Facebook: Nutzer selbst an Datenschutz-Leck schuld

Selbst durchaus erfahrene Nutzer können beim Social Network Facebook ihre Daten nicht komplett unter Kontrolle behalten. Denn einige Probleme sind struktureller Natur - und die Be­treiber der Plattform weigern sich, dies anzuerkennen.
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Facebook
Aktuell berichtet das 'Wall Street Journal' über zwei Jugendliche, die gegen ihren Willen durch Facebook geoutet wurden. Beide hatten ihre Homosexualität - aus guten Gründen - bisher gegenüber ihren Eltern verschwiegen. Auch die Datenschutz-Einstellungen in dem Social Network konfigurierten sie sorgfältig so, dass Informationen über ihre Aktivitäten immer nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich waren.

Allerdings wurden sie letztlich unfreiwillig durch Dritte geoutet. Das Problem besteht hier darin, dass jeder Anwender seine Kontakte beliebig zu Gruppen hinzufügen kann und dies dann auf der Pinnwand des fraglichen Nutzer für jeden sichtbar angezeigt wird.

Der Nutzerin Bobbi Duncan, einer Studentin von der University of Texas, wurde dies zum Verhängnis. An ihrer Hochschule ist sie Mitglied des Queer Chorus, in dem sich homosexuelle Studenten zum Chor-Singen treffen. Die Leiterin des Chores hatte eine entsprechende Gruppe auf Facebook gegründet und die Mitglieder hinzugefügt. Auf diesem Weg erfuhr Duncans Vater, ein Mitglied einer konservativen Kirche, von ihrer sexuellen Orientierung. Wie sie berichtete, hinterließ dieser ihr daraufhin böse Kommentare auf dem Anrufbeantworter und drohte, sie aus der Familie auszuschließen.

Auf dem gleichen Weg wurde auch Taylor McCormick, ebenfalls ein Mitglied des Chores, gegenüber seinen Eltern und anderen Kontakten geoutet. Die Chor-Leiterin war sich nicht dessen bewusst, dass die Hinzufügung zu der Gruppe allen Kontakten mitgeteilt wird.

Bei Facebook will man sich aber nicht eingestehen, dass an dieser Stelle ein strukturelles Datenschutz-Problem besteht, sondern gibt letztlich den Nutzern der Plattform die Schuld für das Informationsleck. Unternehmenssprecher Andrew Noyes bedauerte zwar die Probleme, vor denen die beiden Nutzer nun stehen, zog aber nicht den Schluss, dass hier eine Änderung am System erfolgen müsste. "Ihre unglückliche Erfahrung erinnert uns daran, dass wir weiterhin daran arbeiten müssen, die Nutzer in der Verwendung der Privatsphäre-Einstellungen zu schulen", erklärte er lediglich. Jedes noch so gute Informationsangebot hätte Duncan und McCormick allerdings nicht geschützt.
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