Fall Epstein: R. Stallman verstört mit Aussagen zu sexuellem Missbrauch

Richard Stallman, Ikone der Bewegung für freie Software, tätigt immer wieder Aussagen, die man als kontrovers bezeichnen kann. Meistens geht es dabei um Themen aus der Welt der Technik. Aktuell kommentierte er aber den Fall Epstein und verstörte mit seinen Aussagen. Der Multimillionär Jeffrey Epstein, der sich vor einigen Wochen in seiner Gefängniszelle das Leben nahm, steht im Fokus eines Falles, der nicht nur sexuellen Missbrauch zum Mittelpunkt hat, sondern auch die Vertuschung durch Epsteins einflussreiche Freunde und Geschäftspartner.

Zuletzt wurde bekannt, dass Epstein zahlreiche Wissenschafts- und Technologie-Einrichtungen mitfinanziert hat, darunter das renommierte MIT Media Lab. Die Gelder sind nach der ersten Verurteilung von Epstein im Jahr 2008 geflossen, die großzügigen Spenden gelten als ein Versuch Epsteins, seinen schwer angeschlagenen Ruf reinzuwaschen.
Richard StallmanRichard Stallman (2011)

Prostitutionsring

Vor kurzem kam jedoch heraus, dass Epstein einen Ring betrieben hat, bei dem es zum sexuellen Missbrauch von hunderten minderjährigen Mädchen gekommen sein soll. Eines der Opfer beschuldigte den 2015 verstorbenen MIT-Professor Marvin Minsky, mit Hilfe von Epstein zu Minsky gekommen und von ihm seinerzeit missbraucht worden zu sein.

Stallman hat sich nun in die Debatte eingeschaltet und das mit Aussagen, die man noch freundlich als kontrovers bezeichnen kann: Denn er versuchte Minsky, der als Pionier der KI-Forschung gilt, in einer Mail an die Mailingliste des MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (MIT CSAIL) zu verteidigen (via derStandard).

Dabei argumentierte Stallman, dass das Wort "sexual assault", also "sexueller Übergriff" ungerecht sei, da es so "vage" und "nicht greifbar" ist, dass die Anschuldigung sich inflationär steigert bzw. aufbaut. Das Wort "Assault" würde implizieren, dass Gewalt im Spiel gewesen sei, wovon in Artikeln zum Thema aber nichts erwähnt sei.

Das ist ein kontroverser, aber vielleicht sogar noch ansatzweise diskutierbarer Standpunkt. Danach argumentiert sich Stallman allerdings um Kopf und Kragen: Denn er meint, dass das "plausibelste Szenario" sei, dass das Opfer "vollständig willens" war.

Dabei verschweigt Stallman, dass solche Prostitutionsringe mit psychologischen Druck arbeiten, bei denen die Frage nach einer etwaigen Freiwilligkeit nicht zu beantworten ist. Zudem war das zum Zeitpunkt der Tat 17-jährige Opfer Virginia G. in einem Alter, wo angebliche Freiwilligkeit keine Rolle spielt, denn in den US Virgin Islands liegt das Schutzalter bei 18 Jahren.

Vergewaltigung eine Frage es Alters?

In den Mails, die man bei Vice nachlesen kann, will Stallman das aber nicht einsehen, für ihn ist es "moralisch absurd, Vergewaltigung so zu definieren, dass es darauf ankommt, dass das Opfer 17 oder 18 Jahre alt war. Sexueller Missbrauch von Jugendlichen wird im US-Strafrecht mit dem Begriff "Statutory Rape" beschrieben (und der Begriff der Freiwilligkeit ausgeklammert), indem eben das Wort Vergewaltigung vorkommt.

Wie anfangs erwähnt, ist Stallman schon mehrfach mit kontroversen Aussagen aufgefallen, auch und insbesondere zum Thema Sexualität. 2006 bezweifelte er, dass "freiwillige Pädophilie Kindern einen Schaden zufügt", 2013 wiederholte er diese Aussagen (via TNW).

Hinweis: Richard Stallman ist nicht wegen sexueller Delikte vorbestraft und es gibt auch keinerlei Hinweise, dass er diesbezüglich verdächtig wäre. Wir bitten deshalb, in den Kommentaren von diesbezüglichen Spekulationen abzusehen, da dies u. U. den Tatbestand der Verleumdung erfüllen würde. Entsprechende Kommentare werden von uns auch sofort gelöscht.
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