15 Jahre Satellitendaten verraten Erstaunliches über unsere Wälder

Ursprünglich für andere Zwecke gebaut, ist die ESA-Mission SMOS heute ein wichtiges Werkzeug der Klimabeobachtung. Eine neue Auswertung zeigt: Ihre Daten machen sichtbar, wie sich Wälder weltweit über 15 Jahre hinweg strukturell verändert haben.
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ESA-Satellit SMOS: Unerwarteter Held der Waldforschung

Manche Satellitenmissionen übertreffen ihre Ziele - einfach, weil ihre Daten mehr können als ursprünglich gedacht. Ein Beispiel dafür ist SMOS, eine europäische Mission, die eigentlich Bodenfeuchte und Salzgehalt der Ozeane messen sollte. Doch seit 2009 blickt sie auch auf Wälder - und hilft inzwischen dabei, den globalen Kohlenstoffhaushalt besser zu verstehen.

Die entscheidende Größe heißt "Vegetation Optical Depth" (VOD) - ein Maß dafür, wie durchlässig eine Pflanzenschicht für Mikrowellen ist. Je dichter der Wald, desto mehr wird das Signal abgeschwächt. Die Daten sind nicht direkt ein Maß für Biomasse - aber sie lassen Rückschlüsse zu. Denn dichtes Blattwerk, dicke Stämme und feuchte Äste bremsen die Wellen stärker.


Technikdaten zur ESA-Mission SMOS
  • Gesamtmasse: 670 kg (davon 360 kg Nutzlast, 282 kg Plattform, 28 kg Treibstoff)
  • Lagekontrolle: Dreiachsenstabilisierung mit automatischer Giersteuerung
  • Energieversorgung: Solarpanels mit Siliziumzellen, Li-Ionen-Batterie
  • Leistungsaufnahme: ca. 300 W (Plattform), ca. 375 W (Nutzlast)
  • Bodenauflösung: rund 35 km im Zentrum des Sichtfelds

Zwischen 2011 und 2025 entstand so eine kontinuierliche globale Zeitreihe. Damit lassen sich nicht nur Schwankungen nachverfolgen, sondern auch längerfristige Trends sichtbar machen - etwa Veränderungen durch Dürren, Überschwemmungen oder Waldumbau. Die Interpretation ist komplex, denn das Signal enthält Informationen über Masse und Wassergehalt. "Man muss vorsichtig sein, was man eigentlich sieht", sagt ESA-Missionsleiter Klaus Scipal. ESA SMOS MissionSo werden die SMOS-Daten dargestellt Parallel liefert seit diesem Jahr auch die neue faszinierende Biomass-Mission Daten - mit einem entscheidenden Unterschied: Sie nutzt längere Wellen im P-Band, die tiefer in das Kronendach eindringen. So lassen sich etwa tropische Regenwälder viel detaillierter untersuchen. Aber die Daten sind punktuell und neu - für Langzeitvergleiche bleibt SMOS unerlässlich. "Zusammen liefern beide Missionen mehr, als jede für sich allein", erklärt ESA-Wissenschaftler Matthias Drusch.

ESA Biomass MissionESA Biomass MissionESA Biomass MissionESA Biomass Mission
ESA Biomass MissionESA Biomass MissionESA Biomass MissionESA Biomass Mission

Langzeitblick

Vor Ort werden die Satellitendaten mit klassischer, individueller Forscherleistung ergänzt. Paul Vermunt von der Universität Twente misst etwa die Waldstruktur direkt am Boden. Für ihn steht fest: Nur mit bodennahen Referenzen lassen sich die Satellitensignale richtig deuten. "Wir müssen wissen, was genau im Wald passiert - bis auf die Ebene einzelner Bäume."

Die Analyse, veröffentlicht in Earth System Science Data (DOI: 10.5194/essd-17-1101-2025), zeigt: Wenn Satellitendaten mit bodengestützten Beobachtungen kombiniert werden, lassen sich nicht nur die Ausdehnung von Wäldern erfassen, sondern auch Veränderungen in ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher nachvollziehen - als Teil eines sich wandelnden Klimasystems.

Satellitenblick auf Wälder: Zwei ESA-Missionen im Vergleich
  • SMOS (seit 2009)
    • L-Band, globale Abdeckung
    • misst Vegetationsdichte (VOD)
    • ideal für Langzeitvergleiche
  • Biomass (seit 2025)
    • - P-Band, tieferes Eindringen
    • - höher aufgelöste Strukturdaten
    • - besonders für Tropen geeignet
  • → Kombiniert ergeben beide ein umfassenderes Bild von Waldstruktur und Kohlenstoffspeicherung.

Was ist Erdbeobachtung?
Erdbeobachtung bezeichnet in der Luft- und Raumfahrt die systematische Beobachtung der Erdoberfläche und/oder der Erdatmosphäre aus großer Höhe. Sie umfasst verschiedene technische Verfahren zur Informationsgewinnung, wie beispielsweise Radar- oder Infrarotgeräte.

