IRIS²: Habeck fordert Stopp und Neustart des EU-Starlink-Konkurrenten

Europa will auch bei der Datenkommunikation per Satellit nicht von US-Anbietern wie Starlink abhängig sein und plant mit IRIS² ein eigenes Netzwerk. Der deutsche Bundeswirtschaftsminister stellt sich nun aber gegen das Projekt - aus Kostengründen.
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Kosten laufen aus dem Ruder

Wie das Handelsblatt berichtet, hat sich Robert Habeck in einem Brief an EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton über die hohen Kosten des Satellitensystems beklagt. Denn inzwischen wird mit einem Preis von an die 12 Milliarden Euro gerechnet. Das sind schon 40 Prozent mehr, als ursprünglich einmal geplant waren.

Dabei sind noch keine größeren Schritte in der Umsetzung erfolgt. Es muss - wie in vielen anderen Fällen - also damit gerechnet werden, dass die Kosten noch weiter steigen. Daher hat Habeck schon vor einigen Wochen gefordert, das ganze Vorhaben faktisch zu stoppen und noch einmal unter neuen Gesichtspunkten von vorn zu beginnen.


"Es geht um zu viel, um hastig Entscheidungen mit hohem Risiko und massiven negativen Konsequenzen für Iris2 und das EU-Raumfahrtprogramm zu fällen", zitiert das Handelsblatt das Schreiben vom März, das der Redaktion allerdings erst jetzt zufiel. In der EU-Kommission soll der Brief aufgrund seines "erstaunlich direkten" Tons für Empörung gesorgt haben. Für den Geschmack der Diplomaten in Brüssel hat der deutsche Minister wohl zu klare Worte gewählt.

Wenig deutsche Beteiligung

Wie aus dem Wirtschaftsministerium zu erfahren war, gehe es Habeck allerdings nicht darum, das Satellitennetz zu verhindern. Deutschland stehe durchaus hinter einem entsprechenden Vorhaben, das vor allem auch vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine vorangetrieben wurde. Man will hier vor allem für europäische Behörden und andere staatliche Einrichtungen ein Kommunikationsnetz haben, das auch dann noch funktioniert, wenn insbesondere der Mobilfunk von Außen lahmgelegt wird.

Allerdings sieht es Habeck offenbar als problematisch an, wenn hier wieder ein staatliches Projekt angeschoben wird, in das am Ende immer mehr Geld gesteckt werden muss, das dann anderen Stellen fehlt. Ebenso wichtig dürfte dem deutschen Minister aber auch das Problem sein, dass die durchaus erfahrene deutsche Raumfahrtindustrie aktuell nur marginal an dem Projekt beteiligt ist.

Zusammenfassung
  • Europa plant eigenes Satellitennetz IRIS² gegen US-Dominanz
  • Habeck kritisiert hohe Kosten von 12 Milliarden Euro
  • Ursprüngliche Kostenprognosen um 40 Prozent überschritten
  • Deutscher Minister fordert Neubewertung des Projekts
  • Direkter Ton in Habecks Brief sorgt in EU-Kommission für Empörung
  • Deutschland unterstützt grundsätzlich ein eigenes Netzwerk
  • Habeck besorgt über fehlende Beteiligung der deutschen Raumfahrtindustrie

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