Australiens Social-Media-Verbot läuft weitgehend ins Leere
Australiens Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige wird offenbar massenhaft umgangen. Nicht einmal die Hälfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist tatsächlich in Folge der Regelung von den Plattformen verschwunden.
Für die Erhebung der britischen Molly Rose Foundation wurden 1050 Australier im Alter von 12 bis 15 Jahren befragt. Demnach konnten Anbieter wie TikTok, YouTube und Instagram mehr als die Hälfte ihrer bisherigen minderjährigen Nutzer halten. Rund zwei Drittel der Befragten gaben zudem an, die Plattformen hätten ihres Wissens nach keine Maßnahmen ergriffen, um bestehende Konten zu löschen oder zu deaktivieren.
Schon kurz nach Einführung des Gesetzes kursierten im Netz außerdem Hinweise, wie sich die Sperren umgehen lassen. Jugendliche berichten demnach, dass sie eine Altersverifikation per Gesichtserkennung von den Eltern umsetzen ließen, technische Hilfsmittel organisierten oder ihren Standort mit VPN-Diensten verschleierten.
Australien gilt als erstes Land mit einem weitreichenden Social-Media-Verbot für Minderjährige und wird international genau beobachtet. Mehrere Staaten, darunter Frankreich, Griechenland, Spanien, Indonesien und Großbritannien, prüfen ähnliche Schritte. Auch in mehreren US-Bundesstaaten liegen entsprechende Gesetzesvorhaben vor.
Fachleute warnen jedoch vor zu einfachen Schlussfolgerungen. Die Psychiatrieprofessorin Jacqueline Nesi von der Brown University betont, die Auswirkungen sozialer Medien seien sehr unterschiedlich. Während manche Jugendliche belastet würden, fänden andere dort Gemeinschaft, Unterstützung oder Räume zur Selbstfindung, etwa queere junge Menschen oder Jugendliche aus Regionen, in denen klassische Angebote für junge Menschen weggespart wurden. Entscheidend sei vor allem, wie Plattformen genutzt würden.
Kritiker des australischen Modells bemängeln zudem, dass Verbote Jugendliche in weniger regulierte und potenziell gefährlichere Bereiche des Internets drängen könnten. Außerdem könnten Plattformbetreiber weniger Anreiz haben, spezielle Schutzfunktionen für Kinder zu entwickeln.
Siehe auch:
60 Prozent sind weiter aktiv
Nur wenige Monate nach Inkrafttreten des weltweit beachteten Vorstoßes zeigt eine neue Umfrage: Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen, die vor dem Verbot bereits Konten bei sozialen Netzwerken hatten, nutzen weiterhin mindestens eine der gesperrten Plattformen. Das berichtete das US-Magazin Fortune.Für die Erhebung der britischen Molly Rose Foundation wurden 1050 Australier im Alter von 12 bis 15 Jahren befragt. Demnach konnten Anbieter wie TikTok, YouTube und Instagram mehr als die Hälfte ihrer bisherigen minderjährigen Nutzer halten. Rund zwei Drittel der Befragten gaben zudem an, die Plattformen hätten ihres Wissens nach keine Maßnahmen ergriffen, um bestehende Konten zu löschen oder zu deaktivieren.
Schon kurz nach Einführung des Gesetzes kursierten im Netz außerdem Hinweise, wie sich die Sperren umgehen lassen. Jugendliche berichten demnach, dass sie eine Altersverifikation per Gesichtserkennung von den Eltern umsetzen ließen, technische Hilfsmittel organisierten oder ihren Standort mit VPN-Diensten verschleierten.
Australien gilt als erstes Land mit einem weitreichenden Social-Media-Verbot für Minderjährige und wird international genau beobachtet. Mehrere Staaten, darunter Frankreich, Griechenland, Spanien, Indonesien und Großbritannien, prüfen ähnliche Schritte. Auch in mehreren US-Bundesstaaten liegen entsprechende Gesetzesvorhaben vor.
Verbot nimmt Räume
Die Regierung in Canberra hatte das Verbot mit wachsenden Sorgen um die psychische Gesundheit junger Menschen begründet. Studien deuten darauf hin, dass intensiver Gebrauch sozialer Medien bei manchen Jugendlichen mit Angstzuständen, Depressionen oder Problemen beim Körperbild zusammenhängen kann. Statt aber regulierend auf die mächtigen Plattformen einzuwirken, greifen Regierungen zu dem vermeintlich einfacheren Mittel des Nutzungs-Verbots.Fachleute warnen jedoch vor zu einfachen Schlussfolgerungen. Die Psychiatrieprofessorin Jacqueline Nesi von der Brown University betont, die Auswirkungen sozialer Medien seien sehr unterschiedlich. Während manche Jugendliche belastet würden, fänden andere dort Gemeinschaft, Unterstützung oder Räume zur Selbstfindung, etwa queere junge Menschen oder Jugendliche aus Regionen, in denen klassische Angebote für junge Menschen weggespart wurden. Entscheidend sei vor allem, wie Plattformen genutzt würden.
Kritiker des australischen Modells bemängeln zudem, dass Verbote Jugendliche in weniger regulierte und potenziell gefährlichere Bereiche des Internets drängen könnten. Außerdem könnten Plattformbetreiber weniger Anreiz haben, spezielle Schutzfunktionen für Kinder zu entwickeln.
Zusammenfassung
- Australiens Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige wird umgangen
- Über 60 Prozent der Jugendlichen nutzen weiterhin gesperrte Plattformen
- Die Molly Rose Foundation befragte 1050 Australier von 12 bis 15 Jahren
- Jugendliche umgehen Sperren mit VPN-Diensten oder Hilfe der Eltern
- Mehrere Staaten wie Frankreich und Spanien prüfen ähnliche Maßnahmen
- Fachleute warnen, dass Verbote Jugendliche in gefährlichere Räume drängen
- Plattformen hätten kaum Maßnahmen zur Löschung bestehender Konten ergriffen
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