheblichen Verlusten führen könnten.

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Warum sind seltene Erden so wichtig?
Seltene Erden sind essenzielle Rohstoffe für Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Halbleiterfertigung, Windkraftanlagen und militärische Technologien. Ohne sie wären moderne Produkte wie E-Autos, Smartphones oder Magnetmotoren kaum herstellbar.

China kontrolliert über 69 % der weltweiten Förderung und nahezu die gesamte Weiterverarbeitung. Diese Abhängigkeit macht viele europäische Unternehmen verwundbar gegenüber politischen Entscheidungen in Peking.
Was behindert aktuell den Import?
Seit April 2025 verlangt China Exportlizenzen für bestimmte seltene Erden. Diese Maßnahme soll laut Peking nicht diskriminierend sein, führt aber zu massiven Verzögerungen und Unsicherheiten für europäische Firmen.

Laut der EU-Handelskammer in China wurden bis Anfang September nur 13,5 % der gestellten Anträge genehmigt. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind von den Engpässen betroffen.
Was wurde beim EU-China-Gipfel beschlossen?
Beim Gipfeltreffen im Juli 2025 versprach China, Exportlizenzen für seltene Erden an europäische Firmen schneller zu vergeben. Die EU hatte sich zudem für eine langfristige Lösung eingesetzt, etwa durch Wegfall der Lizenzpflicht - ohne Erfolg.

Die Umsetzung bleibt laut EU-Handelskammer lückenhaft: Nur ein Bruchteil der Anträge wurde bewilligt, viele Firmen berichten weiterhin von Produktionsstopps und Lieferengpässen.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Besonders betroffen sind Automobilhersteller, Chipproduzenten und Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie. Diese Branchen benötigen seltene Erden z. B. für Elektromotoren, Sensoren oder Hochleistungsmagnete.

Laut Reuters mussten europäische Autobauer bereits Produktionslinien stilllegen. Auch Chipfertiger haben laut Berichten Petitionen an Peking gestellt, um Ausnahmen zu erwirken.
Wie reagieren europäische Unternehmen?
Viele Firmen versuchen, durch frühzeitige Anträge oder Umstellungen in der Lieferkette gegenzusteuern. Einige prüfen laut CNBC sogar Investitionsverlagerungen nach Südostasien.

Die EU-Handelskammer hat über 1.100 Empfehlungen an chinesische Behörden formuliert, darunter Vorschläge zur Entbürokratisierung und Förderung des Privatsektors. Ziel ist ein verlässlicherer Zugang zu kritischen Rohstoffen.
Gibt es Alternativen zu China?
Derzeit stammen fast 50 % der EU-Importe aus China, gefolgt von Russland und Malaysia. Der Aufbau alternativer Lieferketten ist jedoch langwierig und teuer.

Die EU investiert zunehmend in Recyclingtechnologien und eigene Förderprojekte, etwa in Schweden oder Grönland. Kurzfristig bleibt die Abhängigkeit von China jedoch bestehen.
Wie geht es jetzt weiter?
Im Oktober 2025 will China seinen neuen Fünfjahresplan vorstellen. Die EU-Handelskammer hofft, dass dabei strukturelle Probleme wie Überproduktion und staatliche Marktdominanz angegangen werden.

Parallel plant die Kammer Gespräche mit EU-Politikern in Brüssel, um Druck auf China auszuüben. Für Unternehmen bleibt die Lage angespannt - eine kurzfristige Entspannung ist laut Experten unwahrscheinlich.
Zusammenfassung
  • China verlangt seit April Exportlizenzen für sieben kritische Seltene Erden
  • Betroffene Materialien wie Dysprosium sind für E-Motoren unverzichtbar
  • Preise für diese Rohstoffe sind um bis zu 50 Prozent gestiegen
  • Von 141 europäischen Anträgen wurden nur 19 Lizenzen genehmigt
  • Europäische Unternehmen erleiden durch Materialengpässe Millionenverluste
  • Verknappung könnte Produktion von E-Fahrzeugen und Windkraftanlagen bremsen

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