Unsichtbares Gift im Trinkwasser:
Hoffnungsträger rostiges Eisenpulver
Sie stecken in Pfannen, Teppichen und Verpackungen - und breiten sich unbemerkt in Böden, Pflanzen und Trinkwasser aus. PFOS sind überall und schädlich. Doch eine unscheinbare graue Substanz könnte helfen, sie aus dem Wasser zu holen: Eisenpulver.
Heute weiß man: Sie reichern sich im Körper an, können das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen und gelten als schädlich für Leber und Immunabwehr. Und: Weil sie in der Umwelt kaum zerfallen, gelangen sie zunehmend auch ins Trinkwasser.
Geeignete Filtermaterialien werden deshalb dringend gebraucht. In den meisten Anlagen kommt Aktivkohle zum Einsatz. Ihre poröse Struktur bindet PFOS über Adsorption - ein physikalischer Prozess, bei dem Moleküle an Oberflächen haften. Doch eine neue Studie legt nahe, dass es viel bessere Alternativen gibt, die selbst die Forscher überrascht haben.
Fakten: PFOS
Am Stevens Institute of Technology testete ein Forschungsteam mikroskaliges Eisen (mZVI), ein feinkörniges Pulver, das in der industriellen Wasseraufbereitung bereits bekannt ist. Der Vergleich mit bisherigen Verfahren fiel sehr deutlich aus: Pro Oberflächeneinheit war Eisenpulver 26-mal effektiver bei der PFOS-Entfernung als Aktivkohle.
Die Studie wurde im Fachjournal Environmental Science & Technology veröffentlicht. Für das Team ist sie erst der Anfang: Der unerwartete Rosteffekt soll nun systematisch erforscht werden - als Grundlage für robuste Filtersysteme im großtechnischen Maßstab.
Siehe auch:
Eisenpulver entfernt PFAS: 26-mal wirksamer als Kohle
PFOS - Perfluoroctansulfonate - gehören zur Gruppe der PFAS, synthetischer Industriechemikalien mit extremer Beständigkeit - deshalb auch "Ewigkeitschemikalien oder "forever chemicals" genannt. Lange Zeit standen ihre praktischen Vorteile im Vordergrund: Sie schützen Oberflächen unter anderem vor Schmutz, Fett und Hitze.Heute weiß man: Sie reichern sich im Körper an, können das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen und gelten als schädlich für Leber und Immunabwehr. Und: Weil sie in der Umwelt kaum zerfallen, gelangen sie zunehmend auch ins Trinkwasser.
Geeignete Filtermaterialien werden deshalb dringend gebraucht. In den meisten Anlagen kommt Aktivkohle zum Einsatz. Ihre poröse Struktur bindet PFOS über Adsorption - ein physikalischer Prozess, bei dem Moleküle an Oberflächen haften. Doch eine neue Studie legt nahe, dass es viel bessere Alternativen gibt, die selbst die Forscher überrascht haben.
Fakten: PFOS
- PFOS: Bestandteil der PFAS-Gruppe ("forever chemicals")
- Verwendung: Beschichtungen, Verpackungen, Löschschaum für Flughäfen
- Gefahren: Langzeitbelastung, toxisch, nicht abbaubar
Am Stevens Institute of Technology testete ein Forschungsteam mikroskaliges Eisen (mZVI), ein feinkörniges Pulver, das in der industriellen Wasseraufbereitung bereits bekannt ist. Der Vergleich mit bisherigen Verfahren fiel sehr deutlich aus: Pro Oberflächeneinheit war Eisenpulver 26-mal effektiver bei der PFOS-Entfernung als Aktivkohle.
Auch rostig wirksam
Noch bemerkenswerter: Selbst verrostetes Eisen blieb aktiv. Üblicherweise gilt die Annahme, dass Oxidation die Reaktivität mindert. Doch in diesem Fall zeigte sich, dass die gebildete Eisenoxidschicht die Adsorptionsleistung kaum beeinträchtigt. "Die Oberfläche ist (...) bedeckt, aber immer noch sehr aktiv", so Xiaoguang Meng, einer der Projektleiter.Die Studie wurde im Fachjournal Environmental Science & Technology veröffentlicht. Für das Team ist sie erst der Anfang: Der unerwartete Rosteffekt soll nun systematisch erforscht werden - als Grundlage für robuste Filtersysteme im großtechnischen Maßstab.
Was sind PFAS eigentlich?
Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind eine Gruppe von über 10.000 künstlich hergestellten Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren produziert werden. Sie zeichnen sich durch extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aus und werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften geschätzt.
Diese "Ewigkeitschemikalien" bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab und reichern sich im Boden, Wasser, in Tieren und Menschen an. Sie werden für zahlreiche industrielle Prozesse und Alltagsprodukte verwendet, wobei PFOA und PFOS zu den bekanntesten Vertretern zählen.
Diese "Ewigkeitschemikalien" bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab und reichern sich im Boden, Wasser, in Tieren und Menschen an. Sie werden für zahlreiche industrielle Prozesse und Alltagsprodukte verwendet, wobei PFOA und PFOS zu den bekanntesten Vertretern zählen.
Wo lauern PFAS im Alltag?
PFAS verstecken sich in zahlreichen Alltagsprodukten: in Antihaftbeschichtungen von Pfannen und Backformen, in wasserabweisender Outdoorkleidung, in fettabweisenden Lebensmittelverpackungen wie Pizza- und Pommes-Kartons sowie in Teppichen und Polstermöbeln mit Fleckenschutz.
Leider müssen Hersteller PFAS nicht kennzeichnen, was die Identifizierung erschwert. Hinweise wie "fett-/wasserabweisend", "fleckgeschützt" oder "antihaftbeschichtet" können auf PFAS-Verwendung hindeuten. Auch in Kosmetikprodukten können sie vorkommen, erkennbar an Inhaltsstoffen mit "Fluor" im Namen.
Leider müssen Hersteller PFAS nicht kennzeichnen, was die Identifizierung erschwert. Hinweise wie "fett-/wasserabweisend", "fleckgeschützt" oder "antihaftbeschichtet" können auf PFAS-Verwendung hindeuten. Auch in Kosmetikprodukten können sie vorkommen, erkennbar an Inhaltsstoffen mit "Fluor" im Namen.
Wie gelangen PFAS in unseren Körper?
Der Hauptaufnahmeweg von PFAS erfolgt über die Nahrung und das Trinkwasser, die durch Umweltkontaminationen belastet sein können. Besonders tierische Produkte wie Fisch und Fleisch sowie deren Innereien können erhöhte PFAS-Konzentrationen aufweisen.
Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung spielen auch Hausstaub, Innenraumluft und der direkte Kontakt mit PFAS-haltigen Produkten eine Rolle. Besonders besorgniserregend: Ungeborene nehmen PFAS über die Plazenta auf, Säuglinge über die Muttermilch - so sind selbst die Jüngsten bereits belastet.
Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung spielen auch Hausstaub, Innenraumluft und der direkte Kontakt mit PFAS-haltigen Produkten eine Rolle. Besonders besorgniserregend: Ungeborene nehmen PFAS über die Plazenta auf, Säuglinge über die Muttermilch - so sind selbst die Jüngsten bereits belastet.
Welche Gesundheitsrisiken bestehen?
PFAS stehen im Verdacht, eine Reihe ernster Gesundheitsprobleme zu verursachen. Wissenschaftliche Studien deuten auf eine verminderte Antikörperbildung nach Impfungen, erhöhte Cholesterinwerte und ein höheres Risiko für Schilddrüsenerkrankungen hin.
Besonders beunruhigend ist, dass PFOA inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend für Menschen eingestuft wurde, während PFOS als möglicherweise krebserregend gilt. Zudem werden Zusammenhänge mit Fruchtbarkeitsstörungen, Leberschäden und einem erhöhten Diabetesrisiko vermutet.
Besonders beunruhigend ist, dass PFOA inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend für Menschen eingestuft wurde, während PFOS als möglicherweise krebserregend gilt. Zudem werden Zusammenhänge mit Fruchtbarkeitsstörungen, Leberschäden und einem erhöhten Diabetesrisiko vermutet.
Wie lange bleiben PFAS im Körper?
PFAS sind extrem langlebig und werden nur sehr langsam aus dem Körper ausgeschieden. Besonders langkettige PFAS wie PFOA und PFOS können jahrelang im menschlichen Organismus verbleiben - die Halbwertszeit beträgt bei manchen Verbindungen mehrere Jahre.
Anders als viele andere Schadstoffe reichern sich PFAS nicht im Fettgewebe an, sondern binden an Proteine und sammeln sich in Organen wie der Leber sowie im Blut. Diese Persistenz erklärt, warum selbst bei einem Expositionsstopp die Belastung nur langsam abnimmt.
