Ex-HP-Manager: Das ist unternehmerischer Suizid

Die in der vorletzten Woche verkündete vollständige Neuausrichtung der Geschäftsstrategie des Computer-Konzerns Hewlett-Packard (HP) erregt weiterhin die Gemüter. Kenner des Unternehmens und auch Manager, denen die Umorientierung eigentlich zugute kommt, lassen kein gutes Haar am neuen Konzernchef Leo Apotheker.
Logo, Hp, Hewlett-Packard
Hewlett Packard
"Ich weiß nicht, ob es jemals so etwas wie unternehmerischen Selbstmord gegeben hat, aber jetzt wissen wir, dass es das gibt", sagte beispielsweise Tom Perkins, ein ehemaliger Director bei dem Unternehmen, der heute im Venture Capital-Bereich aktiv ist, gegenüber der Tageszeitung 'New York Times'.

Einen Manager eines anderen IT-Unternehmens zitiert das Blatt mit den Worten: "HP war das Epizentrum des Silicon Valley - geografisch, kulturell und historisch. Hat es das jemals gegeben, dass eine so respektierte Institution ähnlich tief gefallen wäre? Ich glaube nicht."

Apotheker hatte kürzlich verkündet, dass der Konzern seinen Fokus zukünftig auf das Geschäft mit Software und Cloud-Services für große Unternehmen legen werde. Der Vertrieb des gerade erst erschienenen Tablets TouchPad wird eingestellt. Viel tiefgreifender dürfte sich allerdings das angestrebte Abstoßen des PC-Geschäftes auf das Unternehmen auswirken. Immerhin generiert dieses einen drittel des Konzernumsatzes.

Als Grund für den geplanten Ausstieg aus dem Bereich werden die niedrigen Gewinnmargen angegeben. Diese liegen bei lediglich 5,8 Prozent, während der Durchschnitt über alle HP-Abteilungen hinweg immerhin 11 Prozent beträgt. Insbesondere im Software- und Services-Bereich locken deutlich größere Margen.

Allerdings - so wird kritisch angemerkt - bilden die Vertriebs- und Marketingkanäle des Hardware-Geschäfts eine nicht zu unterschätzende Grundlage für das Geschäft mit IT-Services. Es dürfte nicht einfach sein, den weltweit größten Computer-Hersteller seines Fundaments zu berauben und das gesamte Bauwerk trotzdem stabil zu halten.

In der Kritik steht außerdem die Übernahme des britischen Software-Unternehmens Autonomy für 10,3 Milliarden Dollar. Angesichts der Geschäftszahlen der Firma viel zu teuer, findet auch ein nicht namentlich genannter Manager von HP. "Niemand sonst würde das Elffache des Umsatzes zahlen", kommentierte dieser laut der Zeitung.

Auch andere leitende Angestellte des Konzerns empfinden die Neuausrichtung so, dass Apotheker das Unternehmen in eine Schlacht gegen schlagkräftige Konzerne wie SAP und Oracle führt und dabei die traditionellen Stärken der Firma ignoriert. "Das ist als ob Alan Mulally (der Chef des Flugzeug-Herstellers Boeing, d.R.) Boeing verlässt um den Chefposten bei Ford anzutreten und sechs Monate später verkündet, dass Ford nun Flugzeuge bauen wird", so ein weiterer Manager aus HPs Software-Sparte.
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