Saubermann-Image adé: Tech-Konzerne lassen Kohlekraftwerke leben

Die großen Tech-Konzerne haben sich über viele Jahre hinweg immer gern damit geschmückt, dass sie Datenzentren zunehmend mit Strom aus erneuerbaren Quellen betreiben. Allerdings zeigt sich aktuell, dass dies keineswegs aus einer Verantwortung für die Umwelt heraus kam.
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Bedarf steigt viel zu schnell

Vielmehr kam hier die Tatsache zum Tragen, dass der Strom aus Solar- und Windkraftwerken billiger war, als der Einkauf von Energie-Kontingenten bei konventionellen Kraftwerken. Wenn der Energiebedarf an einem günstigen Standort nun aber schneller steigt, als die Erneuerbaren abdecken können, deckt man den Mehrbedarf ohne zu zögern wieder aus alten, dreckigen Kohlemeilern ab.

Laut eines Berichtes der US-Tageszeitung Washington Post liegt das Problem aktuell im US-Bundesstaat Virginia. Dieser grenzt direkt an die Region der Bundeshauptstadt Washington, D.C. und versucht sich ein Image zu geben, mit dem man unter den Augen der Weltöffentlichkeit, die stets auf der Gegend ruhen, glänzen kann. In Virginia gibt es bereits keine fossilen Kraftwerke mehr, dafür machen inzwischen rund 300 Datenzentren einen signifikanten Anteil an der Wirtschaft aus.


Der Strombedarf dieser Anlagen ist aufgrund des immer weiter steigenden Rechenbedarfs durch Cloud- und KI-Anwendungen rasant angestiegen. Die Stromversorger ziehen daher nun neue Hochspannungstrassen durch das benachbarte West-Virginia, um den Hightech-Hub mit ausreichend Strom versorgen zu können.

Ungleiche Entwicklung

In dem Nachbarstaat müssen außerdem veraltete Kohlekraftwerke weiterbetrieben werden. Diese sollten eigentlich schon abgebaut werden - angesichts des immer weitergehenden Ausbaus der Datenzentren bleibt den Stromanbietern aber kaum eine andere Wahl, als dort weiterhin große Mengen Kohle zu verfeuern. Abgesehen von den damit verbundenen Auswirkungen auf die weitere Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre, müssen auch die Menschen in der Umgebung dieser Anlagen weiter mit den von ihnen ausgehenden Verschmutzungen leben.

Und die Entwicklung wird keineswegs langsamer: Allein schon Amazon Web Services will 35 Milliarden Dollar in den Ausbau von Datenzentren stecken, was den Strombedarf entsprechend nach oben treiben wird. Die lokalen Kommunen, in denen die Rechenfabriken stehen, nehmen diese gern an - denn sie bringen hohe Steuereinnahmen und belasten die unmittelbare Umgebung kaum. Zu leiden haben eher die Menschen, die in einiger Entfernung damit leben müssen, dass die Kohlekraftwerke in ihrer Nachbarschaft immer weiter am Netz bleiben.

Zusammenfassung
  • In Virginia decken 300 Datenzentren einen großen Wirtschaftsanteil
  • Strombedarf in Virginia steigt durch Cloud- und KI-Anwendungen
  • Neue Hochspannungstrassen in West-Virginia für Stromversorgung nötig
  • Veraltete Kohlekraftwerke müssen weiterlaufen
  • Amazon plant massive Investitionen in Datenzentren
  • Lokale Kommunen profitieren von Steuereinnahmen der Datenzentren

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