Microsoft - Handlanger der russischen Regierung?
Demnach kommt Microsoft zum Zug, wenn die Regierung einen Vorwand benötigt, um den Datenbestand von Computern zu durchsuchen. Microsoft arbeitet mit den Behörden zusammen und gibt vor, dass man Meldungen über die Nutzung illegaler Software auf diesen Systemen erhalten hat. Daraufhin können die PCs beschlagnahmt und in Ruhe durchsucht werden, heißt es in dem Bericht.
Die New York Times führte als Beispiel einen aktuellen Fall bei der Umweltschutzgruppe Baikal Environmental Wave an. So wurde im Januar das Büro der Organisation durchsucht und sämtliche Computer wurden beschlagnahmt. Die Gruppe soll illegal kopierte Software eingesetzt haben. Der Vorwurf stammte von einem Mann namens Dmitrij Latischew, der seine Beobachtungen am Tag vor der Polizeiaktion gemeldet hatte. Allerdings kennt ihn bei Baikal Environmental Wave niemand. Warum er den Vorfall meldete, gab er gegenüber der New York Times nicht an.
Die Organisation muss nun mit den Konsequenzen leben, denn auf den PCs befanden sich Dokumentationen über alle bisherigen und zukünftigen Aktionen. In dem Bericht der New York Times werden noch weitere derartige Fälle angeführt. Dabei wird immer nach demselben Muster vorgegangen. Wegen der angeblichen Verwendung illegaler Softwarekopien werden die Büros und Rechner durchsucht. Die Betroffen müssen daraufhin ihre Arbeit einstellen.
Russland zählt zu den Ländern, in denen sehr viel mit raubkopierter Software gearbeitet wird. Microsoft hatte versprochen, dass man nicht gegen die Anwender vorgehen will, sondern gegen die Hersteller und Verkäufer, die sich daran bereichern. Zeitungen und Interessengruppen erhalten sogar kostenlose Software von Microsoft.
In der Realität scheint es jedoch anders abzulaufen. Teilweise haben die Microsoft-Anwälte selbst Anzeige gegen Oppositionelle erstattet oder haben den Behörden zumindest kräftig dabei geholfen. Von offizieller Seite heißt es, dass man die Behörden nur auf Anfrage und nur im Rahmen russischer Gesetze unterstützt.
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Michael Diestelberg
Redakteur bei WinFuture
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