Russland will Raffinerien mit Technik aus dem Ersten Weltkrieg schützen

Russland entwickelt aktuell Sperrballons, um seine Ölraffinerien vor anhaltenden Drohnenangriffen zu schützen. Das radarbasierte Abwehrsystem soll anfliegende Ziele mit einem Netz abfangen. Erste Tests wecken jedoch Zweifel an der Praxistauglichkeit.
  • Russland entwickelt Sperrballons zum Schutz von Raffinerien vor Drohnen
  • Ein Netz zwischen zwei Ballons soll herannahende Flugobjekte abfangen
  • Radarsensoren erfassen Drohnen und passen die Netzhöhe mit Motoren an
  • Fachleute bezweifeln die Haltbarkeit bei schweren Langstreckendrohnen
  • Gleichzeitige Angriffe mehrerer Fluggeräte könnten das System überfordern
  • Starker Wind und zu langsame Motoren gelten als weitere Schwachstellen

Abwehrsystem aus Ballons

Um die kritische Energieinfrastruktur vor anhaltenden Angriffen ukrainischer Langstreckendrohnen abzuschirmen, arbeitet Russland an der Entwicklung von Sperrballons. Das Konzept sieht vor, Ölraffinerien und Anlagen der chemischen Industrie mit physischen Barrieren in der Luft zu umgeben. Dabei knüpfen die Entwickler eindeutig an Konzepte an, die bereits im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kamen.

Das Abwehrsystem besteht aus zwei relativ kleinen Ballons, zwischen denen ein Netz aus dünnen Seilen gespannt ist. Anfliegende Drohnen sollen sich in diesem, einem Tennisnetz ähnelnden Geflecht verfangen oder bei einem Zusammenstoß zerstört werden. Da unbemannte Fluggeräte ein statisches Netz einfach überfliegen könnten, ist das System mit einem Radar gekoppelt.



Die Sensoren erfassen die Flughöhe der herannahenden Bedrohung. Daraufhin passen Motoren die Höhe der Ballons und des Netzes automatisch über die Halteseile an, um das Ziel abzufangen. Wie Defense Express berichtet, bestehen nach ersten Tests jedoch starke Zweifel an der Praxistauglichkeit dieser Lösung.

Zweifel an der Wirksamkeit

Bei einer Demonstration nutzten die Entwickler eine sehr kleine Drohne, die in ihren Spezifikationen nicht an ukrainische Langstreckensysteme heranreicht. Es bleibt unklar, ob das Netz der Wucht eines mehrere hundert Kilogramm schweren Fluggeräts standhalten würde, das mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Kilometern pro Stunde einschlägt.

Zudem ist laut Beobachtern unklar, ob die Motoren die Höhe des Netzes schnell genug verändern können, um ein wendiges Ziel wie eine moderne Drohne rechtzeitig abzufangen. Greifen mehrere solche Fluggeräte gleichzeitig auf unterschiedlichen Höhen an, dürfte das System zusätzlich an seine Grenzen stoßen. Ein weiteres Risiko stellt starker Wind dar, der die Ballons beschädigen oder abreißen könnte.

Physische Barrieren in der Breite

Die Sperrballons reihen sich in Bemühungen ein, Anlagen durch physische Hindernisse zu schützen. Russland hat bereits Netze an seinen Raffinerien angebracht. Zudem testen russische Entwickler Fesselballons, die Anlagen zur elektronischen Kriegsführung und Radarsysteme tragen.

Russland verfolgt derzeit mehrere parallele Projekte mit Sperrballon-Netzen, die sich alle noch in der Entwicklungsphase befinden. Ein Blick in die Geschichte zeigt die Limitierungen der Technik auf: Als Großbritannien im Zweiten Weltkrieg Sperrballons nutzte, um London vor deutschen V1-Raketen zu schützen, entfielen auf die Ballons lediglich rund fünf Prozent aller zerstörten V1.

Glaubt ihr, dass physische Barrieren wie Sperrballons in der modernen Drohnenkriegsführung eine Zukunft haben? Teilt eure Gedanken mit uns in den Kommentaren!

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Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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