CrowdStrike vs. ClownStrike:
Wenn Satire zur Copyright-Farce wird

Die CrowdStrike-Panne, die kürzlich für einen Ausfall zahl­reicher Systeme gesorgt hatte, war für Betroffene nicht lustig. Es dauerte nicht lange, bis sich damit jemand einen Spaß erlaubte, darunter die Seite ClownStrike. Doch nicht alle hielten sie für witzig.

Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen

Der Ausfall zahlreicher Rechner Mitte Juli hat für Flugverspätungen gesorgt und auch Probleme in Krankenhäusern und Banken zur Folge gehabt. Von den meisten Unternehmen konnten die betroffenen Rechner zwar verhältnismäßig schnell wiederherstellt werden (eine Ausnahme war Delta Air Lines), der Schaden war aber dennoch groß, vor allem finanziell.

Doch wie es so schön heißt, muss der, der den Schaden hat, nicht für den Spott sorgen. Und so war es auch bei CrowdStrike: Denn das Sicherheitsunternehmen aus Texas wurde recht bald nach dem Bekanntwerden der Probleme mit einem Satire-Account mit dem Namen ClownStrike "geehrt". Dieser sammelte auf einer Seite diverse Scherze und Videos zu diesem Thema und wäre wohl auch schnell wieder in Vergessenheit geraten - wenn CrowdStrike ihn nicht entdeckt und beschlossen hätte, dass man ClownStrike ein Streisand-Effekt-"Geschenk" macht.


Denn die Anwälte von CrowdStrike verschickten gegen die Parodieseite einen Takedown nach dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) und wollten diese damit aus dem Netz drängen. Wie der für die Seite verantwortliche IT-Berater David Senk gegenüber Ars Technica sagte, fragte er sich von Anfang an, ob denn CrowdStrike derzeit nicht Besseres zu tun habe, als gegen eine Satireseite vorzugehen - noch dazu auf eine Art, die ganz offensichtlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Denn obwohl Senk anfangs ein originales Logo des Sicherheitsanbieters verwendet hatte, so ist das im Rahmen einer Satire zulässig, da es sich um "Fair Use" handelt.

"Ich habe die Seite anfangs nur aus Spaß eingerichtet", sagt Senk, der meint, dass das eben "Old School" sei und er schon immer Paro­die­seiten geliebt habe. Senk legte bei Cloud­flare sofort Einspruch ein, doch dieser blieb ungehört und Senk war gezwungen, zu einem anderen Hoster zu wechseln. Das hat bei Senk den Kampf­geist geweckt, weil er nun über­zeugt ist, dass der DMCA zu unter­nehmens­freund­lich sei, "wie so vieles in der US-amerikanischen Gesetz­gebung".

"Schutz vor Phishing"

CrowdStrike verwies in einem späteren Statement darauf, dass das "Teil unserer proaktiven Betrugsmanagement-Aktivitäten" sei und meint, dass diese Maßnahmen ergriffen worden seien, "um Kunden und die Branche vor Phishing-Seiten und bösartigen Aktivitäten zu schützen". Senk sieht das natürlich fundamental anders und bezeichnete die Antwort von CrowdStrike als "typischen Unternehmens-Bullshit", der "keinerlei Verantwortung" übernehme. Immerhin: ClownStrike darf sich jetzt über zahlreiche Berichte freuen - und CrowdStrike über den Streisand-Effekt.

Zusammenfassung
  • CrowdStrike-Panne verursachte Systemausfälle und Flugverspätungen
  • ClownStrike-Seite entstand als Satire auf die Panne
  • CrowdStrike versuchte, ClownStrike per DMCA-Takedown zu entfernen
  • IT-Berater David Senk verteidigte die Nutzung des Logos als "Fair Use"
  • Senk musste wegen DMCA zu einem anderen Hoster wechseln
  • CrowdStrike rechtfertigte den Takedown als Betrugsprävention
  • ClownStrike gewann durch den Streisand-Effekt an Bekanntheit

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!