Merz' Attacke auf E-Auto-Offensive gefährdet 350.000 Jobs in Europa
Vertreter der CDU brüsten sich derzeit damit, dass Bundeskanzler Friedrich Merz einen EU-Vorstoß zur schnelleren Elektrifizierung des Autoverkehrs stark aufgeweicht hat. Das allerdings gefährdet Hunderttausende Arbeitsplätze in der Industrie.
Gegen diese Regelung wurde Merz allerdings aktiv. In Verhandlungen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron wurde vereinbart, die geplante Regelung deutlich abzuschwächen. Das geht einher mit einem Angriff auf die bisher geltende Festlegung, dass ab 2035 in Europa gar keine Autos mehr zugelassen werden dürfen, die auf fossile Treibstoffe angewiesen sind.
Was man in der CDU nun als großen Gewinn für die deutsche Autoindustrie feiert, könnte sich schnell ins Gegenteil verkehren. Denn eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass durch die jüngsten Rückschritte in der Gesetzgebung Hunderttausende Jobs in Gefahr sind.
Mit der Aufweichung der Regelung dürften die Effekte letztlich deutlich geringer ausfallen. Hinzu kommt, dass Merz auch gegen verschiedene Vorschläge der Franzosen vorging, mit denen insbesondere auch die europäische Zulieferkette - vor allem bei der Produktion der Batterien - gestärkt werden sollte.
"Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern", erklärte Susanne Goetz von der Organisation Transport and Environment (T&E), in deren Auftrag die Fraunhofer-Studie erarbeitet wurde. Das Abkommen zwischen Merz und Macron sei daher extrem kurzsichtig.
Siehe auch:
- Die EU-Kommission plante eine verbindliche E-Auto-Quote für Firmenwagen
- Unternehmen erwerben derzeit rund zwei Drittel aller Neuwagen in Europa
- Friedrich Merz einigte sich mit Emmanuel Macron auf eine Abschwächung
- Der Kompromiss gefährdet laut einer ISI-Studie viele neue Arbeitsplätze
- Bei strengeren Vorgaben könnten in Europa 344.000 neue Stellen entstehen
- Vor allem der Volkswagen-Konzern hätte von den EU-Plänen stark profitiert
EU-Plan würde viele Stellen schaffen
Seitens der EU-Kommission wollte man durchsetzen, dass gesetzlich für eine schnellere Umstellung der Dienstwagenflotten auf Elektro-Modelle gesorgt wird. Im Jahr 2030 sollten dann mindestens 45 Prozent der neu zugelassenen Firmenwagen E-Autos sein. Angesichts dessen, dass etwa zwei Drittel aller Neuwagen von Unternehmen gekauft werden, wäre dies ein starkes Instrument zur Verdrängung des Verbrenners von den Straßen.Gegen diese Regelung wurde Merz allerdings aktiv. In Verhandlungen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron wurde vereinbart, die geplante Regelung deutlich abzuschwächen. Das geht einher mit einem Angriff auf die bisher geltende Festlegung, dass ab 2035 in Europa gar keine Autos mehr zugelassen werden dürfen, die auf fossile Treibstoffe angewiesen sind.
Was man in der CDU nun als großen Gewinn für die deutsche Autoindustrie feiert, könnte sich schnell ins Gegenteil verkehren. Denn eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass durch die jüngsten Rückschritte in der Gesetzgebung Hunderttausende Jobs in Gefahr sind.
Vor allem VW würde profitieren
Eine zwangsweise schnellere Elektrifizierung der Firmenwagenflotten würde laut den Wissenschaftlern dafür sorgen, dass in Europa bis zum Jahr 2030 etwa 344.000 neue Stellen in der Autoindustrie entstehen. Der größte Anteil von 134.000 Arbeitsplätzen würde demnach auf Deutschland entfallen, insbesondere der angeschlagene VW-Konzern könnte überproportional von der zusätzlichen Nachfrage profitieren.Mit der Aufweichung der Regelung dürften die Effekte letztlich deutlich geringer ausfallen. Hinzu kommt, dass Merz auch gegen verschiedene Vorschläge der Franzosen vorging, mit denen insbesondere auch die europäische Zulieferkette - vor allem bei der Produktion der Batterien - gestärkt werden sollte.
"Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern", erklärte Susanne Goetz von der Organisation Transport and Environment (T&E), in deren Auftrag die Fraunhofer-Studie erarbeitet wurde. Das Abkommen zwischen Merz und Macron sei daher extrem kurzsichtig.
Siehe auch:
- Petrol-Lobby setzt sich durch, Verbrenner-Aus für 2035 gestrichen
- Verbrenner-Aus 2035: Bundesregierung fordert neue EU-Lockerungen
- Neuzulassungen im September: E-Autos hängen reine Benziner ab
- Elektroautos als Speicher: Neue Pläne bremsen bidirektionales Laden
- Aufweichung des Endes von Verbrenner-Autos: EU zeigt sich offen
Thema:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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