Fitness-Tracker liefern bei Übergewicht falsche Messwerte - bis jetzt
Anstrengung: hoch. Anzeige: niedrig. Wer mehr wiegt, wird von Fitness-Trackern oft falsch erfasst. Doch jetzt gibt es bald wohl eine Lösung - entwickelt für den Alltag, getestet im Labor und bald nutzbar per App.
Ein Team der Northwestern University in Chicago hat dieses Problem jetzt gezielt adressiert: Mit einem neuen Algorithmus speziell für Smartwatches lässt sich der Kalorienverbrauch von Personen mit starkem Übergewicht deutlich präziser berechnen. Die Studie dazu ist unter dem Titel "Developing and comparing a new BMI inclusive energy burn algorithm on wrist-worn wearables" in Scientific Reports (Studie als PDF) erschienen.
Der neue Algorithmus wurde im Vergleich mit elf bereits etablierten Modellen getestet, die typischerweise in der wissenschaftlichen Forschung zum Einsatz kommen. In einer Testgruppe trugen die Teilnehmenden sowohl ein handelsübliches Fitness-Armband als auch professionelle Hardware wie Brustgurte oder Systeme zur Atemgasmessung, um den tatsächlichen Kalorienverbrauch zu messen und mit den Algorithmus-Schätzungen zu vergleichen. Dabei erreichte das neue Modell in realitätsnahen Alltagssituationen eine Genauigkeit von über 95 % im Vergleich mit den "Goldstandard"-Messmethoden wie der Atemgasanalyse.
Siehe auch:
Tracker brauchen Update bei Übergewicht
Fitness-Armbänder gehören längst zum Alltag vieler Menschen. Sie zählen Schritte, dokumentieren Aktivitäten und schätzen den Energieverbrauch. Doch bei Menschen mit Adipositas liefern sie häufig unzuverlässige Daten - etwa weil sich Gehstil, Geschwindigkeit und Körperhaltung unterscheiden. Wer sich auf die angezeigten Werte verlässt, bekommt ein verzerrtes Bild.Ein Team der Northwestern University in Chicago hat dieses Problem jetzt gezielt adressiert: Mit einem neuen Algorithmus speziell für Smartwatches lässt sich der Kalorienverbrauch von Personen mit starkem Übergewicht deutlich präziser berechnen. Die Studie dazu ist unter dem Titel "Developing and comparing a new BMI inclusive energy burn algorithm on wrist-worn wearables" in Scientific Reports (Studie als PDF) erschienen.
Aktivitätstracker könnten Menschen mit Adipositas wichtige gesundheitliche Einblicke liefern, aber die meisten Geräte erfassen ihre Werte bislang ungenau. Ohne einen verlässlichen Algorithmus für Geräte am Handgelenk wissen wir schlicht nicht genau, wie viel Bewegung und Energieeinsatz Menschen mit Adipositas im Alltag wirklich leisten.Alshurafa leitet das HABits Lab an der Northwestern University, das den neuen Algorithmus entwickelt und umfassend getestet hat. Das Modell wurde gezielt für den Einsatz auf handelsüblichen Smartwatches abgestimmt, ist quelloffen verfügbar (Projektseite) und lässt sich unabhängig überprüfen. Noch in diesem Jahr soll auf Basis der Methode eine App erscheinen - sowohl für iOS als auch für Android.
Der neue Algorithmus wurde im Vergleich mit elf bereits etablierten Modellen getestet, die typischerweise in der wissenschaftlichen Forschung zum Einsatz kommen. In einer Testgruppe trugen die Teilnehmenden sowohl ein handelsübliches Fitness-Armband als auch professionelle Hardware wie Brustgurte oder Systeme zur Atemgasmessung, um den tatsächlichen Kalorienverbrauch zu messen und mit den Algorithmus-Schätzungen zu vergleichen. Dabei erreichte das neue Modell in realitätsnahen Alltagssituationen eine Genauigkeit von über 95 % im Vergleich mit den "Goldstandard"-Messmethoden wie der Atemgasanalyse.
Persönlicher Anlass
Anstoß für das Projekt war eine persönliche Erfahrung: In einem Fitnesskurs sah Alshurafa, wie sich seine übergewichtige Schwiegermutter enorm anstrengte - doch auf dem digitalen Klassen-Leaderboard rangierte sie ganz unten. "Dieser Moment hat mich geprägt", sagt er. "Fitness darf sich nicht wie eine Falle anfühlen - gerade für diejenigen, die sie am dringendsten brauchen."Was ist ein Activity Tracker?
