Elon Musk vollzieht Twitter-Übernahme - und entlässt die Chefs

Der Unternehmer Elon Musk hat nun endlich Tatsachen geschaffen und die Übernahme des Social Media-Dienstes Twitter offiziell vollzogen. Kurz nach dem Kauf der Aktienmehrheit soll der neue Eigentümer direkt eine Reihe Top-Manager entlassen haben. Musk verkündete den Abschluss der 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme über seinen eigenen Twitter-Feed: "Der Vogel ist befreit", schrieb er unter Bezug auf das Twitter-Logo. Zuvor hatte er allerdings über längere Zeit versucht, aus dem bereits abgeschlossenen Vertrag zur Übernahme wieder herauszukommen. Es zeichnete sich aber ab, dass dies mit enormen Kosten verbunden gewesen wäre und die Twitter-Aktionäre wollten das Geschäft auch gerichtlich durchsetzen. Mit dem Ablauf der Fristen schuf Musk nun letztlich doch außergerichtlich Tatsachen und vollzog seine vertraglichen Pflichten.


Als eine der ersten Maßnahmen als neuer Besitzer des Konzerns entließ Musk die meisten Mitglieder des Vorstands. Zu den Abgängen gehören Parag Agrawal, der bisherige Chef, Vijaya Gadde, Leiter der Rechtsabteilung, Finanzchef Ned Segal und Chefsyndikus Sean Edgett, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg berichten.

Die bisherigen Aktionäre erhalten 54,20 Dollar pro Aktie und Twitter wird nun als privates Unternehmen geführt und damit nicht weiterhin an der Börse gelistet. Schon heute ist das Unternehmen aus dem Handel genommen. Ferner dürften in den kommenden Tagen und Wochen auch einige weitere Änderungen vorgenommen werden. So sind bereits Massenentlassungen im Gespräch und andere Schritte werden wohl auch die Nutzer der Plattform direkt betreffen.

Folgen für die Nutzer

Musk hatte bereits angekündigt, die "freie Meinungsäußerung" wieder sicherstellen zu wollen. Liest man hier zwischen den Zeilen, geht es allerdings nicht um das, was viele Menschen oder gar die europäische und deutsche Rechtslage unter dem Thema verstehen. Zu befürchten ist vor allem, dass die seit Jahren mühsam erkämpften Moderations-Standards weitgehend wegfallen werden. Der neue Eigner hatte bereits angekündigt, einige hochkarätige Accounts wiederherzustellen, die wegen massiver Regelverstöße von Twitter ausgeschlossen wurden - darunter das des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Wenn Musk seinen von vielen erwarteten Kurs durchzieht, dürfte es schnell in Märkten außerhalb der USA zu Konflikten mit dem Gesetz kommen. Denn in vielen Ländern herrschen andere Vorstellungen von Meinungsfreiheit. Hierzulande sind davon etwa wirklich nur Meinungen abgedeckt, während die Menschenwürde über allem steht und persönliche Attacken und Mobbing entsprechend nicht dazugehören. Inzwischen existieren auch die rechtlichen Grundlagen, mit denen dies gegenüber Plattformen wie Twitter durchgesetzt werden kann.

Siehe auch:

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