Voll daneben: Satellitendaten entlarven konservative Klimamodelle
Wie realistisch sind die aktuellsten Klimamodelle? Eine Studie vergleicht die besten verfügbaren Daten und kommt zu einem klaren Schluss: optimistische Szenarien mit schwacher Erwärmung passen einfach nicht zu den Messdaten. Es wird schneller heißer.
Die CMIP6-Modelle bilden damit die wissenschaftliche Grundlage vieler internationaler Klimaprognosen, etwa in den Berichten des Weltklimarats IPCC. Sie berechnen, wie stark sich die Temperatur, Wolken, Eisbedeckung und Strahlungsflüsse verändern, wenn der CO₂-Ausstoß weiter steigt. In der aktuellen Studie des Center for International Climate Research (CICERO) wurden 37 dieser Klimamodelle mit realen Beobachtungsdaten abgeglichen.
Das Ergebnis ist eindeutig: Modelle, die nur eine schwache Erwärmung prognostizieren, unterschätzen systematisch die gemessene Zunahme an absorbierter Sonnenenergie und Wärmerückstrahlung. Vor allem die Veränderungen in der Wolkenbildung und der Eisreflexion - zwei wichtige Verstärker des Treibhauseffekts - sind in diesen Modellen zu schwach ausgeprägt.
"Unsere Analyse zeigt, dass Modelle mit geringer Erwärmung nicht zu den beobachteten Strahlungsveränderungen passen", sagt Studienleiter Gunnar Myhre. "Wenn wir das ernst nehmen, bedeutet das auch: Die Gefahr einer stärkeren Erwärmung ist real."
Sollte sich die stärkere Erwärmung bewahrheiten, müssten internationale Klimaziele deutlich ambitionierter formuliert werden. Denn: Je empfindlicher das Klima auf Treibhausgase reagiert, desto weniger Spielraum bleibt, um gefährliche Kipppunkte zu vermeiden - etwa das Abschmelzen großer Eismassen oder die Destabilisierung von Wettersystemen. "Um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen, müssen die Emissionen schneller und stärker sinken als bisher geplant", warnt das Forschungsteam.
Die Ergebnisse entziehen jenen die Grundlage, die bislang auf optimistische Modellrechnungen verwiesen hatten. Doch ob aus dieser Erkenntnis auch politisches Handeln folgt, bleibt offen. Zwar unterstreicht die Studie die Dringlichkeit zusätzlicher Maßnahmen - dass diese jedoch auf breiter Ebene und mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden, ist derzeit kaum abzusehen.
Siehe auch:
Genau hingeschaut: blauäugige Modelle entlarvt
Aktuell gibt es weltweit kein größer angelegtes Klimamodell-Projekt als CMIP - das Coupled Model Intercomparison Project. Die jüngste Phase, CMIP6, vereint die Klimamodelle von mehr als 30 führenden Forschungsinstituten, darunter NASA, das Max-Planck-Institut, das britische Met Office oder das japanische MIROC-Konsortium. Ziel ist es, die langfristige Entwicklung des Erdklimas unter verschiedenen Treibhausgasszenarien vergleichbar zu simulieren - mit einheitlichen Standards und weltweit nutzbaren Daten.Die CMIP6-Modelle bilden damit die wissenschaftliche Grundlage vieler internationaler Klimaprognosen, etwa in den Berichten des Weltklimarats IPCC. Sie berechnen, wie stark sich die Temperatur, Wolken, Eisbedeckung und Strahlungsflüsse verändern, wenn der CO₂-Ausstoß weiter steigt. In der aktuellen Studie des Center for International Climate Research (CICERO) wurden 37 dieser Klimamodelle mit realen Beobachtungsdaten abgeglichen.
