Lead Times: Hersteller müssen teilweise fast 2 Jahre auf Chips warten

Während manche Beobachter von einer leichten Entspannung im Chipmarkt sprechen, sind die Wartezeiten, die Elektronikhersteller auf die Verfügbarkeit bestimmter Chips warten müssen, zuletzt sogar noch weiter gestiegen. In manchen Fällen liegen diese sogenannten "Lead times" inzwischen bei fast zwei Jahren.
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Wie der japanische Wirtschaftsdienst Nikkei Asia berichtet, haben sich die "Lead Times", also die Zeiten, die zwischen der Bestellung von Chips und deren Lieferung durch die jeweiligen Hersteller vergehen, in den letzten Monaten weiter erhöht. In der Zeit seit Oktober 2021 wurden die Wartezeiten für Chips im Schnitt um fünf bis 15 Wochen länger, so der Bericht unter Berufung auf den Komponentendistributor Sourcengine.

Durchschnittliche Wartezeiten liegen häufig bei fast einem Jahr

Aktuell müssen die Abnehmer im Schnitt 44 Wochen auf 16-Bit-Prozessoren warten, ein Anstieg um 15 Wochen. Im Fall von Power-Management-ICs sind derzeit Wartezeiten von durchschnittlich 37 Wochen üblich, ein Plus von neun Wochen. Bestimmte andere Prozessoren sind sogar im Schnitt erst nach 99 Wochen lieferbar, hieß es weiter.

Neben einer extrem erhöhten Nachfrage in Folge der Coronavirus-Pandemie verursachen bestimmte Maßnahmen zu deren Befriedrigung ebenfalls für eine Verstärkung der Engpässe. So haben viele Hersteller begonnen, teurere, leistungsfähigere Chips in der Produktion zu priorisieren, so dass einfachere Chips, bei denen die Abnehmer oft zwischen mehreren Lieferanten wählen konnten, noch schlechter verfügbar sind.

Gleichzeitig steigen die Preise auf breiter Front. Nach Angaben der Marktbeobachter von Gartner wurden Chips im Schnitt allein innerhalb des letzten Jahres um rund 15 Prozent teurer. Um die Lage in den Griff zu bekommen, haben viele Gerätehersteller deshalb begonnen, größere Vorräte bestimmter Produkte anzulegen. Dies könnte die Nachfrage in der Zukunft negativ beeinflussen, sorgt aber auch dafür, dass die Abnehmer schon jetzt größere Stückzahlen einkaufen als eigentlich nötig, um so sicherzugehen, dass sie bei Problemen genügend Chips zur Verfügung haben.

Bei Herstellern wie Sony sind die Auswirkungen weiter enorm. Der japanische Elektronikriese musste zum Beispiel die Bestellungen für sechs seiner Mirrorless-Kameras stoppen und die Produktion im letzten Quartal des Jahres 2021 drei Mal stoppen. Sony konnte deshalb nicht so viele Kameras verkaufen wie erhofft und musste für das vierte Quartal 2021 einen Rückgang der Verkaufszahlen um vier Prozent vermelden.
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