Anders als viele andere Schadstoffe reichern sich PFAS nicht im Fettgewebe an, sondern binden an Proteine und sammeln sich in Organen wie der Leber sowie im Blut. Diese Persistenz erklärt, warum selbst bei einem Expositionsstopp die Belastung nur langsam abnimmt.
Wie kann ich PFAS-Belastung reduzieren?
Zur Reduzierung der PFAS-Exposition empfiehlt es sich, auf Antihaftpfannen zu verzichten und stattdessen Alternativen aus Edelstahl, Gusseisen oder Keramik zu nutzen. Lassen Sie beschichtete Pfannen niemals leer überhitzen, da sich bei Temperaturen über 360 °C giftige Dämpfe bilden können.
Vermeiden Sie stark imprägnierte Outdoorkleidung oder wählen Sie explizit als "PFAS-frei" oder "PFC-frei" gekennzeichnete Produkte. Reduzieren Sie den Verzehr von Innereien, besonders von Wildtieren. Für Lebensmittelverpackungen bevorzugen Sie unbehandeltes Papier oder Glas statt beschichteter Materialien.
Vermeiden Sie stark imprägnierte Outdoorkleidung oder wählen Sie explizit als "PFAS-frei" oder "PFC-frei" gekennzeichnete Produkte. Reduzieren Sie den Verzehr von Innereien, besonders von Wildtieren. Für Lebensmittelverpackungen bevorzugen Sie unbehandeltes Papier oder Glas statt beschichteter Materialien.
Wird es ein PFAS-Verbot geben?
Ein umfassendes PFAS-Verbot in der EU ist in Vorbereitung. Im Februar 2023 wurde ein gemeinsamer Beschränkungsvorschlag von fünf europäischen Staaten bei der Europäischen Chemikalienagentur eingereicht, der alle PFAS-Verwendungen regeln soll.
Nach EU-Verordnung vom September 2024 werden PFAS ab Oktober 2026 in vielen Alltagsprodukten wie Textilien, Leder, Schuhen, Papieren und Kosmetika verboten. Für Feuerlöschschäume gilt das Verbot bereits ab April 2026. Für bestimmte kritische Anwendungen, etwa im medizinischen Bereich, soll es jedoch Ausnahmen geben.
Nach EU-Verordnung vom September 2024 werden PFAS ab Oktober 2026 in vielen Alltagsprodukten wie Textilien, Leder, Schuhen, Papieren und Kosmetika verboten. Für Feuerlöschschäume gilt das Verbot bereits ab April 2026. Für bestimmte kritische Anwendungen, etwa im medizinischen Bereich, soll es jedoch Ausnahmen geben.
Ist mein Trinkwasser PFAS-belastet?
Eine flächendeckende PFAS-Kontrolle des Trinkwassers erfolgt derzeit bisher nicht systematisch, ab 2026 werden jedoch verbindliche Grenzwerte und Untersuchungspflichten in der EU eingeführt. Nach bisherigen Stichproben scheint die Belastung in Deutschland unterschiedlich ausgeprägt.
In einer Analyse von 2023 waren in über der Hälfte der Trinkwasserproben keine PFAS nachweisbar. PFAS können weder gesehen noch geschmeckt werden, daher bieten einige Labore spezielle Untersuchungen an. Bei Bedenken können Sie sich an Ihr lokales Wasserversorgungsunternehmen oder Gesundheitsamt wenden.
In einer Analyse von 2023 waren in über der Hälfte der Trinkwasserproben keine PFAS nachweisbar. PFAS können weder gesehen noch geschmeckt werden, daher bieten einige Labore spezielle Untersuchungen an. Bei Bedenken können Sie sich an Ihr lokales Wasserversorgungsunternehmen oder Gesundheitsamt wenden.
Zusammenfassung
- PFOS sind gefährliche, synthetische Chemikalien in Alltagsgegenständen
- Als 'forever Chemicals' reichern sie sich im Körper an und sind gesundheitsschädlich
- Sie gelangen zunehmend ins Trinkwasser und sind kaum abbaubar
- Mikroskaliges Eisenpulver filtert PFOS 26-mal effektiver als Aktivkohle
- Überraschenderweise bleibt selbst verrostetes Eisen bei der PFOS-Entfernung aktiv
- Studie soll Grundlage für großtechnische Filtersysteme schaffen
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