Modelle mit milder Prognose weichen klar ab
Dabei fällt deutlich auf: Modelle, die nur eine moderate Erwärmung prognostizieren, weichen am stärksten von den real gemessenen Entwicklungen ab und lassen sich nicht mit den physikalischen Messwerten seit Beginn der 2000er Jahre in Einklang bringen. Wichtig für die Analyse war vorwiegend das NASA-Satelliteninstrument CERES. Das misst seit 1998 kontinuierlich, wie viel Sonnenstrahlung die Erde aufnimmt und wie viel Wärme sie wieder abstrahlt - ein zentraler Indikator für den Zustand des globalen Energiehaushalts.Das Ergebnis ist eindeutig: Modelle, die nur eine schwache Erwärmung prognostizieren, unterschätzen systematisch die gemessene Zunahme an absorbierter Sonnenenergie und Wärmerückstrahlung. Vor allem die Veränderungen in der Wolkenbildung und der Eisreflexion - zwei wichtige Verstärker des Treibhauseffekts - sind in diesen Modellen zu schwach ausgeprägt.
"Unsere Analyse zeigt, dass Modelle mit geringer Erwärmung nicht zu den beobachteten Strahlungsveränderungen passen", sagt Studienleiter Gunnar Myhre. "Wenn wir das ernst nehmen, bedeutet das auch: Die Gefahr einer stärkeren Erwärmung ist real."
Realitätsnahe Modelle zeigen deutlichere Erwärmung
Nur Modelle, die bei einer Verdopplung des CO₂-Gehalts eine stärkere Temperaturzunahme vorhersagen, stimmen mit den Satellitendaten überein. Besonders Modelle unterhalb einer angenommenen Erwärmung von 2,5 Grad weichen so stark ab, dass sie laut Studie nicht länger als realistisch gelten können (darunter etwa GISS-E2-1-G, MIROC6 und INM-CM5-0). Damit stützt die Analyse auch die Einschätzung des Weltklimarats IPCC, der den wahrscheinlichsten Wert für die langfristige Klimaerwärmung bereits 2021 bei rund 3 Grad angesetzt hatte.Sollte sich die stärkere Erwärmung bewahrheiten, müssten internationale Klimaziele deutlich ambitionierter formuliert werden. Denn: Je empfindlicher das Klima auf Treibhausgase reagiert, desto weniger Spielraum bleibt, um gefährliche Kipppunkte zu vermeiden - etwa das Abschmelzen großer Eismassen oder die Destabilisierung von Wettersystemen. "Um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen, müssen die Emissionen schneller und stärker sinken als bisher geplant", warnt das Forschungsteam.
Die Ergebnisse entziehen jenen die Grundlage, die bislang auf optimistische Modellrechnungen verwiesen hatten. Doch ob aus dieser Erkenntnis auch politisches Handeln folgt, bleibt offen. Zwar unterstreicht die Studie die Dringlichkeit zusätzlicher Maßnahmen - dass diese jedoch auf breiter Ebene und mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden, ist derzeit kaum abzusehen.
Was ist das CMIP?
Das Coupled Model Intercomparison Project (CMIP) ist eine internationale Initiative zur Koordinierung und Verbesserung von Klimamodellierungen. Es bietet einen standardisierten Rahmen, in dem verschiedene Forschungsgruppen weltweit ihre Klimamodelle unter gleichen Bedingungen testen können.
Seit seiner Gründung 1995 hat das CMIP maßgeblich dazu beigetragen, unser Verständnis des Klimawandels zu verbessern und bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Berichte des Weltklimarats (IPCC). Die aktuellste Version ist CMIP6, während CMIP7 sich in der Planungsphase befindet.
Seit seiner Gründung 1995 hat das CMIP maßgeblich dazu beigetragen, unser Verständnis des Klimawandels zu verbessern und bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Berichte des Weltklimarats (IPCC). Die aktuellste Version ist CMIP6, während CMIP7 sich in der Planungsphase befindet.
Warum ist CMIP so wichtig?
CMIP spielt eine entscheidende Rolle für die globale Klimaforschung, da es erstmals ermöglicht, verschiedene Klimamodelle direkt miteinander zu vergleichen. Durch die standardisierten Experimente können Wissenschaftler die Stärken und Schwächen einzelner Modelle identifizieren und so die Zuverlässigkeit von Klimaprognosen verbessern.