Moderne Erdbeobachtung erfolgt hauptsächlich durch Satelliten, die mit hochauflösenden Kameras und Sensoren ausgestattet sind. Diese Satelliten ermöglichen es, Veränderungen unseres Planeten lückenlos zu beobachten und frühzeitig zu erkennen, wo unumkehrbare Schäden entstehen könnten.
Wozu dient Erdbeobachtung?
Die Erdbeobachtung liefert entscheidende Daten für zahlreiche Anwendungsbereiche wie Meteorologie, Klimaforschung, Geodäsie, Geoökologie und Wettervorhersage. Sie unterstützt auch die Überwachung von Meeres- und Luftverschmutzung sowie die Katastrophenprävention und -bewältigung.

Überdies ist sie unverzichtbar für die Raum- und Landschaftsplanung, Umweltüberwachung, Landwirtschaft und das Ressourcenmanagement. Laut Experten helfen Erdbeobachtungsdaten, das komplexe System der Erde mit seinen vielfältigen Komponenten und Wechselwirkungen besser zu verstehen.
Welche Satelliten werden eingesetzt?
Für die Erdbeobachtung kommen verschiedene Arten von Satelliten zum Einsatz, darunter Wettersatelliten, Umweltsatelliten sowie Satelliten für Kartierung und Geologie. Diese unterscheiden sich in ihren Sensoren, Orbits und Flughöhen je nach Anwendungsbereich.

Bedeutende deutsche Erdbeobachtungsmissionen sind beispielsweise TanDEM-X und EnMAP. Der 2022 gestartete EnMAP-Satellit ist der erste deutsche Hyperspektralsatellit, der mit seinen beiden Spektrometern die von der Erdoberfläche reflektierte Sonnenstrahlung präzise analysieren kann.
Wie funktionieren EO-Satelliten?
Erdbeobachtungssatelliten messen die von Körpern und Strukturen auf der Erde emittierte elektromagnetische Strahlung. Diese Strahlung wird durch die geometrische Struktur der Oberfläche sowie durch die Zusammensetzung des jeweiligen Körpers bestimmt.

Die Satelliten sind mit verschiedenen Messeinrichtungen ausgestattet, wie multispektralen Scannern oder Radarsystemen. Von abbildenden Sensoren registrierte spezifische Spektralsignaturen werden in konkrete Bilder umgesetzt, die dann für verschiedene Anwendungen analysiert werden können.
Welche Rolle spielt KI dabei?
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Erdbeobachtung, indem sie die automatische Analyse der enormen Datenmengen ermöglicht. KI-Systeme können Objekte erkennen, Veränderungen überwachen und anomale Muster identifizieren, was früher manuelle Auswertung erforderte.

Bei Erdbeobachtungskonstellationen könnten Satelliten laut aktueller Entwicklungen Informationen über Ziele teilen - erkennt die KI eines Satelliten etwa einen Waldbrand, kann sie andere Satelliten warnen und für ergänzende Beobachtungen umleiten, völlig autonom.
Wer nutzt Erdbeobachtungsdaten?
Erdbeobachtungsdaten werden von einer Vielzahl von Nutzern eingesetzt, darunter Forscher, Unternehmen, Regierungen und gemeinnützige Organisationen. Branchen wie Landwirtschaft, Bauwesen, erneuerbare Energien und Katastrophenhilfe verlassen sich auf diese Daten.

Auch für den Klimaschutz sind Satellitendaten unverzichtbar. Sie liefern unabhängige Informationen über den Zustand des Erdsystems und helfen dabei, die Wirksamkeit und Einhaltung von Klimaschutzmaßnahmen zu verifizieren, wie Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt betonen.
Welche Vorteile bietet Satelliten-EO?
Die Vorteile der Erdbeobachtung per Satellit liegen in der Aktualität der Daten, die oft innerhalb von Stunden verfügbar sind, sowie in ihrer Abdeckung großer Gebiete. Satelliten ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung von schwer zugänglichen Regionen.

Moderne Satellitensysteme wie ICEYE können mit ihrer SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar) Standorte weltweit nahezu in Echtzeit überwachen, unabhängig von Wetter- oder Lichtverhältnissen, was besonders für Katastrophenmanagement und Umweltüberwachung wertvoll ist.
Gibt es Datenschutzbedenken?
Datenschützer warnen vor einer möglichen Überwachung aus dem All durch zukünftige Satelliten, die leistungsfähig genug sein könnten, um einzelne Personen zu erkennen. Mit steigender Auflösung der Satellitensensoren verstärken sich diese Bedenken.

Gleichzeitig müssen die Vorteile für Umweltschutz, Katastrophenhilfe und wissenschaftliche Forschung gegen diese Bedenken abgewogen werden. Die Balance zwischen technologischem Fortschritt und Privatsphäre stellt eine gesellschaftliche Herausforderung dar, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert.
Zusammenfassung
  • ESA-Mission SMOS erfasst seit 15 Jahren Waldveränderungen weltweit
  • Ursprünglich für Bodenfeuchtemessung konzipiert, nun wichtig für Klimadaten
  • Die 'Vegetation Optical Depth' ermöglicht Rückschlüsse auf Waldbiomasse
  • Kontinuierliche Zeitreihe 2011-2025 zeigt langfristige Trends der Wälder
  • Neue Biomass-Mission ergänzt mit tieferem Einblick in Waldstrukturen
  • Beide Satellitenmissionen liefern gemeinsam umfassendere Waldanalysen
  • Forscher kombinieren Satellitenbilder mit Messungen direkt am Waldboden

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