Ein Activity Tracker ist ein tragbares elektronisches Gerät, das fitness- und gesundheitsrelevante Daten aufzeichnet und überträgt. Diese "Wearables" werden meist am Handgelenk getragen und können Aktivitäten wie Schritte, zurückgelegte Strecken und Kalorienverbrauch messen.
Moderne Geräte erfassen zusätzlich Herzfrequenz, Schlafqualität und bei einigen Modellen sogar Blutsauerstoffsättigung. Die Daten werden drahtlos mit einem Smartphone oder Computer synchronisiert und bieten so einen umfassenden Überblick über die eigene Fitness.
Moderne Geräte erfassen zusätzlich Herzfrequenz, Schlafqualität und bei einigen Modellen sogar Blutsauerstoffsättigung. Die Daten werden drahtlos mit einem Smartphone oder Computer synchronisiert und bieten so einen umfassenden Überblick über die eigene Fitness.
Welche Funktionen bieten Tracker?
Die Grundfunktionen eines Activity Trackers umfassen Schrittzähler, Distanzmessung und Kalorienverbrauchsberechnung. Fortschrittlichere Modelle bieten Pulsmessung, Schlafanalyse, GPS-Tracking und automatische Sporterkennung für verschiedene Aktivitäten.
Zusätzlich verfügen viele Tracker über Smartphone-Benachrichtigungen, Weckfunktionen und Inaktivitätserinnerungen. Bei höherpreisigen Modellen können auch EKG-Messungen, Stressanalyse und kontaktloses Bezahlen verfügbar sein, womit sie sich den Funktionen einer Smartwatch annähern.
Zusätzlich verfügen viele Tracker über Smartphone-Benachrichtigungen, Weckfunktionen und Inaktivitätserinnerungen. Bei höherpreisigen Modellen können auch EKG-Messungen, Stressanalyse und kontaktloses Bezahlen verfügbar sein, womit sie sich den Funktionen einer Smartwatch annähern.
Wie genau messen Fitness-Tracker?
Die Messgenauigkeit von Activity Trackern variiert je nach Modell und gemessenem Parameter. Bei der Schrittzählung und Distanzmessung können laut Tests Ungenauigkeiten auftreten, besonders bei bestimmten Bewegungsmustern wie Radfahren oder Hausarbeiten.
Bei der Herzfrequenzmessung bieten Brustgurte in der Regel präzisere Ergebnisse als optische Sensoren am Handgelenk. Höherpreisige Modelle liefern tendenziell genauere Messwerte, während Budget-Geräte oft größere Abweichungen aufweisen. Für medizinische Zwecke sollten diese Geräte nicht verwendet werden.
Bei der Herzfrequenzmessung bieten Brustgurte in der Regel präzisere Ergebnisse als optische Sensoren am Handgelenk. Höherpreisige Modelle liefern tendenziell genauere Messwerte, während Budget-Geräte oft größere Abweichungen aufweisen. Für medizinische Zwecke sollten diese Geräte nicht verwendet werden.
Was kosten gute Fitness-Tracker?
Die Preisspanne für Activity Tracker ist breit gefächert. Einsteigermodelle mit Basisfunktionen sind bereits ab etwa 30-40 Euro erhältlich, während Mittelklasse-Geräte mit erweitertem Funktionsumfang zwischen 60 und 100 Euro kosten.
Hochwertige Tracker mit präziseren Sensoren, GPS und umfangreichen Gesundheitsfunktionen können 100-200 Euro kosten. Die Oberklasse mit Smartwatch-Funktionen und medizinischen Features bewegt sich preislich im Bereich von 200-300 Euro und darüber, bietet dafür aber auch deutlich bessere Messgenauigkeit.
Hochwertige Tracker mit präziseren Sensoren, GPS und umfangreichen Gesundheitsfunktionen können 100-200 Euro kosten. Die Oberklasse mit Smartwatch-Funktionen und medizinischen Features bewegt sich preislich im Bereich von 200-300 Euro und darüber, bietet dafür aber auch deutlich bessere Messgenauigkeit.
Wie steht es um den Datenschutz?
Bei Activity Trackern sollte der Datenschutz besonders beachtet werden, da sensible Gesundheitsdaten erfasst werden. Laut Datenschutzbehörden erfüllten bei Tests viele Geräte nicht alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen.