Die aus CMIP gewonnenen Erkenntnisse bilden das wissenschaftliche Fundament für internationale Klimaabkommen und politische Entscheidungen. Ohne diese koordinierte Forschung wären präzise Vorhersagen über künftige Klimaveränderungen kaum möglich.
Die aus CMIP gewonnenen Erkenntnisse bilden das wissenschaftliche Fundament für internationale Klimaabkommen und politische Entscheidungen. Ohne diese koordinierte Forschung wären präzise Vorhersagen über künftige Klimaveränderungen kaum möglich.
Wie funktionieren Klimamodelle?
Klimamodelle sind komplexe Computerprogramme, die physikalische Prozesse in Atmosphäre, Ozeanen, Landflächen und Eisschilden simulieren. Sie basieren auf mathematischen Gleichungen, die grundlegende physikalische Prinzipien wie Energieerhaltung und Strömungsdynamik beschreiben.
Diese Modelle teilen die Erde in ein dreidimensionales Gitter aus Zellen ein und berechnen für jede Zelle, wie sich Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und andere Klimavariablen entwickeln. Je feiner das Gitter, desto genauer, aber auch rechenintensiver wird die Simulation.
Diese Modelle teilen die Erde in ein dreidimensionales Gitter aus Zellen ein und berechnen für jede Zelle, wie sich Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und andere Klimavariablen entwickeln. Je feiner das Gitter, desto genauer, aber auch rechenintensiver wird die Simulation.
Was ist neu bei CMIP6?
CMIP6 brachte bedeutende Verbesserungen gegenüber früheren Versionen. Es umfasst mehr als 100 Modelle von über 40 Forschungsgruppen weltweit und bietet eine höhere räumliche Auflösung sowie verbesserte Darstellungen von Wolken, Aerosolen und biogeochemischen Kreisläufen.
Eine wichtige Neuerung ist die modulare Struktur mit einem Kern-Experiment und mehr als 20 spezialisierten Teilprojekten zu Themen wie Geoengineering, Klimasensitivität oder Extremwetterereignissen. Diese erlaubt eine gezieltere Erforschung spezifischer Aspekte des Klimawandels.
Eine wichtige Neuerung ist die modulare Struktur mit einem Kern-Experiment und mehr als 20 spezialisierten Teilprojekten zu Themen wie Geoengineering, Klimasensitivität oder Extremwetterereignissen. Diese erlaubt eine gezieltere Erforschung spezifischer Aspekte des Klimawandels.
Wie genau sind Klimaprognosen?
Die Genauigkeit von Klimaprognosen hat sich dank CMIP kontinuierlich verbessert. Vergleiche mit historischen Daten zeigen, dass moderne Modelle die großräumigen Klimamuster und langfristigen Trends zuverlässig abbilden können. Bei regionalen Vorhersagen und kurzfristigen Schwankungen bestehen jedoch noch Unsicherheiten.
Laut Experten sind die grundlegenden Projektionen zur globalen Erwärmung robust, während Aussagen zu lokalen Auswirkungen wie Niederschlagsmustern oder Extremwetterereignissen mit größeren Unsicherheiten behaftet sind. CMIP hilft, diese Unsicherheiten systematisch zu quantifizieren und zu reduzieren.
Laut Experten sind die grundlegenden Projektionen zur globalen Erwärmung robust, während Aussagen zu lokalen Auswirkungen wie Niederschlagsmustern oder Extremwetterereignissen mit größeren Unsicherheiten behaftet sind. CMIP hilft, diese Unsicherheiten systematisch zu quantifizieren und zu reduzieren.
Wer nutzt die CMIP-Daten?
Die CMIP-Daten werden von einer breiten Gemeinschaft genutzt: Klimaforscher analysieren sie, um grundlegende Klimaprozesse besser zu verstehen, während der Weltklimarat (IPCC) sie für seine Sachstandsberichte heranzieht. Nationale Wetterdienste und Umweltbehörden verwenden sie für langfristige Planungen.
