NASA-Paradox: Wiederverwendbare Raketen, aber explodierende Kosten

Die NASA zahlt trotz wiederverwendbarer Raketen und häufigerer Starts immer mehr für ihre Weltraummissionen. Eine neue Studie zeigt: Die Startkosten steigen jährlich um fast 3 Prozent - entgegen aller Erwartungen, dass die Privatisierung und SpaceX' Innovationen die Preise senken würden.
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Paradox der Raumfahrtkosten

Die NASA steht vor einem überraschenden Problem: Obwohl wiederverwendbare Raketen zum Einsatz kommen und mehr Flüge als je zuvor stattfinden, zahlt die US-Raumfahrtbehörde immer höhere Preise für ihre Missionen ins All. Eine demnächst in der Fachzeitschrift Acta Astronautica erscheinende Studie von Moon J. Kim, einem Analysten der NASA, kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die inflationsbereinigten Startkosten zwischen 1996 und 2024 jährlich um durchschnittlich 2,82 Prozent gestiegen sind.

Diese Entwicklung widerspricht der weitverbreiteten Annahme, dass die Privatisierung der Raumfahrtindustrie und besonders der Eintritt von SpaceX mit seinen wiederverwendbaren Raketen zu einer Kostensenkung führen würden. Tatsächlich zeigt die Analyse, dass selbst nach SpaceX' Aufstellung als NASA-Dienstleister im Jahr 2016 keine signifikante Trendwende bei den Startkosten zu beobachten war.


Konkurrenz um begrenzte Startkapazitäten

Ein Hauptgrund für die steigenden Kosten liegt in der hohen Nachfrage nach Startdiensten. Die NASA ist längst nicht mehr der Hauptkunde der Raketenunternehmen. SpaceX beispielsweise führt inzwischen etwa 70 Prozent seiner Starts für das eigene Starlink-Satellitennetzwerk oder für Starshield-Raumfahrzeuge durch, eine militärische Version der Starlink-Plattform für die US-Regierung.

Auch das US-Militär hat seine Weltraumaktivitäten deutlich ausgeweitet und ist zu einem wichtigen Kunden für SpaceX geworden. "Die NASA ist einer von vielen Kunden, die um einen Platz im Startplan von SpaceX konkurrieren", berichtet Ars Technica. Das Pentagon wird in Kürze zum größten Auftraggeber für SpaceX-Starts, was die Verhandlungsposition der NASA weiter schwächt.

Die Preisentwicklung im Detail

Ein Blick auf die konkreten Zahlen zeigt das Ausmaß der Preissteigerungen. In den späten 1990er Jahren zahlte die NASA umgerechnet etwa 86 bis 96 Millionen Dollar (etwa 76 bis 85 Millionen Euro) für Starts mit der Delta-II-Rakete. Nach der Gründung der United Launch Alliance (ULA) durch die Fusion der Atlas- und Delta-Raketenprogramme von Lockheed Martin und Boeing stiegen die Preise deutlich an - auf 220 bis 250 Millionen Dollar (etwa 194 bis 220 Millionen Euro) für Atlas-V-Starts.

SpaceX bot mit seiner Falcon 9 zunächst günstigere Alternativen an, doch auch hier ist ein Preisanstieg zu beobachten. Während die NASA für frühe Falcon-9-Starts etwa 114 Millionen Dollar (etwa 100 Millionen Euro) zahlte, liegen die aktuellen Preise für zukünftige Missionen durchschnittlich bei 103 Millionen Dollar (etwa 91 Millionen Euro). SpaceX selbst hat den Listenpreis für dedizierte Falcon-9-Starts von 62 auf mittlerweile 70 Millionen Dollar (etwa 62 Millionen Euro) erhöht und nennt dafür die Inflation als Grund.

Ausblick: Warten auf die nächste Generation

Laut dem Analysten Caleb Henry von Quilty Space betragen die internen Kosten für SpaceX pro Falcon-9-Start mittlerweile weniger als 20 Millionen Dollar (etwa 18 Millionen Euro) - wahrscheinlich sogar nur etwa 15 Millionen Dollar (etwa 13 Millionen Euro). Dies deutet auf eine erhebliche Gewinnspanne hin, selbst wenn die Preise für Regierungskunden aufgrund besonderer Anforderungen und Prioritäten höher liegen.

Die NASA könnte auf Preissenkungen hoffen, wenn neue Wettbewerber wie ULAs Vulcan-Rakete und Blue Origins New Glenn den Markt beleben. Doch zeigen die Daten von US-Militäraufträgen, dass die durchschnittlichen Preise zuletzt bei 214 Millionen Dollar (etwa 189 Millionen Euro) für ULA und 121 Millionen Dollar (etwa 107 Millionen Euro) für SpaceX liegen - keine Anzeichen für sinkende Trends.

Was haltet ihr von dieser überraschenden Kostenentwicklung? Sollte die NASA eigene Raketen entwickeln oder auf mehr Wettbewerb im kommerziellen Sektor setzen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • NASA zahlt trotz wiederverwendbarer Raketen mehr für Weltraummissionen
  • Inflationsbereinigte Startkosten stiegen jährlich um 2,82 Prozent
  • SpaceX' Eintritt brachte keine signifikante Kostensenkung für die NASA
  • Hohe Nachfrage nach Startdiensten treibt die Preise in die Höhe
  • NASA konkurriert mit anderen Kunden um Plätze im SpaceX-Startplan
  • Falcon-9-Starts kosten die NASA aktuell etwa 103 Millionen Dollar
  • Neue Wettbewerber zeigen bisher keine Anzeichen für sinkende Preise

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Bresser National Geographic
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