"Aus Langeweile":
Hausfrau fälschte hunderte Wikipedia-Einträge

Eine Frau aus China hat für den wohl größten Fälschungsskandal auf der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia gesorgt, denn sie hat schier unzählige manipulierte und erfundene Artikel erstellt. Der Grund dafür: Sie war mit viel Aufwand in einer Nische der Geschichte tätig.
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Mehr als 200 Einträge hat eine Frau namens Zhemao auf der chinesischen Version von Wikipedia veröffentlicht. Der Grund dafür, dass das so lange unentdeckt bleiben konnte, war, dass es sich um eine Kategorie handelte, die wohl nur wenige Experten hat, nämlich die russische Geschichte des Mittelalters.

Wie Vice berichtet (via derStandard), gab sich die Frau als Wissenschaftlerin aus und verbrachte Jahre, gefälschte und schlicht ausgedachte Artikel zu erstellen. Sie erfand Staaten, Schlachten und Aristokraten und erschuf damit einen der größten und umfangreichsten Hoaxes, den es je auf Wikipedia gegeben hat.


Per Zufall aufgeflogen

Die Sache ist auch nur durch einen Zufall aufgeflogen: Denn eine chinesische Autorin namens Yifan war auf der Suche nach neuem Stoff für einen Roman und entdeckt eine Geschichte, die überaus interessant klang, nämlich eine Silbermine, in der Sklaven und andere mehrere Jahrhunderte für Wohlstand in der Region sorgten. Der Wikipedia-Eintrag hatte sogar Details zur Bodenbeschaffenheit zu bieten.

Die Frau ging bei ihren Fakes mehr als geschickt vor, da die Einträge durchaus auch Wahrheit enthielten. "Die von ihr verfassten Inhalte waren von hoher Qualität und die Einträge waren miteinander verbunden, so dass ein System entstand, das für sich allein bestehen kann", sagte der langjährige chinesische Wikipedia-Autor John Yip gegenüber Vice. "Zhemao hat im Alleingang eine neue Methode erfunden, um Wikipedia zu untergraben."

Yifan hat ihrerseits ihre Hausaufgaben gemacht und stieß dabei auf Ungereimtheiten, allen voran den Umstand, dass die Seiten und Bücher, aus denen die Wikipedia-Autorin zitiert hat, nicht existiert haben. Das rief später eine Reihe an Wikipedia-Freiwilligen wie John Yip auf den Plan, die begannen, die Einträge zu überprüfen. Dabei flog der Umfang auf und auch die Tatsache, dass einige Informationen es auch in die englische und russische Wikipedia schafften.

Zhemao gab an, selbst in Moskau studiert und einen russischen Ehemann zu haben - in Wirklichkeit ist sie eine Hausfrau, die weder Englisch noch Russisch spricht. In einem Entschuldigungsschreiben erläutert sie, dass der Schwindel mit einer harmlosen Absicht begonnen habe: Sie gab an, wissenschaftliche Arbeiten in deren Originalsprachen nicht vollständig verstanden und mit einem Übersetzungsprogramm gearbeitet zu haben. Die "Lücken" füllte sie dann mit ihrer eigenen Vorstellungskraft.

Das habe dann ein Eigenleben entwickelt, so Zhemao: "Wie das Sprichwort sagt: Um eine Lüge zu verteidigen, muss man mehr Lügen erzählen." Ihre Arbeit bestätigten dann imaginäre Freunde, die sie per "Cosplay" dargestellt hat. Dazu kam es, weil sie eigenen Angaben nach allein und gelangweilt war, da ihr Mann die meiste Zeit unterwegs war und sie keine Freunde hatte.
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