Zunehmend greifen auch Wirtschaftssektoren wie Landwirtschaft, Versicherungen und Energieunternehmen auf CMIP-Daten zurück, um Klimarisiken abzuschätzen. Stadtplaner nutzen die Informationen für klimaangepasste Infrastrukturprojekte und Katastrophenschutzpläne.
Zunehmend greifen auch Wirtschaftssektoren wie Landwirtschaft, Versicherungen und Energieunternehmen auf CMIP-Daten zurück, um Klimarisiken abzuschätzen. Stadtplaner nutzen die Informationen für klimaangepasste Infrastrukturprojekte und Katastrophenschutzpläne.
Was ist für CMIP7 geplant?
Für CMIP7 sollen laut Planungsdokumenten die räumliche Auflösung der Modelle weiter erhöht und die Darstellung von Schlüsselprozessen wie Wolkenbildung verbessert werden. Ein besonderer Fokus soll auf der besseren Integration von Erdsystemkomponenten wie Kohlenstoffkreisläufen und Eisschilddynamik liegen.
Es wird berichtet, dass CMIP7 stärker auf praxisrelevante Fragestellungen ausgerichtet sein soll, etwa zur Erreichbarkeit der Pariser Klimaziele oder zu regionalen Anpassungsstrategien. Auch soll die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der enormen Datenmengen verbessert werden.
Es wird berichtet, dass CMIP7 stärker auf praxisrelevante Fragestellungen ausgerichtet sein soll, etwa zur Erreichbarkeit der Pariser Klimaziele oder zu regionalen Anpassungsstrategien. Auch soll die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der enormen Datenmengen verbessert werden.
Gibt es Kritik am CMIP?
Kritiker bemängeln den enormen Rechenaufwand der CMIP-Experimente, der kleineren Forschungseinrichtungen die Teilnahme erschwert und zu einem Übergewicht wohlhabender Nationen führt. Auch wird diskutiert, ob die zunehmende Komplexität der Modelle tatsächlich zu genaueren Prognosen führt.
Einige Wissenschaftler argumentieren zudem, dass trotz der Fortschritte bestimmte Prozesse wie Wolkenbildung oder Rückkopplungseffekte noch immer unzureichend modelliert werden. Die CMIP-Gemeinschaft arbeitet kontinuierlich daran, diese Kritikpunkte in künftigen Projektphasen zu adressieren.
Einige Wissenschaftler argumentieren zudem, dass trotz der Fortschritte bestimmte Prozesse wie Wolkenbildung oder Rückkopplungseffekte noch immer unzureichend modelliert werden. Die CMIP-Gemeinschaft arbeitet kontinuierlich daran, diese Kritikpunkte in künftigen Projektphasen zu adressieren.
Zusammenfassung
- Neue Studie entlarvt konservative Klimamodelle mit Satellitendaten
- CMIP6-Modelle mit schwacher Erwärmungsprognose weichen stark von Messwerten ab
- NASA-Satelliteninstrument CERES liefert seit 1998 entscheidende Messdaten
- Modelle mit Erwärmung unter 2,5 Grad können nicht mehr als realistisch gelten
- Klimaerwärmung liegt laut IPCC wahrscheinlich bei rund 3 Grad
- Für Einhaltung des 2-Grad-Ziels müssen Emissionen noch schneller und stärker sinken
Siehe auch:
- Klimacode entschlüsselt: Wenn Pinguine koten, wird die Antarktis kühler
- Bill Gates im Rücken: UK-Firma verspricht Klimaanlagen-Revolution
- Klima hat Klasse: Reichsten 10 % verursachen 65 % der Erwärmung
- Geoengineering: Klima retten mit Diamanten für fast 200 Billionen Dollar
- Neue Daten: Weltklimarat könnte bei Prognosen weit daneben liegen
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