Gran Turismo-Film: Harsche Kritik an Instrumentalisierung eines Todes

Die Woche kommt der Gran Turismo-Film in die Kinos und dieser basiert auf wahren Ereignissen - so jedenfalls die Macher. Denn wegen deren (Un-)Genauigkeit gibt es nun Kritik. Sony wird vorgeworfen, den Tod eines Motorsport-Zuschauers zu instrumentalisieren.

Von der Konsole ins Cockpit

Gran Turismo erzählt die an sich wahre Geschichte des Rennfahrers Jann Mardenborough. Dessen Karriere war vor allem aus einem Grund ungewöhnlich, denn sie begann vor einer PlayStation. Mardenborough war nämlich Teilnehmer der GT Academy. Das ist ein Programm von Nissan und Sony, bei dem Rennfahrer nicht auf der Rennstrecke, sondern via PlayStation entdeckt und gefördert werden sollen.

Das funktionierte auch, denn der britische Rennfahrer Jann Mardenborough schaffte den Weg von der Konsole ins Cockpit. Und dessen Geschichte erzählt der schlicht "Gran Turismo" betitelte Film, dessen Regie der südafrikanische Science-Fiction-Spezialist Neill Blomkamp übernommen hat.


Fiktion ist nun auch der Punkt, an dem sich heftige Kritik an Gran Turismo entzündet hat. Denn im März 2015 hat Mardenborough in einem Nissan GT-R Nismo einen spektakulären wie tragischen Unfall gehabt, bei dem ein Zuschauer getötet und weitere Personen verletzt wurden. Das Ganze ereignete sich auf der Nordschleife des Nürburgrings und ist ein zentraler Aspekt des Filmes.

Denn in der Verfilmung nimmt Mardenborough den Unfall zum Anlass, sich in Bezug auf seine Karriere zusammenzureißen, um wenig später den dritten Platz beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu belegen. Bloß: Das stimmt so nicht, denn beide Ereignisse hängen nicht zusammen. Mardenborough und sein Team belegten den dritten Platz in Le Mans nämlich bereits 2013, also rund zwei Jahre vor dem Unfall.

Nun sind Freiheiten in Drehbüchern alles andere als ungewöhnlich, in diesem Fall gibt es aber dennoch viel Kritik und das wohl auch durchaus zurecht. Denn der tödliche Unfall wird hier für die Entwicklung des jungen Rennfahrers instrumentalisiert, so der Vorwurf (via VGC). Der britische Evening Standard meint etwa, dass sich Sony schämen sollte: "Die Behauptung, der Vorfall habe Jann zu seiner Größe verholfen, ist nicht nur falsch, sondern verwerflich." Auch Polygon sowie andere Medien halten diese Darstellung für geschmacklos.

Zusammenfassung
  • Gran Turismo erzählt wahre Geschichte von Jann Mardenborough.
  • Sony wird vorgeworfen, den Tod eines Zuschauers zu instrumentalisieren.
  • Kritik an Verbindung von Unfall und Erfolg von Mardenborough.
  • Mehrere Medien halten die Darstellung für geschmacklos.

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