CO2-Schwindel: IT-Branche verschweigt Hälfte ihrer Treibhausgase

Die Daten, die weltweit von großen Techkonzernen zum CO2-Ausstoß gemeldet werden und die tatsächlichen Emissionen passen nicht zusammen. Wie die TU München in einer neuen Studie aufzeigt, unterschlägt die Branche rund die Hälfte der Treibhausgase, die man verursacht.
Forschung, Wissenschaft, Klima, Science, Chemie, Co2, Kohlendioxid

Ein komplexes, einheitliches System, das Werte vergleichbar macht

In den letzten Jahren sind große IT-Unternehmen sehr bemüht darum zu betonen, dass man Treibhausgase reduzieren und entsprechend Rechenschaft in öffentlichen Berichten ablegen wolle. Doch kann die freiwillige Auskunft hier wirklich ein realistisches Bild der Emissionen zeichnen, die durch die IT-Branche verursacht wird? Hier will eine neue Studie der TU München ein vernichtendes Urteil fällen können: Bei den Unternehmensberichten aus dem Jahr 2019 wurden rund 50 Prozent der Gesamtemissionen unterschlagen. TU München: Studie zeigt fehlende Daten bei TreibhausgasenMicrosoft meldet ordentlich, SAP nur jede zehnte Tonne (Lena Klaaßen & Christian Stoll) Die Forscher stützen diese Aussage auf eine neu entwickelte Methodik, die erstmals alle wichtigen Emissions-Faktoren in der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und die Daten trotz verschiedener Melde-Standards weltweit miteinander vergleichbar macht. Das Ergebnis: "56 große Tech-Unternehmen haben 2019 insgesamt mehr als die Hälfte dieser Emissionen nicht veröffentlicht", so die TU München in ihrem Beitrag zur Vorstellung der Studie. Hatten diese Unternehmen insgesamt rund 360 Megatonnen CO2-Äquivalente gemeldet, entsprach die tatsächliche Menge des Ausstoßes laut der Studie rund 751 Megatonnen. "Die Differenz von 391 Megatonnen ist ähnlich groß wie der jährliche Treibhausgas-Ausstoß von Australien", so die Forscher zur Einordnung.

Sehr große Unterschiede

Eine differenzierte Betrachtung der Einzelunternehmen zeigt dabei aber sehr große Unterschiede. 43 Prozent der untersuchten Firmen beziehen in ihre Emissionsberichte nicht mit ein, wie viel CO2 bei der Nutzung ihrer Produkte freigesetzt wird. Bei 30 Prozent fehlt in den Berichten jegliche Berücksichtigung von eingekauften Waren und Dienstleistungen. Die Folge laut den Forschern: riesige Schwankungen in der Bilanzierungsqualität: "Die größte Diskrepanz zwischen den veröffentlichten und den in der Studie berechneten Emissionen betrug den Faktor 185, die kleinste Differenz lag bei 0,06 Prozent."

Im Bereich der Software-Hersteller nennen die Forscher als Negativ-Spitzenreiter in Sachen Falschmeldung SAP, das nach der Methodik nur jede zehnte Tonne verursachtes CO2 korrekt ausweist. Bei den Hardware-Herstellern sieht man bei Foxconn die größte Diskrepanz. Emittiert man laut Selbstauskunft 8,4 Megatonnen CO2-Äquivalent, sind es nach Berechnung der Forscher rund 85 Megatonnen.
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