Gefeierter Android-Erdbeben-Detektor versagte anfangs komplett
Google feiert sich seit einiger Zeit gern für sein Frühwarn-System für Erdbeben, das auf Daten von zahlreichen Android-Smartphones beruht. Was ungern berichtet wird: Die Technologie hat auch schon ordentlich versagt.
Obwohl das Android Earthquake Alerts (AEA)-System Googles zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv war, lieferte es unzureichende Frühwarnungen - insbesondere beim ersten Beben. Statt der tatsächlichen Magnitude von 7,8 schätzte das System das erste Beben sieben Sekunden nach Beginn lediglich auf 4,5 - ein drastischer Fehler. Die höchste ermittelte Stärke betrug lediglich 4,9, was dazu führte, dass lediglich weniger dringliche Warnungen an rund 500.000 Geräte im Umkreis von 64 Kilometern gesendet wurden.
Beim zweiten Beben stieg die geschätzte Magnitude immerhin auf 6,3, was Warnungen an knapp vier Millionen Geräte ermöglichte - mit Vorlaufzeiten zwischen wenigen Sekunden und über einer Minute. Wenn das System die Stärke der Beben etwas besser eingeschätzt hätte, wäre es vielleicht möglich gewesen, mit geringeren Opferzahlen herauszukommen.
Google hat die Schwächen des Systems allerdings anerkannt und die Algorithmen zur Erkennung von Beben deutlich überarbeitet, wie aus einer aktuellen Publikation hervorgeht. Die Messdauer zur Auswertung von Erdbeben wurde beispielsweise von 10 auf 30 Sekunden verlängert, was eine genauere Einschätzung ermöglichen soll. Zudem wird nun stärker auf die Qualität der Sensordaten geachtet, um fehlerhafte oder zu "laute" Geräte aus der Datenerhebung auszuschließen. Auch die BeAware-Warnungen wurden angepasst: Geräte vibrieren beispielsweise nicht mehr automatisch, um die Messungen nicht zu stören.
Trotz der anfänglichen Mängel bewerten die Nutzer das System insgesamt positiv. Eine Umfrage unter 1,5 Millionen Anwendern weltweit (außerhalb der USA) ergab eine durchschnittliche Zufriedenheit von 4,7 von 5 Punkten. Rund 85 Prozent hielten die Warnungen für hilfreich. Google hofft, dass durch die jüngsten Optimierungen künftig mehr Leben gerettet werden können.
Siehe auch:
- Googles Android-Erdbebendetektor versagte beim Türkei-Beben im Februar 2023
- Das System unterschätzte die erste Erdbebenmagnitude mit 4,9 statt tatsächlich 7,8
- Beim zweiten Beben erfolgte bessere, aber immer noch ungenaue Einschätzung
- Google hat Algorithmen überarbeitet und die Messdauer von 10 auf 30 Sekunden erhöht
- Neue Version soll Beben schneller und präziser erkennen können
- Trotz anfänglicher Mängel bewerten Nutzer das System mit 4,7 von 5 Punkten
- 85 Prozent der befragten Anwender halten die Warnungen für hilfreich
Stärke unterschätzt
So erschütterten am 6. Februar 2023 zwei schwere Erdbeben den Südosten der Türkei. Das erste Beben erreichte eine Magnitude von 7,8 in Pazarcık, gefolgt von einem zweiten mit der Stärke 7,5 in Elbistan. Die Erschütterungen forderten Tausende Menschenleben und verursachten massive Schäden.Obwohl das Android Earthquake Alerts (AEA)-System Googles zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv war, lieferte es unzureichende Frühwarnungen - insbesondere beim ersten Beben. Statt der tatsächlichen Magnitude von 7,8 schätzte das System das erste Beben sieben Sekunden nach Beginn lediglich auf 4,5 - ein drastischer Fehler. Die höchste ermittelte Stärke betrug lediglich 4,9, was dazu führte, dass lediglich weniger dringliche Warnungen an rund 500.000 Geräte im Umkreis von 64 Kilometern gesendet wurden.
Beim zweiten Beben stieg die geschätzte Magnitude immerhin auf 6,3, was Warnungen an knapp vier Millionen Geräte ermöglichte - mit Vorlaufzeiten zwischen wenigen Sekunden und über einer Minute. Wenn das System die Stärke der Beben etwas besser eingeschätzt hätte, wäre es vielleicht möglich gewesen, mit geringeren Opferzahlen herauszukommen.
So funktioniert Googles Erdbeben-Warnsystem auf Android
Google hat die Schwächen des Systems allerdings anerkannt und die Algorithmen zur Erkennung von Beben deutlich überarbeitet, wie aus einer aktuellen Publikation hervorgeht. Die Messdauer zur Auswertung von Erdbeben wurde beispielsweise von 10 auf 30 Sekunden verlängert, was eine genauere Einschätzung ermöglichen soll. Zudem wird nun stärker auf die Qualität der Sensordaten geachtet, um fehlerhafte oder zu "laute" Geräte aus der Datenerhebung auszuschließen. Auch die BeAware-Warnungen wurden angepasst: Geräte vibrieren beispielsweise nicht mehr automatisch, um die Messungen nicht zu stören.
Verbesserungen umgesetzt
Laut Google zeigen Simulationen, dass das System unter den neuen Bedingungen ein vergleichbares Beben in der gleichen Region heute deutlich früher und präziser erkennen würde. Bereits nach sechs Sekunden würde eine Magnitude von 4,6 geschätzt - innerhalb von 24 Sekunden steige die Einschätzung dann auf 7,4. Dies würde bedeuten, dass bis zu 10 Millionen Geräte rechtzeitig Take-Action-Warnungen mit bis zu 35 Sekunden Vorlauf erhalten könnten, während 67 Millionen Nutzer BeAware-Meldungen mit bis zu zweieinhalb Minuten Vorwarnzeit bekämen.Trotz der anfänglichen Mängel bewerten die Nutzer das System insgesamt positiv. Eine Umfrage unter 1,5 Millionen Anwendern weltweit (außerhalb der USA) ergab eine durchschnittliche Zufriedenheit von 4,7 von 5 Punkten. Rund 85 Prozent hielten die Warnungen für hilfreich. Google hofft, dass durch die jüngsten Optimierungen künftig mehr Leben gerettet werden können.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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