Klima hat Klasse: Reichsten 10 % verursachen 65 % der Erwärmung
Eine neue Modellstudie zeigt: Die einkommensstärksten 10 % der Weltbevölkerung haben seit 1990 rund 65 % der globalen Erwärmung verursacht - ein Ergebnis, das auf der gezielten Auswertung von Emissionsdaten nach Einkommensgruppen basiert.
Das Forschungsteam nutzte ein Modell, das wirtschaftliche Daten - etwa Konsumverhalten, Energieverbrauch und Investitionen - mit physikalischen Klimasimulationen verknüpft. So konnte abgeschätzt werden, welchen Anteil einzelne soziale Gruppen zur beobachteten Erwärmung beigetragen haben. Insgesamt gehen rund 65 % der globalen Erwärmung zwischen 1990 und 2020 auf das Konto der reichsten 10 %.
Besonders stark fällt der Einfluss des global reichsten 1 % aus: Deren Emissionen tragen 26-mal mehr zur Zunahme seltener Hitzerekorde bei als der weltweite Durchschnitt. Auch das reichste Zehntel liegt mit einem 7,3-fach höheren Beitrag deutlich über dem Durchschnitt.
Die Studie untersucht nicht einzelne Wetterereignisse, sondern errechnet, wie stark die Emissionen bestimmter Einkommensgruppen die Wahrscheinlichkeit von extremen Klimaereignissen insgesamt erhöhen. Besonders betroffen sind dabei Regionen mit traditionell geringen eigenen Emissionen - etwa Länder im Globalen Süden, die trotzdem die Folgen überdurchschnittlich stark zu spüren bekommen.
Reine Rechenspiele aber interessant: Hätte sich die gesamte Weltbevölkerung seit 1990 so emissionsarm verhalten wie die ärmsten 50%, wäre die zusätzliche Erwärmung in diesem Zeitraum laut Modell nahezu ausgeblieben. Besonders ausgeprägt sind die modellierten Auswirkungen der wohlhabendsten Bevölkerungsgruppen in den USA und China, deren Emissionen eine zwei- bis dreifach stärkere Wirkung auf Hitzeextreme in empfindlichen Regionen haben.
Die Studie wurde in Nature veröffentlicht und stammt vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) mit Sitz in Österreich. Das IIASA ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das sich auf globale Systemanalysen spezialisiert hat. Es verknüpft naturwissenschaftliche Modelle mit sozioökonomischen Daten und erstellt wissenschaftliche Grundlagen für internationale Klimapolitik.
Die Autoren betonen, dass nicht nur individueller Konsum, sondern vor allem auch Kapitalanlagen in emissionsintensiven Branchen erheblich zur Erwärmung beitragen. Sie plädieren für gezielte politische Maßnahmen, die sich an tatsächlichen Emissionsbeiträgen orientieren - etwa über Investitionsregulierung oder einkommensbezogene Klimaabgaben.
Wichtige Aussagen aus der Studie
Siehe auch:
Studie enthüllt: Wer heizt den Planeten wirklich auf?
Wie die globale Klimakrise gelöst werden kann, wird weltweit diskutiert - ob durch Technologiewechsel, Verhaltensänderung oder politische Rahmenbedingungen. Bei den Lösungsansätzen herrscht oft Uneinigkeit, doch bei der Ursachenforschung zeichnet sich ein klareres Bild ab: Ein großer Teil der Verantwortung liegt bei einer vergleichsweise kleinen Bevölkerungsgruppe mit hohem Einkommen und hohem Verbrauch. Eine neue Studie untersucht nun detailliert, wie sich diese Ungleichheit auf die Erwärmung seit 1990 ausgewirkt hat.Das Forschungsteam nutzte ein Modell, das wirtschaftliche Daten - etwa Konsumverhalten, Energieverbrauch und Investitionen - mit physikalischen Klimasimulationen verknüpft. So konnte abgeschätzt werden, welchen Anteil einzelne soziale Gruppen zur beobachteten Erwärmung beigetragen haben. Insgesamt gehen rund 65 % der globalen Erwärmung zwischen 1990 und 2020 auf das Konto der reichsten 10 %.
Besonders stark fällt der Einfluss des global reichsten 1 % aus: Deren Emissionen tragen 26-mal mehr zur Zunahme seltener Hitzerekorde bei als der weltweite Durchschnitt. Auch das reichste Zehntel liegt mit einem 7,3-fach höheren Beitrag deutlich über dem Durchschnitt.
