Samsung Electronics: Gericht schickt Top-Manager direkt in den Knast

Die andauernde Missachtung von Arbeitnehmer-Rechten bei Samsung Electronics hat jetzt auch mal für führende Manager gravierende Konsequenzen. Der amtierende Aufsichtsratschef muss in den Knast, diverse andere Manager wurden ebenfalls verurteilt.
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Ein Gericht in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entschied, dass der 64-jährige Lee Sang-hoon für 18 Monate hinter Gitter muss. Noch im Gerichtssaal wurde er festgesetzt und in eine Haftanstalt überstellt. In dem Verfahren ging es um Straftaten, die er im Zeitraum von 2012 bis 2017 begangen hatte, als er noch als Finanzchef für den Elektronikhersteller tätig war. Im März 2018 übernahm er dann den Chefposten im Aufsichtsrat.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lee und einige andere Manager die Ar­beits­ge­setz­ge­bung Süd­koreas massiv verletzt haben, berichtete das Wall Street Journal. Als Vertreter des Unternehmens hätten sie über Jahre hinweg aktiv an einer gewerkschaftlichen Organisierung von Beschäftigten im Kundenservice gearbeitet. Dabei nutzten sie die Möglichkeiten, die sich in ihren Positionen bot, um persönliche Profile von Mitarbeitern anzulegen, die Mitglied in der Gewerkschaft waren. Das schloss den Familienstand, die finanzielle Situation und auch Erkrankungen mit ein - zusammengetragen wurden also im Kern alle möglichen Informationen, die geeignet waren, Beschäftigte bei Bedarf unter Druck zu setzen.

Rundumschlag des Gerichtes

Welches Ausmaß dies angenommen haben muss, lässt das Urteil ein Stück weit erahnen. Immerhin ist Samsung der mächtigste Konzern in Südkorea und hat enormen Einfluss auf diverse Bereiche der Gesellschaft. Und wenn Top-Manager des Unternehmens aufgrund von Verstößen gegen das Arbeitsrecht sogar ins Gefängnis geschickt werden, muss sich so einiges angestaut haben.

Mit Lee zusammen standen 24 weitere Manager des Unternehmens vor Gericht. Auch diese wurden schuldig gesprochen und erhielten abgestufte, geringere Strafen. Samsung versucht die Geschichte in der offiziellen Kommunikation als Ausdruck einer inzwischen überwundenen Firmenkultur hinzustellen. Man habe verstanden, dass die Ansichten gegenüber Gewerkschaften in der Vergangenheit nicht mit dem gesellschaftlichen Status dieser Organisationen übereingestimmt hätten.

Siehe auch: Samsung entschädigt endlich die Familien der krebstoten Chip-Arbeiter
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