Chip-Knappheit: Finanzexperten rechnen mit Problemen bis 2022

Unternehmen wie AMD oder Microsoft sagten vor wenigen Wochen, dass man bezüglich der Lieferengpässe und Chip-Knappheit im kommenden Sommer mit einer entspannteren Lage rechne. Prognosen mehrerer Fi­nanz­ex­per­ten geben dahingehend jedoch keinen Grund zur Hoffnung. Zur Zeit geben die großen Unternehmen der Branche in regelmäßigen Abständen Was­ser­stands­mel­dun­gen zur vorherrschenden Chip-Knappheit am Hardware-Markt ab, wobei mo­men­tan mit einer Entspannung der Lage im kommenden Sommer gerechnet wird. In einem aktuellen Artikel der Seite MarketWatch werden mehrere Finanzexperten zitiert, die al­ler­dings auch diese Prognose für äußerst unwahrscheinlich halten.

J.P. Morgan-Analyst Harlan Sur zufolge werde die knappe Verfügbarkeit noch mindestens das ganze Jahr anhalten: "Wir glauben, dass die Halbleiterhersteller 10 bis 30 Prozent unter dem aktuellen Nachfrageniveau liefern und es mindestens drei bis vier Quartale dauern wird, bis das Angebot mit der Nachfrage gleichzieht und dann weitere ein bis zwei Quartale, bis die La­ger­be­stän­de bei den Kunden/Vertriebskanälen wieder auf ein normales Niveau aufgefüllt sind."

Situation ähnlich wie 2018

Christopher Rolland, Analyst bei Susquehanna Financial, schlägt gegenüber MarketWatch in ei­ne ähnliche Kerbe. Allerdings erwartet er, dass die Chip-Knappheit im Frühjahr sogar noch schlim­mer werden wird. Die Vorlaufzeit, sprich der Zeitraum zwischen Bestellung und Aus­lie­fe­rung, hätte bereits einen kritischen Punkt er­reicht und befinde sich auf dem höchsten Stand seit dem Chip-Boom im Jahr 2018. Damals war der erste große Kryptomining-Hype auf seinem Höhepunkt und die Preise für Grafikkarten ex­plo­dier­ten förmlich.

Obwohl sich Politik und Industrie manche Kritik gefallen lassen müssen, kommt vor allem die Corona-Pandemie noch erschwerend hinzu. Lockdown, stillgelegte Fabriken und der auch durch das Home-Office begünstigte große Bedarf an PCs sind alles wichtige Faktoren. Eine gewichtige Rolle spielen - wie schon 2018 - allem Anschein nach erneut auch die Kryp­to­mi­ner, welche häufig eine Gaming-GPU als Krypto-Schürfwerkzeug verwenden.

Nvidia beispielsweise versucht dieser Dynamik entgegenzusteuern und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen will das Unternehmen im März einen speziell für das Mining konzipierten Chip veröffentlichen, zum anderen kündigte man an, dass die für Mi­ner ausschlaggebende Hash-Rate der RTX 3060 um rund 50 Prozent reduziert wird. Damit will man sicherstellen, dass Gaming-GPUs auch in den Händen von Spielern landen.

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