Advancing AI-Event: AMD holt zum umfassenden KI-Gegenschlag aus

AMD hat lange Zeit seine Konkurrenten Intel und Nvidia gehörig unter Druck setzen können, in den vergangenen Jahren und Monaten hat sich das Blatt aber gewendet, vor allem aufgrund des KI-Booms. AMD hofft nun per Advancing AI-Event, dass ein Gegenschlag gelingt.
Amd, Lisa Su, Advancing AI

"Unser Mitbewerber" ist stiller Gast

Nvidia im Nacken: So kann man AMDs aktuelle Situation wohl am besten zusammenfassen. Das kann man vor Ort in San Francisco auch nicht von der Hand weisen und daran sind AMD-Manager und Entwickler durchaus auch selbst schuld. Denn Nvidia wird nicht namentlich genannt, und wenn dann allenfalls unabsichtlich. Denn der Star des aktuellen KI-Booms wird stets nur als "unser Konkurrent" bezeichnet. Das ist zwar sicherlich im Sinne der Unternehmens-PR, die Häufigkeit, mit der diese Formulierung fällt, lenkt die Aufmerksamkeit eher zusätzlich darauf.

"Ganzheitlicher" KI-Ansatz

Ähnliches trifft auch auf direkte Vergleiche mit Nvidia zu, denn der GPU- und KI-Spezialist wird im Hinblick auf Spezifikationen tendenziell gemieden. AMD zieht - teilweise auch, weil man noch keinen Zugang zu den aktuellen Nvidia-Halbleitern hat - selten direkte Vergleiche. Denn es ist auch klar, dass man so manchen Rückstand nicht über Nacht aufholen kann.


AMD versucht deshalb in gewisser Weise auch, aus der Not eine Tugend zu machen. Denn man positioniert seine Lösungen "ganzheitlich". Das betrifft einerseits die Hardware, da AMD immer wieder betont, dass zu einer erfolgreichen KI-Strategie bzw. Umsetzung auch eine gut funktionierende CPU- und Netzwerkinfrastruktur gehört und nicht nur die GPUs bzw. KI-Chips. Man erwähnt hier auch immer wieder, dass Front- und Backend zusammenspielen müssen. CEO Lisa Su fasste das auf der Keynote kurz zusammen: "Es geht um ein offenes und umfassendes KI-Ökosystem." AMD Advancing AIAMD-Chefin Lisa Su auf dem Advancing AI-Event in San Francisco

Ryzen, Epyc, Instinct und mehr

Das ist der Grund, warum man nicht nur die neuesten Ryzen-KI-CPUs vorgestellt hat, sondern auch die Datencenter-GPUs AMD Instinct, die für Server und Embedded-Systeme gedachten Epyc-Prozessoren und auch Netzwerk-Lösungen, die vereinfacht erklärt eine verbesserte Verteilung der im Zusammenhang mit KI anfallenden Datenströme zum Ziel haben.

Ryzen AI 300 Pro

Die für den (Unternehmens-)Endkunden sicherlich interessanteste Kategorie sind aber natürlich die neuesten Ryzen AI 300 Pro-CPUs. Die Prozessoren dieser Serie der dritten Generation verfügen über die neue AMD Zen 5-Architektur (4 Nanometer-Prozess) und laut Angaben des Unternehmens bietet das Spitzenmodell Ryzen AI 9 HX Pro 375 im Vergleich zu Intels Core Ultra 7 165U eine bis zu 40 Prozent höhere Leistung und eine bis zu 14 Prozent schnellere Produktivitätsleistung. Dazu kommt die auf XDNA 2-Architektur basierende NPU, von der vor allem Copilot+ profitieren soll.

