"Yes, we scan!":
Sprachpuristen vs. Blogger vs. Bild
Der Verein Deutsche Sprache (VDS), der sich die Pflege des Deutschen auf die Fahnen geschrieben hat und immer wieder gegen die Nutzung von Anglizismen wettert, setzte sich mit einer aktuellen Preisvergabe gleich mehrfach in die Nesseln.
Alle möglichen Interessensgruppen wählen nun, da das aktuelle Jahr zu Ende geht, irgendein Ding des Jahres. Der VDS prämiert im Zuge dessen, die beste Schlagzeile, die in den letzten Monaten in der deutschen Presselandschaft zu finden war. Unter dem Eindruck des seit Monaten andauernden Überwachungs-Skandals sprang die Jury des Vereins über ihren Schatten und wählte den wenig deutsch klingenden Slogan "Yes, we scan!" auf den Siegerplatz.
Diese Überschrift "erschien erstmals in der Bildzeitung vom 10. Juni und fand sich danach auch in vielen anderen Medien sowie auf Protestplakaten gegen die erstmals aufgedeckte US-amerikanische Medienschnüffelei", teilte der VDS hinsichtlich der Entscheidung mit.
Die Tatsache, dass ausgerechnet die Bild für diesen Slogan ausgezeichnet werden soll, erregte im Netz natürlich die Gemüter. Denn schon zwei Tage vor der Boulevard-Zeitung hatte der Blogger René Walter ihn in einem Poster mit dem US-Präsidenten Barack Obama verarbeitet und auf seinem Blog Nerdcore veröffentlicht. Aber auch Walter war nicht der Ursprung. Er selbst habe den Satz in den Kommentaren bei Netzpolitik.org gesehen, nachdem er aus den Foren von Spiegel Online dorthin gewandert war. Andere Recherchen verfolgten die Formulierung sogar bis ins Jahr 2009 zurück. Fest steht: Die Bild hat sich die Headline nicht selbst ausgedacht.
Kai Diekmann, der Chefredakteuer der Bild, hatte bereits im Juni auf Facebook eingestanden, dass die Schlagzeile ihren Ursprung nicht in seiner Redaktion hatte. Ein Sprecher des hinter der Zeitung stehenden Axel Springer-Verlages erklärte gegenüber dem Medienmagazin Meedia daher nun auch, dass man die Auszeichnung nicht annehmen werde. Somit dürfte das Unternehmen den Ball wieder geschickt an den VDS zurückgespielt haben, der nun mit einem englischen Satz und einem unwilligen Preisträger im Regen steht.
Um der nun eigentlich runden Geschichte einen letzten Schliff zu verpassen: Die Mitteilung über die Entscheidung der Jury hatte der VDS mit "Schlagzeile des Jahres - Doppelsieg für Bild" betitelt. Entsprechend freute sich Bild-Chef Diekmann: "Gewonnen haben wir den Preis 'Schlagzeile des Jahres' trotzdem." Rang 2 belegte seine Zeitung nämlich mit der Überschrift "Wir gegen uns!", die über einem Artikel zum Finale der Champions League stand, als Bayern München und Borussia Dortmund den Sieg in der höchsten europäischen Spielklasse unter sich ausmachen sollten.
Auch hier gingen natürlich die Recherchen los und schnell fanden Nutzer ein Buch gleichen Titels aus dem Jahr 2009. Diekmann konterte den Vorwurf, dass auch diese Schlagzeile gar nicht von der Bild stammt, mit einem Verweis auf deren Abdruck in der Boulevard-Zeitung im Jahr 1990. Denkbar allerdings, dass sich der zuständige Redakteur seinerzeit auch bei dem schon 1803 verstorbenen Friedrich Gottlieb Klopstock bediente.
Diese Überschrift "erschien erstmals in der Bildzeitung vom 10. Juni und fand sich danach auch in vielen anderen Medien sowie auf Protestplakaten gegen die erstmals aufgedeckte US-amerikanische Medienschnüffelei", teilte der VDS hinsichtlich der Entscheidung mit.
Die Tatsache, dass ausgerechnet die Bild für diesen Slogan ausgezeichnet werden soll, erregte im Netz natürlich die Gemüter. Denn schon zwei Tage vor der Boulevard-Zeitung hatte der Blogger René Walter ihn in einem Poster mit dem US-Präsidenten Barack Obama verarbeitet und auf seinem Blog Nerdcore veröffentlicht. Aber auch Walter war nicht der Ursprung. Er selbst habe den Satz in den Kommentaren bei Netzpolitik.org gesehen, nachdem er aus den Foren von Spiegel Online dorthin gewandert war. Andere Recherchen verfolgten die Formulierung sogar bis ins Jahr 2009 zurück. Fest steht: Die Bild hat sich die Headline nicht selbst ausgedacht.
Kai Diekmann, der Chefredakteuer der Bild, hatte bereits im Juni auf Facebook eingestanden, dass die Schlagzeile ihren Ursprung nicht in seiner Redaktion hatte. Ein Sprecher des hinter der Zeitung stehenden Axel Springer-Verlages erklärte gegenüber dem Medienmagazin Meedia daher nun auch, dass man die Auszeichnung nicht annehmen werde. Somit dürfte das Unternehmen den Ball wieder geschickt an den VDS zurückgespielt haben, der nun mit einem englischen Satz und einem unwilligen Preisträger im Regen steht.
Um der nun eigentlich runden Geschichte einen letzten Schliff zu verpassen: Die Mitteilung über die Entscheidung der Jury hatte der VDS mit "Schlagzeile des Jahres - Doppelsieg für Bild" betitelt. Entsprechend freute sich Bild-Chef Diekmann: "Gewonnen haben wir den Preis 'Schlagzeile des Jahres' trotzdem." Rang 2 belegte seine Zeitung nämlich mit der Überschrift "Wir gegen uns!", die über einem Artikel zum Finale der Champions League stand, als Bayern München und Borussia Dortmund den Sieg in der höchsten europäischen Spielklasse unter sich ausmachen sollten.
Auch hier gingen natürlich die Recherchen los und schnell fanden Nutzer ein Buch gleichen Titels aus dem Jahr 2009. Diekmann konterte den Vorwurf, dass auch diese Schlagzeile gar nicht von der Bild stammt, mit einem Verweis auf deren Abdruck in der Boulevard-Zeitung im Jahr 1990. Denkbar allerdings, dass sich der zuständige Redakteur seinerzeit auch bei dem schon 1803 verstorbenen Friedrich Gottlieb Klopstock bediente.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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