Die Studie untersucht nicht einzelne Wetterereignisse, sondern errechnet, wie stark die Emissionen bestimmter Einkommensgruppen die Wahrscheinlichkeit von extremen Klimaereignissen insgesamt erhöhen. Besonders betroffen sind dabei Regionen mit traditionell geringen eigenen Emissionen - etwa Länder im Globalen Süden, die trotzdem die Folgen überdurchschnittlich stark zu spüren bekommen.
Reine Rechenspiele aber interessant: Hätte sich die gesamte Weltbevölkerung seit 1990 so emissionsarm verhalten wie die ärmsten 50%, wäre die zusätzliche Erwärmung in diesem Zeitraum laut Modell nahezu ausgeblieben. Besonders ausgeprägt sind die modellierten Auswirkungen der wohlhabendsten Bevölkerungsgruppen in den USA und China, deren Emissionen eine zwei- bis dreifach stärkere Wirkung auf Hitzeextreme in empfindlichen Regionen haben.
Die Studie wurde in Nature veröffentlicht und stammt vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) mit Sitz in Österreich. Das IIASA ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das sich auf globale Systemanalysen spezialisiert hat. Es verknüpft naturwissenschaftliche Modelle mit sozioökonomischen Daten und erstellt wissenschaftliche Grundlagen für internationale Klimapolitik.
Wer sind die reichsten 10 % überhaupt?
Ein häufiges Missverständnis: Das "reichste Zehntel" umfasst nicht nur Superreiche. Nach global vergleichbaren, kaufkraftbereinigten Maßstäben (z.B. World Inequality Database, Oxfam, World Bank) zählen bereits Einzelpersonen mit einem Jahreseinkommen von etwa 35.000 bis 40.000 US-Dollar pro Kopf dazu. Zum Vergleich: Das reichste 1 % beginnt global gesehen je nach Berechnung bei rund 100.000 US-Dollar Jahreseinkommen pro Kopf und umfasst dann vor allem Spitzenverdiener und Vermögende.Die Autoren betonen, dass nicht nur individueller Konsum, sondern vor allem auch Kapitalanlagen in emissionsintensiven Branchen erheblich zur Erwärmung beitragen. Sie plädieren für gezielte politische Maßnahmen, die sich an tatsächlichen Emissionsbeiträgen orientieren - etwa über Investitionsregulierung oder einkommensbezogene Klimaabgaben.
Wichtige Aussagen aus der Studie
- Absolute Erwärmungsanteile
- Die globale Durchschnittstemperatur ist von 1990 bis 2020 um 0,61 °C gestiegen. Davon entfallen:
- 0,40 °C (65 %) auf die reichsten 10 % - bei 6,5-fachem Pro-Kopf-Ausstoß
- 0,12 °C (20 %) auf das reichste 1 % - bei 20-fachem Pro-Kopf-Ausstoß
- 0,05 °C (8 %) auf das oberste 0,1 % - bei 76-fachem Pro-Kopf-Ausstoß
- 0,01 °C (~2 %) auf die ärmsten 50 %
- Was wäre, wenn alle so lebten wie...
- Hätte die Weltbevölkerung seit 1990 wie das ärmste 50%-Segment emittiert, wäre die zusätzliche Erwärmung nahezu null.
- Bei einem Lebensstil wie der reichsten Gruppen wäre der Temperaturanstieg heute:
- 2,9 °C (Top 10%)
- 6,7 °C (Top 1%)
- 12,2 °C (Top 0,1 %)
- Keine direkte Schuldzuweisung für einzelne Extremereignisse
- Die Studie zeigt keine Kausalbeziehungen zu einzelnen Extremwetterereignissen. Stattdessen werden Wahrscheinlichkeiten berechnet: Wie oft ein extremes Ereignis heute zusätzlich auftritt - bezogen auf Emissionen einzelner Gruppen.
Zusammenfassung
- Reichsten 10 % für 66 % der globalen Erwärmung seit 1990 verantwortlich
- Emissionen des reichsten 1 % erhöhen Hitzerekorde 26-mal mehr als Durchschnitt
- Hätten alle wie ärmste 50 % emittiert, wäre kaum zusätzliche Erwärmung erfolgt
- Studie verknüpft wirtschaftliche Daten mit physikalischen Klimasimulationen
- Auch oberer Mittelstand zählt global zum einkommensstärksten Zehntel
- Kapitalanlagen in emissionsintensive Branchen tragen erheblich zur Erwärmung bei
- Autoren fordern gezielte Maßnahmen basierend auf tatsächlichen Emissionsbeiträgen
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