Die Chip-Serie positioniert AMD vor allem im Enterprise-Segment, was den Hintergrund hat, dass die Hardware von Otto-Normal-Nutzern für KI-Anwendungen in der Regel ausreicht, vor allem auch deshalb, weil die meiste Arbeit ohnehin von der Cloud gestemmt wird. In Unternehmen hingegen, wo man andere Bedürfnisse bezüglich Sicherheit hat, will man aber in der Regel, dass ein wesentlicher Teil - auch große KI-Modelle - möglichst lokal durchgeführt wird. AMD Advancing AIMicrosoft-CEO Satya Nadella war per Video 'zugeschaltet' Jason Banta, AMDs Corporate Vice President Computing and Graphics, verwies im Presse-Briefing beispielsweise auf Echtzeit-Übersetzung als "echte Transformation" sowie Verbesserungen im Umgang mit Audio, etwa bei Meetings. Dazu kommen diverse Assistenzfunktionen und auch der Einsatz von Bots. Das alles ermögliche es laut Banta "Content in Echtzeit" umzusetzen, "ohne in die Cloud gehen zu müssen und alles lokal durchzuführen."

Wichtigster Partner ist Microsoft

Eine zentrale Rolle spielt hier auch Microsoft, denn AMD widmete sich intensiv der Zusammenarbeit mit Microsoft: Die AI Pro 300-Serie wurde entsprechend Hand in Hand mit dem Redmonder Konzern entwickelt, damit diese Prozessoren in Copilot+-Anwendungen zum Einsatz kommen. Das stellt auch die ersten Copilot+-Laptops dar, die speziell für den Enterprise-Einsatz entwickelt wurden. Banta: "Microsoft hat zuletzt (auf der IFA) viele Zusatzfunktionen für Copilot angekündigt und AMD hat diese bereits in einem frühen Zeitpunkt mitgestaltet und mitentwickelt."

Von Microsoft gab es natürlich das branchenübliche partnerschaftliche Lob: "Funktionen wie die verbesserte Windows-Suche, Recall und Click to Do machen PCs intuitiver und reaktionsschneller. Sicherheitsverbesserungen wie der Microsoft Pluton-Sicherheitsprozessor und die erweiterte Anmeldesicherheit von Windows Hello tragen dazu bei, Kundendaten mit fortschrittlichem Schutz zu sichern", so Pavan Davuluri, Corporate Vice President, Windows+ Devices bei Microsoft.
AMD Advancing AIRyzen AI 300 Pro
Dabei strich AMD zahlreiche Eigenheiten der Reihe hervor, darunter eine Akku­lauf­zeit der Laptops von satten 23 Stunden (wenngleich man hier mit technischen Details eher sparsam umging), dazu kommt eine Laufzeit von neun Stunden mit Microsoft Teams.

Genaueres liegt aber natürlich in den Händen der OEMs selbst. Diese werden zu Weihnachten die ersten Modelle auf den Markt bringen, den Anfang machen Laptops, im nächsten Jahr sollen dann auch Desktop-Systeme folgen. Laut AMD soll die Zahl der verfügbaren AI-Pro-Systeme im Verlauf des nächsten Jahres auf mehr als 100 Enterprise-Plattformen anwachsen. Als Hardware-Partner hatten HP und Lenovo entsprechende Auftritte, als Geräte wurden das HP EliteBook X Next-Gen AI PC sowie Lenovos ThinkPad T14s Gen 6 AMD erwähnt bzw. vorgestellt.

Modell Kerne
Threads
Max Boost Cache NPU Grafik
AMD Ryzen AI 9 HX Pro 375 12 Kerne
24 Threads
5,1 GHz 36 MB 55 TOPS Radeon 890M
AMD Ryzen AI 9 HX Pro 370 12 Kerne
24 Threads
5,1 GHz 36 MB 50 TOPS Radeon 890M
AMD Ryzen AI 7 Pro 360 8 Kerne
16 Threads
5,0 GHz 24 MB 50 TOPS Radeon 880M

Zusammenfassung
  • AMD steht im KI-Bereich unter Druck durch Nvidia
  • Event "Advancing AI" soll AMDs Position stärken
  • Neue Ryzen AI 300 Pro-CPUs mit AMD Zen 5-Architektur vorgestellt
  • Partnerschaft mit Microsoft für Copilot+-Anwendungen betont
  • Erste Copilot+-Laptops speziell für den Enterprise-Einsatz geplant
  • AMD hebt ganzheitliche KI-Lösungen hervor, inklusive CPUs und Netzwerkinfrastruktur
  • Erste Modelle der neuen Hardware sollen zu Weihnachten erscheinen

Siehe auch:


AMDs Aktienkurs
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