Die meisten Tracker übertragen Daten in Cloud-Dienste, teilweise auch außerhalb der EU. Nutzer sollten in den Einstellungen prüfen, welche Daten geteilt werden und ob diese Weitergabe eingeschränkt werden kann. Besonders kritisch ist die mögliche Verknüpfung mit anderen persönlichen Daten durch die Hersteller.
Die meisten Tracker übertragen Daten in Cloud-Dienste, teilweise auch außerhalb der EU. Nutzer sollten in den Einstellungen prüfen, welche Daten geteilt werden und ob diese Weitergabe eingeschränkt werden kann. Besonders kritisch ist die mögliche Verknüpfung mit anderen persönlichen Daten durch die Hersteller.
Armband, Clip oder Smartwatch?
Activity Tracker gibt es in verschiedenen Bauformen. Armbänder sind am weitesten verbreitet, bieten guten Tragekomfort und ermöglichen kontinuierliche Messungen auch während des Schlafens. Clips können diskreter getragen werden, gehen aber leichter verloren.
Smartwatches kombinieren Tracker-Funktionen mit zusätzlichen Smart-Features wie Apps, Musiksteuerung und mehr Interaktionsmöglichkeiten, haben jedoch mehrheitlich eine kürzere Akkulaufzeit. Die Wahl hängt vom persönlichen Bedarf ab - Armbänder eignen sich für 24/7-Tracking, Smartwatches für mehr Funktionalität.
Smartwatches kombinieren Tracker-Funktionen mit zusätzlichen Smart-Features wie Apps, Musiksteuerung und mehr Interaktionsmöglichkeiten, haben jedoch mehrheitlich eine kürzere Akkulaufzeit. Die Wahl hängt vom persönlichen Bedarf ab - Armbänder eignen sich für 24/7-Tracking, Smartwatches für mehr Funktionalität.
Wie lange hält der Akku?
Die Akkulaufzeit von Activity Trackern variiert stark, je nach Modell und Nutzungsintensität. Einfache Fitness-Armbänder ohne Display oder mit einfachem Display können zwischen einer und vier Wochen durchhalten, teilweise sogar länger.
Geräte mit Farbdisplay, GPS oder ständiger Herzfrequenzmessung haben eine deutlich kürzere Laufzeit von etwa 3-7 Tagen. Im Vergleich zu Smartwatches, die oft täglich geladen werden müssen, bieten reine Activity Tracker jedoch einen klaren Vorteil bei der Akkulaufzeit.
Geräte mit Farbdisplay, GPS oder ständiger Herzfrequenzmessung haben eine deutlich kürzere Laufzeit von etwa 3-7 Tagen. Im Vergleich zu Smartwatches, die oft täglich geladen werden müssen, bieten reine Activity Tracker jedoch einen klaren Vorteil bei der Akkulaufzeit.
Für wen lohnt sich ein Tracker?
Activity Tracker lohnen sich besonders für Personen, die ihre körperliche Aktivität steigern oder überwachen möchten. Für Einsteiger können sie als Motivationshilfe dienen, um Bewegungsziele zu erreichen und gesündere Gewohnheiten zu entwickeln.
Ambitionierte Sportler profitieren von detaillierten Trainingsdaten und Leistungsanalysen. Gesundheitsbewusste Menschen schätzen die Überwachung von Vitalwerten und Schlafqualität. Allerdings sollten Nutzer realistisch bleiben - der Tracker allein macht nicht fit, sondern dient nur als unterstützendes Werkzeug.
Ambitionierte Sportler profitieren von detaillierten Trainingsdaten und Leistungsanalysen. Gesundheitsbewusste Menschen schätzen die Überwachung von Vitalwerten und Schlafqualität. Allerdings sollten Nutzer realistisch bleiben - der Tracker allein macht nicht fit, sondern dient nur als unterstützendes Werkzeug.
Zusammenfassung
- Herkömmliche Fitness-Tracker liefern bei Adipositas ungenaue Messwerte
- Forscher der Northwestern University entwickelten präziseren Algorithmus
- Neue Methode misst den Kalorienverbrauch übergewichtiger Menschen genauer
- Das Modell erreichte in Tests eine Genauigkeit von über 95 Prozent
- Algorithmus ist quelloffen und soll noch 2025 als App erscheinen
- Anstoß für das Projekt war die persönliche Erfahrung des Studienleiters
Siehe auch:
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